Investmentbranche

Transaktionskosten von Fonds in der Kritik

06.11.2003
, 20:57
Den Skandal um fragwürdige Handelspraktiken amerikanischer Fondsgesellschaften betrachtet die deutsche Investmentbranche bislang eher distanziert. Auch die Aufsichtsbehörde sieht keine Veranlassung, tätig zu werden.
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Den Skandal um fragwürdige Handelspraktiken amerikanischer Fondsgesellschaften betrachtet die deutsche Investmentbranche bislang eher distanziert. "Wir haben noch einmal detailliert überprüft, ob es solche Praktiken in unserem Haus gab", sagt eine Sprecherin der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. "Es ist nichts bekannt." Auch die Aufsichtsbehörde sieht keine Veranlassung, mit Blick auf die Ermittlungen in den Vereinigten Staaten tätig zu werden. "Dazu besteht derzeit kein aktueller Anlaß", heißt es dazu aus der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Man werde die Entwicklung verfolgen. Es sei aber kein Schwerpunktthema.

An der Wall Street schlagen seit einigen Tagen die Wellen hoch, nachdem der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer und die amerikanische Börsenaufsicht SEC einzelne Fondsgesellschaften ins Visier genommen haben. Zum einen gehen sie dabei dem Vorwurf nach, inwiefern in der Vergangenheit der illegale Handel mit Fondsanteilen nach Börsenschluß praktiziert wurde. Dabei konnten manche Kunden Anteile offenbar noch nach Börsenschluß zum Preis des Vortages handeln und somit unrechtmäßig von Nachrichten profitieren, die nach Marktschluß veröffentlicht wurden. Zum anderen gingen die Ermittler dem Kauf und Verkauf von Fondsanteilen in kurzen zeitlichen Abständen nach. Eine solche Handelspraxis benachteiligt die in den Fonds verbleibenden Anleger, weil mit häufigen Transaktionen die Kosten der Fonds steigen und die Preisschwankungen zunehmen.

Fehlende Transparenz

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Ähnliche Vorgänge in Deutschland würden sowohl gegen die geltende Rechtslage verstoßen - im Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) ist etwa die Gleichbehandlung der Anleger ausdrücklich vorgeschrieben - als auch gegen die Wohlverhaltensrichtlinien, die sich die Branche erst im vergangenen Jahr gegeben hat. Doch durch die Vorgänge in den Vereinigten Staaten fühlten sich Kritiker von Fondsgesellschaften nun aufgerufen, abermals auf spezifisch deutsche Mißstände in der Investmentlandschaft hinzuweisen, die zwar nicht den teilweise kriminellen Hintergrund wie die Vorgänge in Übersee haben, nichtsdestotrotz aber an der Glaubwürdigkeit der Branche nagen.

Kernpunkt der Vorwürfe, die etwa der Hamburger Wirtschaftsprofessor Michael Adams erhebt, ist die immer noch fehlende Transparenz über die Höhe der Kosten, die auf Fondsebene durch den Kauf und Verkauf von Wertpapieren anfallen. "Transaktionskosten werden nicht in den Rechenschaftsberichten der Investmentfonds aufgeführt, obwohl sie unter einem offenem Interessenkonflikt beim Handel mit den Mutterbanken entstehen", kritisiert Adams. Ob bei dem Kauf einer Aktie vom Broker 0,2 oder 0,5 Prozent an Gebühren erhoben werden, bleibe dem Anleger verborgen. Die Mutterbank habe deshalb ein unmittelbar gesteigertes Interesse an einer gebührenerzeugenden und den Kunden verheimlichten kompletten Umschichtung des Portfolios zu möglichst hohen Gebühren.

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Schwammige Formulierung

Tatsächlich geben die deutschen Fondsgesellschaften, die in der Regel die Tochtergesellschaft einer Bank oder eines Versicherers sind, nicht bekannt, wie hoch der Anteil der Orders ist, die über das Mutterhaus laufen, und leisten somit Kritikern wie Adams Vorschub. Zuletzt konnte sich die Branche auch bei der Erarbeitung ihrer Wohlverhaltensrichtlinien im vergangenen Jahr nicht dazu durchringen, wenigstens die Umschlaghäufigkeit in einem Fondsportfolio zu veröffentlichen. Schwammig ist dort lediglich formuliert: "Die internen Kontrollstellen haben zu überwachen, daß die Geschäftsabschlüsse den zum Abschlußzeitpunkt der Geschäfte üblichen Marktbedingungen entsprechen."

Dabei sind Transaktionskosten nach Einschätzung von Fachleuten der größte regelmäßig anfallende Kostenblock, der vom Anleger indirekt über eine niedriger ausfallende Wertentwicklung bezahlt wird. Die auf institutionelle Anleger spezialisierte Beratungsgesellschaft alpha portfolio advisors aus Bad Soden hatte in diesem Frühjahr für drei Monate die Handelsaktivitäten von zehn deutschen Kapitalanlagegesellschaften untersucht. Dabei kam sie zu dem Ergebnis, daß bei der Aktienanlage pro Transaktion Kosten von im Durchschnitt 0,734 Prozent des eingesetzten Volumens anfallen. Wird das Portfolio also einmal komplett umgeschichtet, kostet das 1,5 Prozent des Fondsvermögens.

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Die Offenlegung der Transaktionskosten sei in Deutschland ein sensibles Thema, bestätigt Christian Schlenger Geschaftführer alpha portfolio advisors. Von den Gebühren hätten die Gesellschaften und ihre Mutterbanken in der Vergangenheit nicht schlecht gelebt. Doch werde die unzureichende Transparenz seiner Ansicht nach schon aufgrund des steigenden Wettbewerbsdrucks allmählich aufweichen.

Quelle: sfu. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2003, Nr. 259 / Seite 23
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