Investmentfonds

„Bei Goldaktienfonds sollte das Schlimmste passiert sein“

20.05.2005
, 12:05
Gold ist in Euro teurer als vor einem Jahr - im Gegensatz zu Goldaktienfonds
Unter den Fonds dieser Welt hat kaum ein Sektor in diesem Jahr schlechter abgeschnitten als mit Goldaktien bestückte Produkte. Das Jahresminus beträgt derzeit fast 16 Prozent. Aber weiter abwärts dürfte es kaum gehen, meint Jan Ehrhardt von der Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG.

Der Goldpreis läuft in der Regel mit dem Euro auf und ab. Aber nicht immer. Binnen Jahresfrist haben derartige Ausnahmen den in Euro rechnenden Goldkäufern einen kleinen Kursgewinn beschert. Im Mai vergangenen Jahres mußten umgerechnet rund 315 Euro je Unze bezahlt werden, derzeit ist diese Menge gut 333 Euro wert. Mithin ist Gold etwa 5,8 Prozent mehr wert als seinerzeit. Wenn Besitzer von Goldaktienfonds auf eine solche Wertentwicklung blicken könnten, würden sie wohl jubeln. Denn diese Produkte haben durch die Bank weg in Euro gerechnet deutliche Verluste erwirtschaftet.

Der Statistik von Standard&Poor´s Fund Services zufolge beträgt das Jahresminus fast 16 Prozent; in den jüngsten sechs Monaten allein ist ein Verlust von 14,3 Prozent angefallen. In den jüngsten zwölf Monaten haben demnach nur Biotechnologiefonds und auf asiatische Technologietitel setzende Produkte schlechter abgeschnitten.

Zu den gebeutelten Vertretern dieser Anlageklasse zählt auch der DJE Gold & Ressourcen-Fonds. Immerhin hat er zuletzt unter 15 vergleichbaren Produkten mit am besten abgeschnitten, wie die Statistik zeigt (Wertentwicklung von Goldaktienfonds). Das liegt auch an der Portfolio-Konstruktion: Unter den größten Positionen finden sich der - von der Fondsgesellschaft allgemein bevorzugte - deutsche Düngemittelspezialist K+S, der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger + Berger sowie der Stahlröhrenproduzent Salzgitter. All diese Aktien sind gut gelaufen und zeigen weiter Dynamik. Durch diese Titel haben sich die Kursverluste des Fonds relativ in Grenzen gehalten. Und Jan Ehrhardt von der Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG hat als Trost für die Anleger die Einschätzung parat, mit weiteren Kursverlusten nicht mehr zu rechnen.

Südafrika: So wenig Gold produziert wie zuletzt 1931

Für die schwache Werteentwicklung sind vor allem südafrikanische Minenwerte verantwortlich. Anglogold Ashanti haben sich mit einem Jahresminus von 1,3 Prozent noch recht gut geschlagen. Goldfields büßten dagegen schon 7,4 Prozent ein und Harmony Gold sogar 38 Prozent. Die Goldwerte vom Kap leiden, wie Ehrhardt bestätigt, auch und gerade unter der Stärke der Heimatwährung Rand, die dem Dollar binnen Jahresfrist gut sechs Prozent abgenommen hat - und das angesichts der Zinserhöhungen in Amerika gegenüber rekordtiefen Leitzinsen in Südafrika. Deshalb ist auch der Goldpreis in Rand gefallen, was die Gewinne der Konzerne schmälert.

Gleichzeitung sind die Rohstoffkosten für die Goldproduzenten gestiegen, wie Ehrhardt im Gespräch mit FAZ.NET weiter ausführte. Namentlich Stahl - in Form von Stützen in den tiefen Minen zur Absicherung benötigt-, aber auch Wasser und Strom seien teurer geworden. Dies und Lohnerhöhungen hätten die Rentalibilität vieler Minen derart beeinträchtigt, daß sie geschlossen worden seien.

Die Folge: „Südafrika hat im vergangenen Jahr so wenig Gold produziert wie zuletzt 1931“, so Ehrhardt - und eine entsprechend geringe Menge des Edelmetalls verkauft. Daraus leitet der Fondsmanager eine gewisse Hoffnung ab: Auf Dauer sollte das verknappte Angebot an Gold zu steigenden Preisen führen, sofern die Nachfrage nicht einbreche. Auch werde der Rand wohl nicht weiter aufwerten. Die jüngste Kursentwicklung scheint Ehrhardt recht zu geben. Zudem besteht weitere Zinssenkungsphantasie, da die Regierungspartei ANC, genauso wie viele Exporteure den Rand noch als zu stark ansieht und die Inflation aktuell unter Kontrolle ist.

„Verkauf von Goldaktienfonds nicht mehr sinnvoll“

Wenn die Preise steigen und der Rand weiter fällt, dann werden die südafrikanischen Konzerne zum einen mehr Dollar für ihr Gold erlösen und die „Bucks“ in mehr Rand als derzeit eintauschen können. Beides würde die Gewinne klettern lassen. Die Frage ist nur: Wann wird Gold merklich teurer und sich vielleicht vom Euro (und dem Dollar) lösen?

Ehrhardt meint, das werde „noch nicht so schnell“ geschehen, sondern noch einige Monate dauern. „Das Schlimmste sollte aber bei Goldaktien passiert sein“, folgert er angesichts der jüngsten Bewegungen des Rand und des verknappten Angebots. Für einen Einstieg in Goldaktienfonds sei es vielleicht noch zu früh, aber solche Produkte jetzt noch zu verkaufen, sei wegen der Aussichten auf Besserung nicht sinnvoll.

Nicht nur der Rand, auch die jüngsten Kursbewegungen bei Goldaktien untermauern Ehrhardts Einschätzung. Sowohl bei Goldfields als auch bei Anglogold Ashanti und der arg gebeutelten Harmony Gold geht es wieder aufwärts. Dem entspricht, daß der DJE Gold & Ressourcen gerade den Test seines Jahrestiefs bestanden und sich ebenfalls erholt hat. Allerdings ist der Rand eine volatile Währung, und die Zinssenkungsphantasie muß sich ebensowenig bewahrheiten wie die Hoffnung auf eine Abkopplung des Goldpreises vom Euro. Insofern sollten Besitzer von Goldaktienfonds die unterliegenden Aktien im Auge haben - um bei Bedarf rechtzeitig die Reißleine ziehen zu können.

Quelle: @thwi
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot