Investmentfonds

Biotech-Fonds befinden sich wieder im Aufwind

18.10.2005
, 20:38
Aufgrund von Inflations- und Zinssorgen scheint sich die Wachstumsphantasie zu verflüchtigen. Hohe Gewinnerwartungen könnten enttäuscht werden, so die Vermutung. In diesem Umfeld können Pharma- und Biotechwerte relativ interessant werden.

Waren die Anleger noch bis vor kurzem extrem „aktieneuphorisch“, so hat sich diese Stimmung einmal mehr als kleiner Kontraindikator erwiesen. Sie hat sich inzwischen auch wieder etwas gelegt.

Gründe dafür sind leicht auszumachen. Einmal sind es die anhaltend hohen Rohstoffkosten, die sich nun doch entgegen vielen Behauptungen nach und nach auf die Preisentwicklung durchzuschlagen scheinen. Auf diese Weise wird das Budget der Unternehmen und auch der Verbraucher auf eine gewisse Weise „besteuert“, so daß die Konsumlust gedämpft wird.

Steigende Preise - schwächeres Wachstum?

Das ist insbesondere mit Blick auf Amerika wichtig, weil die Wirtschaft dort vor allem von den künstlichen Steuer-, Ausgaben- und Geldmengenimpulsen getrieben wurde, die den Konsum anheizten. Nun wird diese Entwicklung durch steigende Preise gebremst.

Bild: Bloomberg

Das ist jedoch nicht alles. Denn gleichzeitig müssen die Zentralbanker den Preisimpulsen gegensteuern und die Zinsen anheben. Die amerikanische Notenbank Fed zieht schon seit 30. Juni vergangenen Jahres die Zinsschraube immer fester an. Sie hat den Leitzins von einem Prozent auf zuletzt 3,75 Prozent angehoben. Weitere Zinserhöhungen scheinen absehbar zu sein. Auf diese Weise wird zunehmend eine weitere „Quelle des amerikanischen Wohlstandes“ trockengelegt, nämlich der amerikanische Immobilienboom.

Diese Entwicklung führt zunehmend zur Vermutung, das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft könnte sich in den kommenden Monaten abschwächen. Das wäre schlecht für die Gewinnentwicklung der internationalen Unternehmen, hing sie doch in den Vergangenheit mehr oder weniger stark vom Amerikageschäft ab. Das heißt, die hohen Erwartungen in diesem Bereich könnten tendenziell enttäuscht werden. Das hat schon in den vergangenen Tagen zu zum Teil deutlichen Gewinnmitnahmen in zuvor gut gelaufenen Bereichen geführt.

Pharma- und Biotechwerte verfügen über eine Preissetzungsmacht

Allerdings gibt es Ausnahmen. Dazu könnte zumindest nach einer Einschätzung von BCA-Research der Pharma- und Biotech-Bereich gehören. Denn die Unternehmen dieses Sektors haben selbst in konjunkturell schwachen Phasen eine gewisse Preissetzungsmacht und werden gerade aus diesem Grund in solchen Zeiten vergleichsweise interessant. Schon in der Vergangenheit haben die Aktien der Unternehmen in Schwäche- oder Unsicherheitsphasen relativ gut abgeschnitten. Das dürfte auch künftig der Fall sein.

Allerdings bezieht sich diese Beobachtung weniger auf einzelne Unternehmen als vielmehr den breiten Markt. Denn bei einzelnen Firmen sind die Risiken aufgrund der zum Teil sprunghaften Entwicklung des operativen Geschäftes viel zu groß für einen Normalanleger. Aus diesem Grund dürften sich Biotech-Fonds empfehlen.

Nach dem Hype gefangen

Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt (siehe Graphik), daß sich die verfügbaren Fonds nach dem Platzen der Internet- und auch Biotechhype der neunziger Jahre sich nach zum Teil deutlichen Kursverlusten wieder gefangen haben und in den vergangenen Jahren zum Teil wieder deutliche Kursgewinne verbuchen konnten. Das dürfte kaum verwundern. Denn manche Unternehmen der Branche sind relativ reif geworden, haben schon eine Anzahl von Produkten auf dem Markt und können mit diesen zum Teil beachtliche Umsatz- und Ergebniszuwächse verbuchen.

Ein Musterbeispiel dafür ist Genentech. Die Aktie des Unternehmens, das sich mehrheitlich im Besitz von Roche befindet, ist zwar sicherlich noch nie ein Schnäppchen gewesen. Allerdings ist es in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Ähnliches gilt für Celgene, Gilead Sciences, Medimmune, Amgen und bedingt auch für Protein Design, Chiron und Affymetrix. Die Aktien dieser Unternehmen sind in den vergangenen Monaten zum Teil sehr gut gelaufen.

Allerdings gab es nicht nur Kursgewinner. In diesem Sinne müssen Fondsmanager schon ein gutes Händchen haben. Hans Leitner vom Espa Stock Biotec (ISIN: AT0000746748) lag in den vergangenen Jahren bei den in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds nicht schlecht. Aktuell gehören Vertex Pharma, Gilead Sciences, Sepracor, Amgen und Genzyme zu den größten Positionen in seinem Fonds.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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