Investmentfonds

Börsengehandelte Indexfonds im Aufwind

20.07.2004
, 19:23
Börsengehandelte Indexfonds verzeichnen eine zunehmende Akzeptanz unter europäischen Anlegern. Gleichzeitig wird der Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern härter geführt. Hierbei ärgert sich die Konkurrenz über Barclays.

Börsengehandelte Indexfonds verzeichnen eine zunehmende Akzeptanz unter europäischen Anlegern. Gleichzeitig wird der Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern härter geführt. Ende Juni verwalteten die an der Deutschen Börse notierten Produkte, die auch als Exchange Traded Funds (ETFs) bezeichnet werden, ein Vermögen von 14,4 Milliarden Euro. Damit hat das Marktsegment innerhalb eines Jahres einen deutlichen Wachstumsschub von rund 60 Prozent verzeichnet. Zudem baute die Deutsche Börse mit einem Marktanteil von 55 Prozent ihre Rolle als wichtigster Umschlagplatz für ETFs in Europa gegenüber dem wichtigsten Kontrahenten Euronext (25 Prozent) weiter aus.

Es sind vor allem große institutionelle Investoren, die die Vorzüge von börsengehandelten Indexfonds zunehmend zu schätzen lernen. Privatanleger fallen dagegen kaum ins Gewicht. Ihr Anteil am Geschäft wird auf etwa zehn Prozent geschätzt. Darin schlägt sich eine Zweiteilung des Marktes für Index-Produkte nieder, die sich zunehmend etabliert: Auf der einen Seite die Indexfonds für Großanleger, die nach dem Prinzip eines üblichen Investmentfonds funktionieren; auf der anderen Seite die Indexzertifikate für Privatanleger. Letztere sind meist zwar billiger als die börsengehandelten Indexfonds. Allerdings bergen Zertifikate in ihrer Form als Schuldverschreibung auch ein Emittentenrisiko - das heißt, im Falle der Insolvenz des Emittenten geht das Anlegergeld verloren -, welches institutionelle Investoren zumeist nicht eingehen dürfen.

Auf dem deutschen Markt eine junge Produktklasse

Die ersten börsengehandelten Indexfonds kamen erst im Frühjahr 2000 auf den deutschen Markt. Für ein Engagement in diese Produkte werden von seiten der Anbieter vor allem drei Argumente genannt. Erstens können sich Anleger in einem ganzen Markt engagieren, ohne einzelne Aktien kaufen zu müssen, weil die Wertentwicklung des Fonds nahezu spiegelbildlich dem Verlauf des zugrundeliegenden Index folgt. Zweitens ist es möglich, die Fondsanteile zu den üblichen Börsenhandelszeiten jederzeit zu kaufen oder auch zu verkaufen. Und drittens sind die anfallenden Kosten im Vergleich zu normalen Investmentfonds wesentlich geringer.

So entfällt zum Beispiel der Ausgabeaufschlag, und die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt normalerweise nicht mehr als 0,5 Prozent. Allerdings bedeutet dies auch, daß für Finanzberater entweder keine oder nur geringfügige Provisionen anfallen, weshalb diese Produkte lediglich in Ausnahmefällen Privatanlegern aktiv angeboten werden. So beschränkt sich das Anlegerpublikum nahezu ausschließlich auf informierte Investoren, die keine provisionsabhängigen Beratungsleistungen in Anspruch nehmen müssen.

Gerade bei den Kosten geraten sich die Anbieter zunehmend in die Haare. Neben einer möglichst engen Spanne zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis der Fonds an der Börse und einer möglichst genauen Nachbildung des zugrundeliegenden Index ist dies ein entscheidendes Wettbewerbskriterium. So waren in der vergangenen Woche die europäischen Konkurrenten des angelsächsischen Anbieters Barclays Global Investors (BGI) verärgert, als dieser mit einer mißverständlich formulierten Pressemitteilung den Eindruck erweckte, er habe die Gesamtkostenquote von 0,35 auf 0,25 Prozent gesenkt. Die Wettbewerber verlangen meist 0,4 Prozent.

BGI mit unüblichen Angaben

Dabei hatte BGI jedoch nur die Erträge aus der Wertpapierleihe, ein lukratives Nebengeschäft von Fondsgesellschaften, von der Verwaltungsgebühr abgezogen. Ein solches Vorgehen ist absolut unüblich, weil diese Erträge normalerweise nicht speziell in den Kosten, sondern ganz allgemein in der Wertentwicklung eines Fonds Niederschlag finden. An diesem Punkt nehmen sich die Wettbewerber allerdings wenig, wie ein Blick in die Feri-Trust-Datenbank zeigt. So lagen im vergangenen Jahr der BGI-Indexfonds und das Indexchange-Konkurrenzprodukt mit einem Wertzuwachs von 18,5 beziehungsweise 18,2 Prozent beide leicht über dem Zuwachs des Euro Stoxx 50 von 18,0 Prozent.

Der Markt für Börsenindexfonds auf den Euro Stoxx 50 ist in Europa am stärksten umkämpft, weil der Indexanbieter Stoxx mittlerweile vier ETF-Lizenzen vergeben hat. Gleichzeitig ist er besonders attraktiv, weil an keinem anderen ETF-Segment in Europa die Nachfrage so groß ist. Allgemein gilt, daß mit zunehmender Liquidität auf dem ETF-Markt wegen der damit verbundenen Skaleneffekte die Preise langfristig nach unten gehen. Auf dem am weitesten entwickelten ETF-Markt in den Vereinigten Staaten etwa verlangt der größte Börsenindexfonds - der SPDR auf den S&P-500-Index - nur eine jährliche Verwaltungsgebühr von rund 0,1 Prozent.

HVB-Tochter mit Exklusivlizenz für Dax-Nachbildung

In Deutschland beherrscht die Hypo-Vereinsbank-Tochtergesellschaft Indexchange den Markt für börsengehandelte Indexfonds. Ihr kommt dabei vor allem entgegen, daß sie für die Nachbildung des Dax eine Exklusivlizenz der Deutschen Börse besitzt. Dank des konstanten Wachstums des ETF-Marktes und des rückläufigen Neugeschäfts deutscher Fondsgesellschaften mit Aktienfonds nimmt Indexchange inzwischen sogar branchenweit eine Sonderstellung ein. Von den Nettomittelzuflüssen seit Jahresanfang in deutsche Wertpapierfonds in Höhe von 6,5 Milliarden Euro entfällt mittlerweile gut ein Drittel auf den Indexfondsanbieter. Marktführer DWS hat damit im Neugeschäft nur noch einen hauchdünnen Vorsprung von 44 Millionen Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2004, Nr. 167 / Seite 19
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot