Investmentfonds

„Goldendes Zeitalter“: Öl-Werte werden billiger

13.09.2005
, 19:28
Morgan Stanley spricht vom „Goldenen Zeitalter des Verfeinerns“ - und schraubt seine Gewinnschätzungen für Ölkonzerne mit Raffineriegeschäft hoch. Credit Suisse First Boston paßt seine Preisprognosen nach oben an. Anleger können etwa durch Indexfonds von der Öl-Hausse profitieren.

Hausbesitzer und Autofahrer wird es ebenso freuen wie Unternehmen: An den vergangenen Handelstagen sind die Ölpreise unter dem Strich deutlich gesunken. Touchierte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zu Ende August noch die Marke von 67,50 Dollar, so wird diese Menge derzeit zu knapp 62,30 Dollar gehandelt. Das bedeutet immerhin einen Kursabschlag am Terminmarkt von 8,3 Prozent. Zuvor hatten die weiter robuste Nachfrage sowie Sorgen um Versorgungsengpässe infolge des Hurrikans „Katrina“ die Preise getrieben. Die Freigabe strategischer Reserven der Internationalen Energie-Agentur und der Vereinigten Staaten sorgten für eine gewisse Entspannung - doch am Dienstag haben die Ölpreise zumindest zeitweise wieder angezogen.

Binnen Jahresfrist ist der Brent-Preis von 41 Dollar ausgehend um mehr als 50 Prozent geklettert. Öl-Analysten haben die Dynamik des Preisauftriebs bei dem zähflüssigen „schwarzen Gold“ in der Vergangenheit jedoch zumeist verkannt, das heißt: zu niedrig eingeschätzt. Ein Grund war der Argwohn, China könnte nicht dauerhaft mit rund neun Prozent wachsen und als Rohstoff-Sauger wirken. Unlängst aber schraubte etwa Morgan Stanley-Analyst Eric Chaney seine Schätzungen drastisch hoch; er rechnet nun mit Spitzenwerten von 70 bis 75 Dollar, hält bis Ende 2007 einen Abschwung auf 40 bis 45 Dollar für möglich; diese Marken liegen dabei immer noch deutlich über den vor Jahresfrist abgegebenen Prognosen.

„Ölmarkt bleibt verwundbar“

Aber wohlgemerkt: Bis auf weiteres rechnet Chaney mit einem robusten Ölmarkt. Und damit steht er nicht allein: Die Kollegen von der amerikanischen Investmentbank Credit Suisse First Boston haben gerade ihre Prognosen für die Öl- und Gaspreise angehoben. Sie rechnen nun mit 70 bis 80 Dollar je Faß bis Ende 2006. Die Marge könnte gleichsam das „Jahr Null“ markieren, ab dem der Markt aufweichen und zu sinkenden Preisen führen könnte. Zuvor werden Öl-Unternehmen aus Sicht von Credit Suisse First Boston deutlich mehr verdienen als bisher geschätzt - und zwar im Durchschnitt 30 Prozent. Morgan Stanley hat die Gewinnschätzungen in ähnlich deutlichem Maße angehoben und spricht gar von einem „Goldenen Zeitalter des Verfeinerns“ von 2005 bis 2008. Durch die neuen Gewinnschätzungen werden die entsprechenden Öl-Werte, die ohnehin noch nicht teuer waren, billiger, da die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sinken.

Credit Suisse First Boston schätzt die neuen Prognosen als „günstig“ ein. Gleichzeitig meinen die Analysten im Öl-Researchteam, der Markt bleibe verwundbar. Weitere Angebotsverknappungen könnten sowohl die Preise für den Rohstoff als auch die Margen für das Verarbeiten desselben in die Höhe treiben. „Hohe Preise sind eine Tatsache - und nur ein stärkeres Angebotswachstum bei einer schwächeren Zunahme der Nachfrage werden es dem Markt erlauben, sich hinreichend zu entspannen“, lautet eine Schlußfolgerung bei Credit Suisse First Boston.

Morgan Stanley favorisiert die ungarische MOL

Morgan Stanley sieht die Bewertung von ölverarbeitenden Unternehmen als „zwingend“ an. Das Raffineriegeschäft solcher Konzerne werde bisher nicht ausreichend bewertet, spiegele sich also nicht in den Aktienkursen wider. Dazu passen die neuen Ergebnisschätzungen: Für die finnische Neste Oil (bisheriges Kurs-Gewinn-Verhältnis: 15,8) hat die Investmentbank das Kursziel um 32 Prozent hocgeschraubt, für die ungarische MOL (10,8) um 18 Prozent, für die österreichische OMV (11,3) um 15 Prozent, für die norwegische Statoil (11,0) um 13 Prozent, die spanische Repsol (9,9) um zwölf Prozent und für die französische Total (10,8) um zehn Prozent. Ein Plus von weniger als zehn Prozent sieht Morgan Stanley bei der britischen BG Group (15,7), der italienischen ENI (10,3) und BP (11,6) sowie Royal Dutch/Shell (10,2). Dabei bevorzugt Morgan Stanley derzeit MOL, Repsol und Royal Dutch/Shell.

Dagegen zieht Credit Suisse First Boston außer Total und ENI die norwegische Norsk Hydro vor. Diese drei Titel hat die Investmentbank wie den Ölsektor mit „outperform“ bewertet, erwartet also über dem Durchschnitt liegende Kursgewinne. OMV und Repsol sehen die Analysten im Gegensatz zu Morgan Stanley als „underperformer“ an. Die übrigen europäischen Ölwerte gelten ihnen als „neutral“ ohne herausragendes Kurspotential.

Diverse Aktien- und Indexfonds zur Auswahl

Angesichts solcher Tips mag der eine oder andere Privatanleger die Stirn in Falten legen: Auf welchen Rat soll er hören? Allerdings besteht die Möglichkeit, statt auf Einzelaktien auf Fonds zu setzen, die Ölaktien im Portfolio haben. Eine günstige Variante ist der auf den Dow Jones Stoxx 600 Oil & Gas-Index gemünzte gleichnamige Indexfonds mit der Kennzahl 634476. Das Produkt des Anbieters Indexchange bildet den entsprechenden Index ab, weshalb BP mit Abstand an erster Stelle sowie Total, Royal Dutch/Shell, ENI, BG Group, Repsol und Statoil die schwersten Titel sind. Binnen Jahresfrist in dieser Dow Jones Stoxx 600 Oil & Gas ex genannte Fonds um 36,1 Prozent hochgelaufen. Er ist wegen des fehlenden Ausgabeaufschlags und der niedrigeren Verwaltungsgebühr deutlich kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds wie etwa der World Energy Fund von Merrill Lynch, der allerdings um 73 Prozent gestiegen ist, also in der Rückschau das attraktivere Produkt gewesen ist - trotz der höheren Kosten.

Ganz nah am Ölmarkt ist der auf den Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) laufende Easy ETF GSCI-Fund (Kennzahl A0EAZC). Im GSCI, der die Preisbewegungen von Rohstoffen und nicht von Rohstoff-Aktien widergibt, kommt der Sektor Energie auf ein Gewicht von 65 Prozent - entsprechend deutlich schlagen Preisschwankungen bei Öl, Gas, Kohle und Benzin durch. Neben AXA Investment Managers sind BNP Paribas und Morgan Stanley am „EasyETF GSCI“ beteiligt (Börsengehandelter Fonds auf GSCI-Rohstoffindex). Dieser Fonds wurde erst im Mai aufgelegt ujnd hat seitdem einen Kursgewinn von knapp 30 Prozent erzielt. Ihn zeichnen die gleichen Vorzüge aus wie das erwähnte Indexchange-Produkt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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