Investmentfonds

Hedge Fonds-Pleite: Anleger suchen ihr Geld

01.10.2005
, 10:40
Die Ex-Manager des ehemaligen Hedge Fonds Bayou gestehen, Gelder mißbraucht zu haben. Ihre Vermögen sind längst eingefroren worden. Viele Hedge Fonds sind von „Renditebringern“ zu langweiligen Kapitalsammelstellen geworden.

Nach dem Zusammenbruch der Hedge Fonds-Gesellschaft Bayou Group in diesem Sommer hoffen die Investoren darauf, mehr als 100 Millionen Dollar wieder zurückzubekommen. Die Hedge Fonds-Manager Samuel Israel II und Daniel Marino bekannten sich am Donnerstag schuldig. Bayou hatte seit seit 1996 rund 450 Millionen Dollar bei Anlegern eingesammelt.

Die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC hat inzwischen die Hedge Fonds-Gesellschaft Bayou Group und ihre Gesellschafter verklagt sowie einen Gerichtsbeschluß beantragt, das Vermögen einzufrieren und einen Konkursverwalter einzusetzen.

Gelder abgeschöpft und „artfremd“ investiert

Die Aufsichtsbehörden werfen Israel und Marino vor, Millionen von Dollar abgeschöpft und diese in nicht börsennotierte Unternehmen investiert zu haben. Sie haben bereits die Beschlagnahmung von 100 Millionen Dollar beantragt, die im Mai vom Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Arizona abgefangen wurden. Darüber hinaus weiteren stehen das Anwesen von Marino in Westport, Connecticut, mit einem Wert von 2,9 Millionen Dollar und andere persönliche Konten und Vermögenswerte auf ihrer Liste.

„Anleger hoffen, an einen großen Teil des Geldes heranzukommen, das Bayou mit den Betrügereien machte“, sagte Ross Intelisano, Jurist bei der New Yorker Kanzlei Rich Intelissano LLP, die geschädigten Bayou-Investoren vertritt.

Bayou ist seit dem Jahr 2000 der größte Hedge Fonds, bei dem wegen verschwundener Gelder ermittelt wird. Der Fall Bayou hat bei den Aufsichtsbehörden Forderungen nach einer stärkeren Überwachung der Hedge Fondsbranche laut werden lassen. Die weitgehend unreglementierte Branche hat ihr Anlagekapital in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt auf eine Billionen Dollar.

„Ich denke, der Fall wird eine neue Ära mit wohl mehr Kontrollen einläuten. Es gibt eine Menge von Hedge Fonds. Die können handeln, ohne den Anlegern ihre Handelsaktivitäten wirklich offen legen zu müssen. Das ist meiner Meinung nach ein Problem“, erklärte Intelisano.

Israel und Marino, beide 46, bekannten sich der Verbreitung falscher Informationen, des Anlagebetrugs und der Verschwörung bei diesen Straftaten schuldig. Israel droht eine Haftstrafe bis zu 30 Jahren, Marino kann bis zu 50 Jahre hinter Gitter kommen.

Hedge Fonds: Von „Renditebringern“ zu langweiligen Kapitalsammelstellen

„Israel und Marino haben die Anleger betrogen und neue Investoren angelockt, in dem sie die Performance ihrer Hedge Fonds grob übertrieben. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, die Hedge Fonds seien profitable und attraktive Anlagen. Tatsächlich haben sie nie einen Jahresgewinn erzielt“, schrieb die SEC in einer Erklärung.

Das deckt sich mit den Aussagen anderer Beobachter. So sagte etwa Belgrave-Chef und Chief Investment Officer Mattia Nocera im Gespräch mit FAZ.NET, viele Hedge-Fonds-Manager seien eigentlich ihr Geld nicht wert. Denn sie verdienten ihr Gehalt nicht aufgrund von überdurchschnittlichen Renditen, sondern vor allem mit den Gebühren, die sie ihren Anlegern berechneten. „Hedge Fonds sind von Renditebringern zu langweiligen Kapitalsammelstellen degeneriert,“ erklärte er. Insgesamt sei es wegen des Booms in diesem Bereich schwierig geworden, gute neue Manager zu finden. Siehe auch Im Team zur Überrendite

Zu den Investoren der Bayou Group zählten institutionelle Anleger, darunter Silver Creek Capital Management und vermögende Privatpersonen. Einige von ihnen kamen über Berater wie der Hennessee Group an den Hedge Fonds. Die Ermittler forschen noch, was mit ihrem Geld passiert ist.

Im Jahr 2003 begannen Israel und Marino, über private Gesellschaften wie IM Partners und IMG in nicht börsennotierte Gesellschaften in Europa und den Vereinigten Staaten zu investieren, was sie jedoch den Investoren nicht mitteilten, geht aus Gerichtsdokumenten hervor. Wie viel von dem Geld zurückgeholt werden kann, ist ungewiß, erklärten die Ermittler.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: Bloomberg, @cri
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