Investmentfonds

Japan-Fonds: Nippons Börse wartet auf Aufwind

19.10.2004
, 11:35
Der Chart zeigt die prozentuale Wertentwicklung des DekaLux Japan-Fonds.
Deka Investment sieht „Nippon im Aufwind“ und meint, mit ihrem Japan-Fonds im Depot könnten Anleger vom Aufschwung im Land der aufgehenden Sonne profitieren. Der Fonds hinkt aber hinter dem Markt her, der seit Monaten schwächelt.

Deka Investment, der Fondspartner der Sparkassen, hat seit Monaten mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Angesichts der im Branchenvergleich tendenziell schwachen Wertentwicklung von Deka-Aktienfonds ist der Nettomittelzufluß im ersten Halbjahr eingebrochen: Dem Fonds der zweitgrößten deutschen Investmentgesellschaft flossen nur noch zusätzliche Mittel im Volumen von 0,7 Milliarden Euro zu. Im Vorjahr betrug der Nettomittelzufluß noch 4,1 Milliarden Euro. Im Juli lieferte der in deutschen Standardwerten investierende Deka-Fonds die schlechteste Performance der zehn größten europäischen Aktienfonds ab (Europas größte Aktienfonds verlieren an Wert). In diesen Tagen kämpft der im Zuge des Frankfurter Immobilienskandals in Turbulenzen geratene Deka-Immobilienfonds mit horrenden Mittelabflüssen.

Und dann wartet die Fondsgesellschaft auch mit Anlageempfehlungen auf, hinter die ein Fragezeichen gesetzt werden darf. Im Frühsommer warb sie für den Technologie-Fonds, mit der Begründung, entsprechende Aktien liefen gut (Technologiefonds - „auf Hochtouren“? ). „Die Nachfrage nach Halbleitern, Computern und Internet-Dienstleistungen ist kräftig gestiegen, die Umsatzzahlen und die Gewinne klettern und haben auch den Aktien schon beeindruckende Kursgewinne beschert“, schrieb die Deka in ihrem Kundenmagazin. Wer den Technologiefonds seinerzeit gekauft hat, muß indes Kursverluste gewärtigen: Bis dato ist ein Minus von rund neun Prozent aufgelaufen.

In der neuesten Ausgabe des Kundenmagazins rückt die Gesellschaft ihren DekaLux Japan-Fonds ins Blickfeld. „Nippon im Aufwind“, lautet die Überschrift. „Noch immer wächst die Wirtschaft des Landes - und damit steigen die Renditechancen für Anleger“, verspricht die Deka. Nur ist die Kursentwicklung des Fonds nicht ermutigend. Zudem ist auch die jüngste Tendenz der großen japanischen Aktienindizes schwach, binnen Jahresfrist war mit ihnen unter dem Strich fast nichts zu verdienen. Und der Trend ist seit dem Frühjahr sowohl beim Fonds als auch beim Tokioter Leitindex Nikkei, der sich in den vergangenen Monaten ähnlich entwickelt hat wie der amerikanische Dow Jones-Index, negativ.

Schlechter abgeschnitten als Indizes Nikkei und Topix

„Japan befindet sich seit Jahren erstmals wieder in einem kräftigen Aufschwung“, wird Fondsmanager Patrick Schwahn in dem Artikel zitiert. „Davon profitiert auch der von ihm gemanagte DekaLux Japan, der per Ende August um über sieben Prozent im Jahresvergleich zulegte“, heißt es weiter. Allerdings sieht die aktuelle Bilanz anders aus. Aus dem Jahresplus ist ein Minus geworden, die Zahl ist dabei in etwa gleichgeblieben. Mit dem Wertverlust von aktuell gut sieben Prozent bewegt sich der DekaLux Japan auf Jahressicht im Mittelfeld der 124 von Standard&Poor´s erfaßten Japan-Fonds - und bei der Halbjahresbilanz ebenso.

Dabei hat der DekaLux Japan bisher schlechter abgeschnitten als der japanische Leitindex Nikkei und der marktbreite Topix, die binnen Jahresfrist ein kleines Plus von jeweils knapp ein Prozent zu Buche stehen haben. Auch bei der Vierteljahrsbilanz liegt der Fonds mit einem Abschlag von 4,7 Prozent im Hintertreffen: Der Nikkei hat sich um 3,7 Prozent und der Topix um knapp vier Prozent verschlechtert. Das heißt: Wer zum Beispiel mit einem etwa von der Commerzbank oder Dresdner Kleinwort Wasserstein ausgestellten Index-Zertifikat auf den Nikkei oder den Topix gewettet hat, hat nicht nur einen geringeren Ausgabeaufschlag gezahlt als beim DekaLux Japan und vergleichbaren Aktienfonds, sondern auch weniger Verluste erwirtschaftet. (Mithin ist auch der mögliche Einwand, daß Zertifikate, anders als Fonds, die Dividenden nicht weiterreichen, nachrangig.)

Goldman Sachs erwartet Umschichtung in Aktien

Nun gehen die Konjunkturexperten der Deka-Bank von einer Halbierung des japanischen Wachstums im nächsten Jahr aus. Sie sind sich tendenziell einig mit der Investmentbank Goldman Sachs, die indes auch mit einem auf längere Sicht stärkeren Konjunkturzyklus rechnet, wobei die Erholung der Binnennachfrage ein Pluspunkt sei. Die Unternehmensgewinne blieben hoch, was die Kurs-Gewinn-Verhältnis bei Aktien attraktiver mache, heißt es dort. Ihr Managing Director in Tokio, Yamakawa, geht davon aus, daß Anleger mit der Zeit von Anleihen in Aktien umschichten werden, wie er in einem Interview der F.A.Z. am Dienstag sagt. Mithin gibt es Chancen auf wieder steigende Aktienkurse.

Nur: Ob und wann dies geschehen wird, muß die Zukunft zeigen. Dabei dürfte nicht nur mitentscheidend sein, wie sich die Ölpreise entwickeln. Der japanische Aktienmarkt orientiert sich wie der deutsche meist an der Wall Street. Ein Eigenleben führen der Nikkei und der Topix nicht. Dies legt den Schluß nahe: Wenn der Dow Jones und die Nasdaq keine Rally sehen, werden die Kurse in Japan auch nicht deutlich steigen. Nicht bedenken ist dabei auch die Abhängigkeit der japanischen Exportindustrie von der Nachfrage in den Vereinigten Staaten.

Boomende Geschäfte keine Garantie für steigende Aktienkurse

Und: Ein boomendes Geschäft und sprudelnde Gewinne sind keine Garantie für steigende Aktienkurse. Dies zeigt sich am Beispiel Toyota. Der Autohersteller gibt als leuchtendes Beispiel der Branche, und Deka-Manager Schwahn setzt auch und gerade auf japanische Autobauer. Doch der Titel befindet sich seit einem Vierteljahr auf dem Rückzug; im Jahresvergleich sieht er besser aus als der Nikkei, seine Vierteljahres-Performance ist indes schlechter.

Die aktuelle Gemengelage mache „jede Anlageentscheidung schwierig“, meint der Managing Director von Goldman Sachs in dem F.A.Z.-Interview. Die Deka meint indes, mit einem Engagement in den DekaLux Japan „können Anleger von den erwarteten Wachstumschancen profitieren“. Der gebotenen Vorsicht tut sie dabei mit der Empfehlung Genüge, diesen Fonds lediglich als „Beimischung in einem langfristig ausgerichteten Depot“ zu begreifen.

Gemessen am Kursbild von Nikkei und Topix bietet sich derzeit ein Einstieg in den japanische Markt eher nicht. Der kurzfristige Trend ist bei beiden Indizes, die sich in der unteren Hälfte ihrer seit April geltenden Handelsspanne bewegen, negativ.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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