Investmentfonds

Preiswirrwarr oder Murphy's Law beim Fondskauf

10.06.2005
, 07:17
„Geiz ist geil“ - der Grundsatz gilt beim Computer- wie beim Fondskauf. Doch ob man wirklich ein Schnäppchen gemacht hat, wird man weder im einen noch im anderen Fall jemals wissen.
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Der Kauf von Investmentfonds ist auf den ersten Blick keine billige Angelegenheit. Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühren summieren sich zu einem erklecklichen Sümmchen. Häufig kommen Depotgebühren hinzu und wer von einem Fonds in den andern wechseln will, zahlt einen weiteren Obulus.

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Das alles geht natürlich auch billiger. Fonds-Discounter und Direktbanken bieten Rabatte auf Ausgabeaufschläge, erstatten Depotgebühren zurück oder verzichten auf Gebühren für Tausch oder Umschichtung. Denn wie überall hat hier die Konkurrenz das Geschäft belebt.

Preisdruck durch mehr Wettbewerb

Den ersten Schritt machten vor einigen Jahren die Discount-Broker, die mit Rabatten auf die Ausgabeaufschläge ihre Depots attraktiv machen wollten und im Gegenzug den Fondsgesellschaften die Abwicklung und den Vertrieb erleichterten. Verschärft wurde die Situation durch die Vermögensverwalter und Finanzberater, die Vereinbarungen mit den Discount-Brokern nutzten, um sich im Konkurrenzkampf besser zu positionieren.

Mittlerweile sind den Kapitalanlagegesellschaften die Direktkunden obendrein zu teuer geworden. Für sie ist es wirtschaftlicher, die Verwaltung der Kundendepots an Fondsplattformen und deren Beratung an freie Finanzberater abzugeben. Bis zu 3,5 Millionen Euro spart eine durchschnittliche Kapitalanlagegesellschaft pro Jahr ein, wenn sie die Depotverwaltung in eigener Regie einstellt, sagt Roland Donder von der Fondsservice-Bank.

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Die Credit Suisse etwa verlagerte ihre Kunden bereits vor einiger Zeit nicht nur zwangsweise auf die Fondsplattform Ebase, eine Ausgründung der Bereiche Depotverwaltung und Informationstechnologie der zur Commerzbank gehörenden Kapitalanlagegesellschaft ADIG (heute Cominvest). Sie drückte ihnen obendrein eine Liste mit freien Finanzberatern in die Hand und erbat sich, einen dieser Fachleute als Kontaktpartner zu benennen.

Ein Produkt, zwei Preise

Die Fondsplattformen aber stellen in der Regel keine Dienstleistungen für Endkunden zur Verfügung. Der Kontakt läuft entweder über Finanzberater oder so genannte Fonds-Discounter.

Wer nun also nach dem Schnäppchen beim Fondskauf sucht, sieht sich einer Fülle von Angeboten und einem entsprechenden Konditionenwirrwarr gegenüber. So hängen etwa die Kosten für den DWS Akkumula bei der zur Friedrichsdorfer Investmentberatung Martius gehörenden Fondsplattform fonds-im-netz.de davon ab, ob der Kunbde den Fonds über die Fondsplattform Frankfurter Fondsbank (über Frankfurt Trust zu Sal. Oppenheim gehörden) oder Fondsdepot Bank (über die Dresdner Bank zur Allianz gehörend) ordert.

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Im ersten Fall werden als Depotgebühr 0,25 Prozent pro Jahr,
mindestens aber zwölf, höchstens jedoch 40 Euro fällig. Im zweiten Fall werden dagegen 21 Euro pro Jahr fällig. Es sei denn, der Kunde unterhält im Depot mehr als drei Fonds. Dann sind es 42 Euro. Und je nachdem wie groß das Anlagevolumen ist, gibt es auf den Ausgabeaufschlag in der Regel zwischen 85 und 95 Prozent Rabatt. Das gilt allerdings nur für Einmalanlagen. Für Sparpläne gibt es andere Konditionen.

Wer dagegen einen Fonds bei aktienfonds.com ordert, der hat die Wahl zwischen einem Konto bei der zur Banque du Luxembourg und dem amerikanischen Finanzberater Linsco gehörenden Plattform Moventum und der zur Hypovereinsbank und der zur Kapitalanlagegesellschaft MEAG, einer Tochter der Ergo Versicherungsgruppe gehörenden Fonds-Service-Bank.

Im ersten Fall fällt eine jährliche Service-Pauschale von 0,87 Prozent des jeweiligen gesamten Depotwertes an. Im zweiten Fall sind es 29 Euro pro Jahr. Dafür gibt es im ersten Fall 100 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag. Im zweiten Fall jedoch wird der reguläre Aufschlag fällig.

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Billig verwahren oder billig verschieben?

Darüber hinaus berechnen natürlich alle Banken unterschiedliche Transaktionsgebühren. Beim Moventum-Depot von aktienboard.com sind es für jede Transaktion 0,2 Prozent (mindestens aber zwei Euro, höchstens jedoch 50). Dafür entfällt bei den meisten Fonds (!) die reguläre Umtauschgebühr beim Fondswechsel innerhalb derselben Gesellschaft. Im Fondsservice-Bank-Depot gibt es zwar keine Transaktionsgebühr, doch fällt beim Umtausch der Anteile die reguläre Umtauschgebühr an.

Die Fondsdepot Bank hingegen berechnet nur die Differenz bei den Ausgabeaufschlägen. Theoretisch aber steht ihr eine Provision in Höhe des Ausgabeaufschlags zu, die jedoch aktuell nicht erhoben wird.

Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es bei den Fonds-Discountern nicht nur unterschiedliche Rabatte auf die Ausgabeaufschläge der gleichen Fonds, sondern auch unterschiedliche Rabattierungen der Depotbank-Gebühren. Dima24 erstattet im Discount-Depot „Happyfonds“ die Depotgebühr von 36 Euro pro Jahr zurück. Fonds-im-Netz dagegen wirbt mit einer Sonderaktion: Bis zum 30. September entfällt die Depotgebühr bei einem Übertrag von bis zu 10.000 Euro für sechs, bei höheren Überträgen für zwölf Monaten. Die Rabattschlacht wird weiter angeheizt durch den Erfolg der börsengehandelten Fonds (ETFs), die generell ohne Ausgabeaufschlag gekauft und verkauft werden können und die Konkurrenz durch die Zertifikate.

Bei der Entscheidung für einen Fonds-Discounter spielt zudem das eigene Anlageverhalten eine wichtige Rolle. Wer langfristig anlegt und wenigt umschichtet, für den ist vor allem die jährliche Depotgebühr ausschlaggebend. Der kurzfristig orientierte Trader dagegen muß mehr auf die Transaktionsgebühren achten.

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Der Frust des Schnäppchenjägers

Was für den sparsamen Fondsanleger bleibt, ist der alltägliche Frust des Schnäppchenjägers. Das günstigste Angebot zu finden, ist einfach unmöglich, da es von viel zu vielen Faktoren abhängt. Wer sich heute für ein Depot und einen Discounter entscheidet, weiß nicht, ob dieser beim Kauf des nächsten Fonds auch noch der günstigste ist. Dann hat er aber das Depot mit allen Kosten bereits am Bein. Ein zweites kostet nur zusätzliche Zeit und zusätzliches Geld.

Merke: „No matter how long or how hard you shop for an item, after you've bought it, it will be on sale somewhere cheaper.“ (Egal, wie lange oder wie sehr man sich beim Einkaufen einer Sache anstrengt, es gibt sie anderswo billiger - Murphy's Law)

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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