Investmentfonds

Rohstoffe erleben längerfristigen Preisaufschwung

01.06.2005
, 13:00
Der Chart zeigt den Kursverlauf des Merrill Lynch IIF World Mining Funds.
Nicht nur der Ölpreis steigt - auch andere Rohstoffe werden immer teurer. Und es spricht einiges dafür, daß es auch 2005 so bleibt, meint Fondsmanager Evy Hambro.
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Wer bei der beeindruckenden Hausse der Rohstoffpreise nur an Öl denkt, sieht nicht das ganze Bild. Denn im Schatten des schwarzen Goldes erleben auch andere Rohstoffgruppen einen beachtlichen Aufschwung. Der Kokspreis beispielsweise schnellte allein im Januar um 120 Prozent auf 125 Dollar je Tonne nach oben, schon 2004 lag der Zuwachs bei 25 Prozent.

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Eisenerzproduzenten wie CVRD und Rio Tinto kündigten im März Preiserhöhungen um 72 Prozent an, und auch bei Heizkohle ist mit einem deutlichen Preisanstieg zu rechnen. Eine im Januar unter Rohstoff-Analysten durchgeführte Umfrage ergab zudem, daß die Experten 2005 auch bei Basismetallen wie Aluminium, Kupfer, Blei, Nickel, Zinn oder Zink mit Preissteigerungen zwischen vier und knapp 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr rechnen.

Von diesen Entwicklungen können auch Privatanleger profitieren, am einfachsten über ein Engagement in Minen- oder Rohstoffonds. Wie deren Performance vom Anstieg der Preise beflügelt wurde, zeigt zum Beispiel der MLIIF World Mining Fund. Per Ende Februar erreichte unser Fonds eine kumulierte Drei-Jahres-Wertentwicklung von knapp 136 Prozent, im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre waren es 27,5 Prozent.

Innerhalb eines diversifizierten Portfolios eignen sich Rohstoffonds gut als zyklische Bausteine, da Rohstoffaktien als klassische konjunktursensitive Anlagen eine hohe Korrelation zu makroökonomischen Trends aufweisen. Immer mehr Experten gehen inzwischen davon aus, daß angesichts der stabil hohen Nachfrage und des knapp bleibenden Angebots auf absehbare Zeit nicht mit einem deutlichen Rückgang zu rechnen ist. Auch im Bereich der Industriemineralien, Edel- und Basismetalle ist mit einem noch längere Zeit anhaltenden Hochpreis-Szenario zu rechnen.

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Damit weitet sich der seit Ende 2001 anhaltende Rohstoff-Bullenmarkt zu einer tiefergehenden Preiskorrektur aus, mit der die Märkte weitverbreiteten Kapazitätsengpässen Rechnung tragen. Diese resultieren aus der Entwicklung der Angebots- und Nachfrageseite in den vergangenen Jahren. Während der vergangenen Wirtschaftskrisen konsolidierte sich die Energie- und Bergbaubranche, Investitionen in neue Vorkommen und Produktionsstätten wurden zurückgefahren.

Während des auf die Krise folgende globalen Aufschwungs stieg allein der Rohstoffbedarf der wachsenden chinesischen Wirtschaft so stark an, daß die begrenzten Kapazitäten schnell ausgelastet waren - mit der Folge, daß eine Angebotsverknappung nicht nur bei Öl, sondern auch bei Basismetallen und Industriemineralien zu deutlich höheren Preisen führte. Auch mittelfristig ist nicht abzusehen, daß Energie- und Minengesellschaften ihre Kapazitäten der steigenden Nachfrage entsprechend ausweiten können. Daher werden die meisten Rohstoffe noch längere Zeit über ihren langjährigen Durchschnittspreise gehandelt werden. Zwar wird im Jahr 2005 allgemein mit einer Verlangsamung des globalen Aufschwungs gerechnet, der Rohstoffbedarf dürfte aber dennoch nicht so stark zurückgehen, daß von der Nachfrageseite eine Lockerung des Preisdrucks zu erwarten ist.

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Vor allem der chinesische Bedarf bleibt immens. Im Jahr 2003 stand das Reich der Mitte bereits für etwa 20 bis 30 Prozent der weltweiten Metallnachfrage, und dieser Anteil dürfte weiter steigen. Per Ende Januar ist die chinesische Industrieproduktion um gut 20 Prozent gewachsen und übertraf damit alle Schätzungen. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, daß Chinas Hunger nach Eisenerz, Kohle, Öl und Basismetallen nicht so schnell nachläßt.

Anhaltend hohe Preise sind aber nur einer der Gründe, warum Rohstoffaktien und -fonds im Aufschwung sind. Anleger profitieren auch davon, daß vor allem die Bergbaubranche in der letzten Krise ihre Kapitalbasis gestärkt hat und im Sinne des Shareholder Value zunehmend bereit ist, ihre Anteilseigner für deren Engagement zu belohnen. So legte beispielsweise Rio Tinto kürzlich ein 1,5 Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm auf und erhöhte die Dividende um 20 Prozent, der diversifizierte Rohstoffkonzern BHP Billiton steigerte seine Zwischendividende um 70 Prozent und schloß im vierten Quartal 2004 ein zwei Milliarden Dollar schweres Rückkaufprogramm ab. Auch verstärkte Branchenaktivitäten im Bereich von Fusionen und Überahmen deuten darauf hin, daß eine grundlegende Neubewertung von Minengesellschaften ansteht. Insgesamt sollte 2005 also für Rohstoffinvestoren ein weiteres gutes Jahr werden. Vor allem bei Minenkonzernen besteht noch Kurspotential.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: Evy Hambro, Fondsmanager des Merrill Lynch IIF World Mining Fund
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