Kommentar

Ausgabeaufschlag - feilschen lohnt sich

EIN KOMMENTAR Von Hanno Beck
04.10.2004
, 18:02
In Zeiten schmaler Geldbeutel spart man gerne, wo man kann - auch beim Kauf von Fondsanteilen. Der Kunde wird direkt oder indirekt immer für den Vertrieb zahlen müssen, aber das Feilschen lohnt sich.

In Zeiten schmaler Geldbeutel spart man gerne, wo man kann - auch beim Kauf von Fondsanteilen. Während die Verwaltungsvergütungen, die der Fondsbesitzer entrichten muß, jährlich anfallen, ist es beim Kauf vor allem der Ausgabeaufschlag, der die Kunden schmerzt. Rund 4,3 Prozent Ausgabeaufschlag fallen im Schnitt bei deutschen Aktienfonds an, rechnet das ifa Privates Institut für Fondsanalyse vor.

Fünf Prozent, das ist recht schnell viel Geld, kein Wunder also, daß der sparsame Fondskunde auf Rabatt sinnt - und ihn auch bekommt. Weg Nummer eins zu einem geringeren Ausgabeaufschlag führt über eine der vielen Direktbanken: Hier bekommt der Kunde eine breite Palette von Fonds verschiedener Gesellschaften mit reduziertem Ausgabeaufschlag, teils entfällt er sogar. Die Möglichkeit Nummer zwei sind sogenannte Fondssupermärkte, die ebenfalls eine breite Palette von Fonds ohne Ausgabeaufschlag anbieten - die Betreiber dieser Plattformen nähren sich lediglich von den Bestandsvergütungen, die ihnen die Fondsgesellschaften auf ihre jährlichen Bestände zahlen.

Feilschen beim Fondskauf lohnt sich

Eine andere Möglichkeit sind sogenannte No-load-Fonds, die generell ohne Ausgabeaufschlag angeboten werden. Der Haken an diesen Produkten: Der Ausgabeaufschlag ist nicht gestrichen, sondern lediglich in den höheren Verwaltungsvergütungen versteckt. Wer also No-load-Fonds kauft, tut gut daran, diese nicht länger als vielleicht ein oder zwei Jahre zu halten, danach sind Fonds mit Ausgabeaufschlag, aber geringeren Verwaltungsvergütungen in der Summe billiger. Und wem das alles zu kompliziert ist, der kauft seine Fonds weiterhin bei seiner Bank, feilscht aber um den Ausgabeaufschlag, was in vielen Fällen durchaus funktioniert.

Für den Vertrieb der Fondsprodukte ist der Trend zur Sparsamkeit natürlich keine angenehme Sache, ernährt er sich doch zu einem großen Teil davon. Dementsprechend kreativ sind daher die Bemühungen, dem Vertrieb alternative Einnahmequellen zu erschließen. Eine erste Variante besteht darin, den Fonds ausgabeaufschlagfrei anzubieten, im Falle einer frühzeitigen Rückgabe aber eine Gebühr zu verlangen. Hält der Kunde den Fonds lange genug - sprich: Hat der Vermittler über die Bestandsprovisionen genügend verdient -, dann darf er ihn auch kostenfrei zurückgeben. Alternative zwei schaut sich die Fondsbranche bei den Versicherern ab: Dort zahlt der Käufer von Kapitallebensversicherungen aus den ersten Beiträgen zunächst einmal komplett die Vertriebsprovision, bevor das erste Geld in den Spartopf kommt. Eine solche Zillmerung bei Fondssparplänen wird bereits in den Etagen der Fondsgesellschaften durchgerechnet, auch wenn man hier noch vor einem kleinen Problem steht: Laut Gesetz dürfen die Kosten je Jahr ein Drittel der Anlagesumme nicht übersteigen - weswegen man das Ganze dann wohl anders nennen muß, beispielsweise indem man diese Kosten als "Bankgebühren" deklariert. Ebenfalls möglich sind Modelle, bei denen die Provisionen für den Vertrieb aus den laufenden Verwaltungsvergütungen gezahlt werden, beispielsweise indem man zusätzliche "Servicegebühren" erhebt. Wenn diese Servicegebühr sich am Wert der Fondsanteile orientiert, ist sie in der Wirkung praktisch eine Beteiligung des Vertriebs am Anlageerfolg - und das muß nicht eines der schlechtesten Modelle sein.

Kunde wird direkt oder indirekt immer für den Vertrieb zahlen

All diese Überlegungen machen eines klar: Selbst wenn der Ausgabeaufschlag verschwinden sollte - in irgendeiner Form wird der Kunde immer für den Vertrieb bezahlen müssen, ob er will oder nicht. "Der Ausgabeaufschlag ist nur eine Stellschraube bei den Kosten - Sie müssen immer darauf achten, wie hoch die Gesamtkosten des Fonds sind", sagt Björn Drescher vom Finanzdienstleister Drescher & Cie. So könne sich beispielsweise ein Sparplan in einem "gezillmerten" Fonds durchaus rechnen - es sei lediglich eine Frage der Spardauer und der Höhe des sonst anfallenden Ausgabeaufschlages. Das Problem mit dem Ausgabeaufschlag liegt aber darin, daß mit ihm die Leistungen des Beraters abgegolten werden sollen. Wer eine gute Beratung erhält, sollte dann auch willens sein, einen dafür angemessenen Preis zu entrichten; wer ohne Beratung auskommt - wie im Falle der Direktbanken -, sollte seine Fonds auch günstiger bekommen. So gut sich dies in der Theorie anhört, so schlecht funktioniert es in der Praxis, hier passiert dann rasch eine Beratungsarbitrage: Man läßt sich erst ausführlich beraten, kauft den Fonds dann aber bei der Direktbank, und der Berater geht leer aus. Zudem unterscheidet der Ausgabeaufschlag nicht zwischen einem guten und einem schlechten Berater. "Ein guter Berater weist klar auf den Ausgabeaufschlag hin und kommuniziert auch, daß er das Entgelt für die Beratung darstellt", meint Drescher.

Börsengehandelte Fonds lassen sich bei manchen Banken günstig kaufen

Wer aber keine Beratung will, der kann auch zu börsengehandelten Fonds greifen: Neben den sogenannten Exchange Traded Funds werden auch ausgesuchte reguläre Fonds an den Börsen Berlin, Bremen und Hamburg gehandelt. "Der Charme dieser Lösungen besteht vor allem in der Möglichkeit, diese Produkte täglich handeln zu können; den Ausgabeaufschlag vermeiden Sie damit, über die endgültige Höhe der Kosten entscheidet allerdings die Bank, über die Sie diese Produkte erwerben", sagt Drescher.

Doch noch ist der Ausgabeaufschlag nicht vom Aussterben bedroht, wie die Zahlen des ifa zeigen: Bei den Aktienfonds ist der Ausgabeaufschlag der Neuerscheinungen dieses Jahres mit 4,9 Prozent nach wie vor auf dem Niveau der Jahre 2000 und 2001 - 1999 hatten neue Fonds einen Ausgabeaufschlag von durchschnittlich 4,3 Prozent. Gesunken sind die Ausgabeaufschläge allerdings im Vergleich zu 1999 bei den Rentenfonds und den Garantiefonds, nachdem die Gesellschaften hier 2002 noch kräftiger zugelangt hatten. Entscheidend für die Zukunft des Ausgabeaufschlags sei nicht die Frage danach, ob er Bestand haben werde, sondern wer ihn aufgrund seiner Beratungsleistung rechtfertigen könne, meint Drescher. Und für den guten Berater sollte man auch bereit sein, etwas Ausgabeaufschlag zu zahlen - denn guter Rat ist zwar teuer, aber schlechter Rat noch teurer.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2004, Nr. 232 / Seite 21
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