Managervergütungen

Blackrock will sich stärker einmischen

Von Markus Frühauf
09.03.2017
, 10:30
Weltmacht von der Park Avenue: Blackrock ist an fast allen großen Aktiengesellschaften beteiligt.
Aufsichtsratschef Friedrich Merz hält Gehaltsexzesse für gefährlich. Der Vermögensverwalter will künftig in Einzelfällen mehr mitreden. Wie genau will sich der Ex-CDU-Mann positionieren?
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Es sind Einzelfälle, aber die haben es in sich. Für den Aufsichtsratschef der deutschen Einheit von Blackrock, Friedrich Merz, können die „Vergütungsexzesse“ in einzelnen Unternehmen die Marktwirtschaft von innen zerstören. Als er am Dienstagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW) auftrat, nannte der ehemalige CDU-Politiker keine Unternehmen. In der Diskussion stand zuletzt der Automobilkonzern VW, der trotz Milliardenlasten aus der Dieselaffäre seinem ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn ein üppiges Ruhestandsgeld von 3100 Euro am Tag zahlt. Im Jahr 2011 hatte er noch 17,5 Millionen Euro erhalten.

Blackrock, mit Kundengeldern von 5 Billionen Dollar der größte Vermögensverwalter der Welt und an allen wichtigen Aktiengesellschaften beteiligt, hält sich bislang zu Kommentierungen zu den Unternehmen zurück. Merz forderte nun, dass Blackrock in Einzelfällen nicht mehr schweigen solle und berichtete von einer internen Diskussion darüber. Er sprach von Ausnahmefällen und nannte als mögliches Beispiel die Gehaltsdiskussion bei Vorständen, in denen Blackrock in Zukunft seine Meinung offen kundtun sollte. Er warnte davor, alles in Gesetze zu schreiben: „Dann wird es ungerecht.“ Merz hält auch wenig davon, dass die Vergütung von den Hauptversammlungen festgelegt werden, weil dann nur die Anteilseigner entscheiden würden. Dagegen hätten in den Aufsichtsräten auch die Arbeitnehmer ein Mitspracherecht.

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Warnung vor zu hohen Ausschüttungen

Insgesamt will Merz keinen Bruch mit der bislang zurückhaltenden Weise von Blackrock. „Wir gehen zu Hauptversammlungen und stimmen ab, machen aber keinen Rabatz“, sagte er. Es gebe bessere Möglichkeiten, einem Unternehmen seine Ansichten mitzuteilen. Zwar ist der Einfluss von Blackrock mit einem Anteil von durchschnittlich 5 Prozent an den Dax-Unternehmen vergleichsweise groß, doch liegen zwei Drittel der Kundengelder in passiven Fonds, den sogenannten Indexfonds (ETF). Bei ihnen bildet Blackrock Indizes wie etwa den Dax nach, in dem nach der jeweiligen Gewichtung die darin enthaltenen Aktien erworben werden. „Daraus erwächst keine Macht, sondern Verantwortung“, sagte Merz. Die Rolle von Blackrock beschreibt er als Treuhänder, nicht als „aktiver Aktionär“.

Das bedeutet auch, dass die aktiven Blackrock-Fonds, also die Vehikel, in denen ein Fondsmanager die Titel auswählt, sich ebenfalls mit Meinungsäußerungen zurückhalten. Das Abstimmmungsverhalten richtet sich in der Regel nach den Vorgaben für eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) sowie nach den rechtlichen Bestimmungen in den jeweiligen Jurisdiktionen. „Die Kunden erwarten, dass wir uns gemäß der Corporate Governance verhalten“, sagte Merz. Einmal im Jahr wendet sich Blackrock-Chef Larry Fink auch mit einem Schreiben an die Vorstandschefs der Unternehmen. Vor wenigen Wochen erinnerte er daran, die Sorgen der Mitarbeiter vor den technischen Umwälzungen ernstzunehmen und die Strategie neu auszurichten. Gleichzeitig warnte er vor zu hohen Ausschüttungen von Dividenden und Aktienrückkäufen.

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Mehr Einsatz am Finanzmarkt

Mit Anteilen zwischen 2 und 6 Prozent an den einzelnen Aktiengesellschaften ist Blackrock laut Merz stets in der Minderheit. „Die Unternehmen haben andere Eigentümer, die deutlich mehr Einfluss haben“, fügte er hinzu. Die deutschen Hauptversammlungen und deren Ablauf hält er international für kein Vorbild. „Da muss man nicht unbedingt zur Verlängerung beitragen“, verteidigte er noch mal die Zurückhaltung von Blackrock, öffentlich auf Unternehmen Einfluss zu nehmen.

Friedrich Merz
Friedrich Merz Bild: dpa

Die Indexfonds, das Vorzeigeprodukt seines Hauses, sind für ihn eine sehr gute Gelegenheit, die Aktienkultur in Deutschland voranzubringen. „Unsere wichtigste Rolle besteht darin, einen Beitrag zu leisten, dass sich in Deutschland mehr Leute am Finanzmarkt engagieren.“ Die Zahl von neun Millionen Aktionären, zu der auch die Anleger von Aktienfonds gehören, hält er für zu gering. Indexfonds seien transparent und im Vergleich zu aktiven Fonds günstiger. Sie sind laut Merz das beste Instrument, um mehr Deutsche für die Aktienanlage zu begeistern. Hätte jemand vor zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört, die fünf Euro täglich in einen Indexfonds auf den M-Dax und nicht in Zigaretten investiert, dann hätte sich das investierte Kapital von 18.000 auf 36.000 Euro verdoppelt, rechnete Merz vor.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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