Marktstimmung

Hedge Fonds extrem "bearish" für Treasuries

03.12.2004
, 13:44
Hedge-Fondsmanager blicken relativ positiv auf Aktien, jedoch sehr skeptisch auf den Dollar und die amerikanischen Rentenpapiere. Der „Rentenpessimismus“ hat deutlich zugenommen, so eine Umfrage von Van Hedge Fund Advisors.
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Stimmungsindikatoren sind oft nicht leicht zu interpretieren. Vor allem dann nicht, wenn sich kein einheitliches Bild ergibt. Sind die befragten Marktteilnehmer dagegen mehrheitlich einer Meinung, dann könnte es ratsam sein, vorsichtig zu sein. Denn sie dürften entsprechend positioniert sein und könnten bei Optimismus schon gekauft haben. Wo sollen dann aber im weiteren Handels- und Zeitverlauf die Anschlußkäufe oder -verkäufe herkommen?

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Diese Frage dürfte sich mit Bezug auf das Ergebnis einer regelmäßig stattfindenden Umfrage von Van Hedge Fund Advisors unter Hedge-Fonds-Managern vor allem mit Blick auf den Dollar und neuerdings auch auf den amerikanischen Rentenmarkt stellen. Der Dollarpessimismus hat von November auf Dezember kaum abgenommen, obwohl der Devisenmarkt zumindest im Euro-Dollarverhältnis neue Rekordstände verbucht hat und obwohl die Marktteilnehmer nach wie vor ziemlich einseitig positioniert sein dürften.

Extremer Pessimismus für den amerikanischen Rentenmarkt

Diese Beobachtung dürfte neuerdings auch für den amerikanischen Rentenmarkt gelten. Denn dort sind die Makro-Manager extrem pessimistisch geworden. Satte 80 Prozent der Befragten rechnen mit fallenden Kursen und steigenden Rendite, lediglich jeweils zehn Prozent rechnen mit gleichbleibenden oder gar steigenden Kursen. Dagegen sind sie wieder deutlich optimistischer geworden, was die Börsen anbelangt.

Diese Stimmung dürfte sich erklären lassen. Denn nachdem so gut wie klar ist, daß in Amerika Präsident George Bush für eine weitere Periode regieren wird, blicken die Anleger mit kritischen Blick auf die Ungleichgewichte in der amerikanischen Wirtschaft. Sie rechenden offensichtlich nicht damit, daß sich die Regierung künftig finanzpolitisch vernünftiger verhalten wird als in den vergangenen Jahren. Das würde aber auf einen anhaltend hohen Kapitalbedarf Amerikas hindeuten, wobei jedoch im Binnenmarkt unglaublich wenig gespart wird. Das heißt, das Kapital müßte auch weiterhin zu einem großen Teil aus dem Ausland zufließen. Dabei hat diese Entwicklung bisher schon zu einem Rekorddefizit in der amerikanischen Leistungsbilanz geführt.

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Eine Anpassung scheint nur über einen noch schwächer werdenden Dollar ausgelöst werden zu können. Ein schwacher Dollar wird aber nicht nur die Preise für Rohstoffe weiter nach oben treiben, sondern vor allem auf die amerikanischen Importpreise. Vor allem dann, wenn nicht nur der Euro gegen den Dollar stark aufwerten würde, sondern auch die asiatischen Währungen. Steigende Preise würden die amerikanische Notenbank zu Zinserhöhungen zwingen. Andererseits würden amerikanische Rentenpapiere auf Grund fallender Kurse immer uninteressanter. Vor allem auch für die asiatischen Zentralbanken, die zuletzt einen großen Teil der amerikanischen Zinspapiere erworben und auf diese Weise das amerikanische Defizit finanziert haben.

Auf Grund solcher Argumente läßt sich vermuten, daß die Stimmung mit Blick auf den Dollar und den Rentenmarkt zumindest mittel- und langfristig nicht als Gegenindikator gesehen werden kann. Denn der Anpassungsbedarf ist zu offensichtlich und wohl auch unvermeidlich.

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Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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