Marktstimmung

Makromanager sind bearish für Aktien, Renten und Dollar

05.10.2004
, 15:44
Hedge-Fondsmanager betrachten Aktien, Dollar und auch Rentenpapiere skeptisch. Vor allem der „Rentenmarktpessimismus“ hat vom September auf Oktober deutlich zugenommen, so eine Umfrage von Van Hedge Fund Advisors.

Stimmungsindikatoren und -umfragen an den Finanzmärkten sind nicht leicht zu interpretieren. Vor allem dann nicht, wenn sich kein einheitliches Bild ergibt. Sind die befragten Marktteilnehmer dagegen mehrheitlich optimistisch oder pessimistisch, dann könnte es ratsam sein, vorsichtig zu sein. Denn wenn beinahe alle damit rechnen, daß die Kurs weiter steigen oder auch fallen, dann dürften sie entsprechend positioniert sein. Das heißt, sie haben schon ge- oder verkauft. Wo sollen dann aber die Anschlußkäufe oder -verkäufe herkommen?

Aus diesem Grund lassen sich Stimmungsindikatoren an „Extrempunkten“ unter Umständen als Kontraindikatoren nutzen. Wenn die Stimmung sehr gut ist, könnte der Markt bald nach unten drehen. Ist sie dagegen sehr schlecht, könnte bald der Boden erreicht sein. Dabei dürfte man allerdings unterscheiden müssen, welche Marktteilnehmer befragt wurden.

Umfragen müssen vorsichtig betrachtet werden...

Denn die Erfahrung zeigt, daß kleinere Privatanleger den Trends immer relativ spät folgen. Sind sie also besonders „bullish“ oder „bearish“, so kann das bedenklich stimmen. Auch bei „normalen“ Fondsmanagern oder Analysten dürfte eine gewisse Vorsicht angebracht sein. Schließlich neigen sie notorisch zum Optimismus, denn sonst hätten sie nichts zu verkaufen.

Bei Hedge-Fondsmanagern kann das anders aussehen. Denn sie können sowohl an steigenden als auch an fallenden Kursen Geld verdienen. Aus diesem Grund dürfte ihre Meinung etwas „neutraler“ sein. Vor allem die „aggressiveren“ unter ihnen dürften zeitlich weit vorne liegen, wenn es um das Etablieren neuer Trends geht. Die volkswirtschaftlichen Spezialisten dagegen beschäftigen sich besonders mit makroökonomischen Kennziffern und leiten aus ihrer Veränderung längerfristige Trends an den Finanzmärkten ab.

... denn sie können auch als Gegenindikatoren verwendet werden

In diesem Sinne sollte wohl auch das Ergebnis einer regelmäßig stattfindenden Umfrage von Van Hedge Fund Advisors unter Hedge-Fonds-Managern gewürdigt werden. Sie zeigt, daß die befragten Fondsmanager im Oktober zum ersten Mal seit Beginn der Befragung gleichzeitig pessimistisch sowohl für amerikanische Aktien, amerikanische Staatsanleihen und auch den Dollar sind. Besonders ausgeprägt ist der Stimmungswandel mit Blick auf den Rentenmarktmarkt. Dort rechnen 52 Prozent der befragten Fondsmanager mit fallenden Kursen. Im September hatten noch 50 Prozent der Befragten mit steigenden Kursen gerechnet.

Gleichzeitig ist die Stimmung mit Blick auf die Börsen und den Devisenmarkt noch deutlich negativer. 57 Prozent der Fondsmanager rechnen mit einem fallenden Dollar, 56 Prozent betrachten die Aktien sehr skeptisch. Damit dürfte insgesamt klar sein, daß die Hedge-Fondsmanager sowohl bei Anleihen, Aktien und beim Dollar auf fallende Kurse setzen dürften. Sollten sie sich nicht völlig verschätzen, so wäre das keine sonderlich gutes Vorzeichen für die Finanzmärkte.

Quelle: @cri
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