Markttechnik

Atempause an den Märkten

Von Mark Arbeter, technischer Chefanalyst bei S&P
26.07.2005
, 09:59
Die Dynamik an den Börsen hat zuletzt etwas nachgelassen. S&P erwartet jedoch, daß die wichtigsten Aktienindizes nach einem kurzen Rücksetzer in den kommenden ein bis zwei Monaten weiter zulegen werden.
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Die wichtigsten Aktienindizes haben entscheidende Chartwiderstandsebenen erreicht - und obwohl einige von ihnen sogar neue Erholungshochs verzeichnen konnten, haben sie die Widerstandsbereiche unserer Ansicht nach nicht weit genug hinter sich gelassen um offiziell von einem echten Durchbruch sprechen zu können. Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, daß Indizes und einzelne Aktien zurücksetzen nachdem sie zuvor ein mittelfristiges Hoch erreicht haben. Wir betrachten die momentane Entwicklung daher eher als eine Pause innerhalb des anhaltenden Aufwärtstrends und sind der Meinung, daß die wichtigsten Indizes in den kommenden ein bis zwei Monaten weiter zulegen werden, sobald diese kurzfristige Pause vorüber ist.

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Am Mittwoch, den 20. Juli, übertraf der S&P 500 mit einem Schlußstand von 1.235,20 Punkten sein jüngstes Hoch von 1.225 Punkten im März bevor es am Donnerstag zu umfangreichen Abgaben kam. Bei den Standardwerte-Indizes sprechen wir erst dann von einem Durchbruch, wenn eine entscheidende Widerstands- oder Unterstützungsebene zum Schlußstand um mindestens ein Prozent über- bzw. unterboten wird. Auch halten wir es für wichtig, daß ein entsprechender Schlußstand zwei Mal in Folge erreicht wird. Dadurch relativieren sich viele irreführende Auf- und Abwärtsbewegungen, die zum Alptraum eines technischen Analysten werden können. Ein Rücksetzer bei oder nahe einem entscheidenden Widerstand kommt relativ häufig vor und stellt unserer Ansicht nach lediglich eine gesunde Pause innerhalb einer Erholungsphase dar.

Chartunterstützung am Durchbruchspunkt bei 1.225 Zählern

Im S&P 500 findet sich Chartunterstützung am Durchbruchspunkt bei 1.225 Zählern. Eine weitere Chartunterstützungsebene liegt zwischen 1.215 und 1.220 Punkten. Der exponentiell gleitende 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1204 Zählern und bietet auch zuweilen Unterstützung. Wir glauben, daß der S&P 500, sobald der Pullback vorbei ist, in den Bereich zwischen 1250 und 1275 vordringen kann bevor die mittelfristige Erholungsphase vorüber ist. Ein aus den Hochs von 2004 und Anfang 2005 abgeleiteter Trendlinienwiderstand findet sich bei 1.260 Punkten. Der nächste Fibonacci-Widerstand, ein Retracement von 61,8 Prozent des Bärenmarktes, würde in den Bereich bei 1.253 Punkten führen. Darüber hinaus beginnt eine langfristige, auf 1999 bis 2001 zurückgehende Chartwiderstandsebene im Bereich bei 1.260 Zählern.

Der Nasdaq hat, nachdem er zwischen 31. Dezember 2004 und 28. April 2005 um 271 Punkte bzw. 12,5 Prozent gefallen war, eine deutliche Trendwende hingelegt und die gesamte Kurskorrektur wieder aufgeholt. Der Index stieg vor dem Rücksetzer bis an die Obergrenze seiner jüngsten Handelsspanne. Am ersten Handelstag des Jahres lag das Tageshoch des Nasdaqs bei 2.191,60 Punkten. Am Donnerstag stieg der Nasdaq bis auf 2.193,19 Punkte bevor die Gewinnmitnahmen einsetzten. Im Bereich bei 2.150 Zählern findet sich leichte Chartunterstützung, deutlichere Chartunterstützung liegt bei 2.100 Zählern. Der erste Widerstand im Nasdaq nach Erreichen der Ebene bei 2190 Punkten findet sich nicht allzu weit bei 2210 Zählern. Dieser Bereich markiert einen auf die Hochs in 2004 zurückgehenden Trendlinienwiderstand. Oberhalb dieser Ebene liegt langfristiger, aus 2001 abgeleiteter Chartwiderstand zwischen 2.250 und 2.300 Punkten.

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Abgesehen von der positiven Entwicklung der wichtigsten Indizes haben andere sekundäre Indizes einen Durchbruch erreicht, was unsere Erwartung eines zukünftigen weiteren Kursanstiegs stützt. Der AMEX Biotech Index ist von einer massiven Basis ausgebrochen und hat seinen höchsten Stand seit 2001 erreicht. Der Biotech Index hatte sich in den vergangenen vier Jahren als sehr schwankungsanfällig erwiesen, weshalb dieser Durchbruch unserer Ansicht nach bedeutsam ist. Der Index hat nun mehr als 61,8 Prozent der während des Bärenmarktes zwischen 2000 und 2002 erlittenen Verluste wieder aufgeholt. Der BTK liegt jetzt 21 Prozent unter seinem Hoch von 2000, was unseres Erachtens recht beachtlich ist, wenn man bedenkt, daß der Index während des Bärenmarktes mehr als 60 Prozent verloren hat.

SOX vor weiteren Chart- und Trendlinienwiderständen

Der Philadelphia Semiconductor Index erreichte ebenfalls vor kurzem einen Durchbruch und verzeichnete den höchsten Stand seit Mitte 2004. Obwohl das mittelfristig gesehen beeindruckend ist, hat der Index unserer Meinung nach noch viel vor sich, wenn er den während des Bärenmarktes entstandenen Schaden wieder gutmachen will. Der SOX zum Beispiel hat im Vergleich zum Biotech Index nur 23,6 Prozent des Bärenmarktes wieder aufgeholt und bleibt hinter den im Januar 2004 erreichten Hochs zurück. Außerdem liegt der Index noch immer 64 Prozent unter seinem absoluten Hoch aus 2000. Weil der SOX so weit hinter seinem absoluten Hoch zurückbleibt, hat er mit weitaus mehr technischen Hindernissen wie Chart- und Trendlinienwiderstand zu kämpfen, als der Biotech Index. Es ist jedoch positiv zu sehen, daß Wachstumsbranchen im Aufwärtstrend führen, da sich in der Vergangenheit gezeigt hat, daß die größten Kursgewinne von Wachstumswerten angeführt werden.

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Der Rentenmarkt bremst weiter, da die Renditen steigen. Obwohl sich unserer Ansicht nach vermutlich noch eine Menge mehr bei den Renditen tun müßte, damit die Kurserholung auf dem Aktienmarkt zum Erliegen käme, ist es dennoch ein wenig irritierend, daß die jüngste Korrektur auf dem Rentenmarkt nicht etwas mehr Beachtung findet. Mitte Juni erreichte die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Schatzanweisung eine entscheidende Trendlinienunterstützung, welche auf das Renditehoch vom März zurückgeht. Dies war das erste Anzeichen für eine mögliche Trendwende bei den Renditen. Danach folgte die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Schatzanweisung im Juni und Juli dem Muster eines Double Bottom Reversal, was diese mittelfristige Trendwende bestätigte. Die Breite des gebildeten doppelten Bodens betrug 40 Basispunkte. Addiert man diese am oberen Ende der Formation ergibt sich für uns ein mögliches Ziel von 4,6 Prozent im Verlauf der kommenden Monate.

Entscheidender Trendlinienwiderstand, abgeleitet aus den Renditehochs aus 2002, 2004 und 2005, liegt ebenfalls im Bereich um die 4,6 Prozent. Darüber hinaus findet sich Chartunterstützung aus den Renditehochs vom März zwischen 4,5 und 4,7 Prozent. Ein weiterer negativer Faktor für den Rentenmarkt ist unserer Ansicht nach die Tatsache, daß die Stimmung unter den Anlegern in Bezug auf Anleihen trotz der jüngsten Trendwende weiterhin sehr optimistisch ist. In den vergangenen neun Wochen lag der Anteil der optimistisch gestimmten Anleger laut MarketVane bei mindestens 70 Prozent. Dies ist die längste Phase optimistischer Anlegerstimmung in Bezug auf Anleihen seit dem 2003 erreichten tiefsten Stand der Renditen in mehreren Jahrzehnten.

Quelle: @cri
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