Markttechnik

Der Markt dreht sich

Von Mark Arbeter, technischer Chefanalyst bei S&P
16.08.2005
, 10:51
Für Aktien hat die schwächste Jahreszeit begonnen und Markttechniker Mark Arbeter von S&P denkt, etwas Vorsicht sei angebracht. Aktien könnten erstmals seit März einen ordentlichen Rückschlag erleiden.
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Der Aktienmarkt hat in der vergangenen Woche begonnen sich zu drehen, und wir sind der Ansicht, daß Aktien erstmals seit März einen ordentlichen Rückschlag erleiden werden. Der Markt ist in seine schwächste Jahreszeit eingetreten, und wir gehen davon aus, daß in den kommenden ein, zwei Monaten ein wenig Vorsicht angebracht ist.

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Die jüngste Rally hat den S&P 500 auf das Niveau von 1.245 Punkten gehievt und damit ganz in die Nähe einiger wichtiger Widerstandszonen. Wir haben herausgefunden, daß es für den Index äußerst schwierig ist, sich durch Bereiche zu bewegen, in denen eine Reihe von Unterstützungs- oder Widerstandszonen in der Nähe eines bestimmte Niveaus liegen - vor allem, wenn es das erste Mal ist, daß er dorthin vordringt.

Ausgeprägte Widerstandszone voraus

Die erste wichtige Widerstandszone befindet sich bei 1.253 Punkten, dieser Indexstand spiegelt einen Verlust von 61,8 Prozent seit Einsetzen des Bärenmarktes wider. Darüber hinaus beginnt ein Großteil der Widerstandszonen zwischen 1999 und 2001 in dem Bereich von 1.260 Punkten. Drittens gibt es bei 1.250 Punkten eine langfristige Trendlinie, die sich von den Tiefs 2003 und 2004 ableitet und einst Unterstützung war. Viertens liegt eine Trendlinie, die von den Hochs aus den Jahren 2004 und 2005 stammt, in der Zone von 1.260 Punkten.

In Verbindung mit all diesen Widerstandszonen beim S&P 500 tritt der Markt in seine historisch schwächste Periode ein. Auf zahlreiche Hochs des Sommers folgt im August und September ein Ausverkauf, der bis Oktober andauern kann. Wenn man zurückschaut bis zum Jahr 1990, gab es 2004, 2002, 2001, 1999, 1998, 1997, 1994, 1992 und 1990 ein kleineres oder größeres Tief. Im Spätsommer/Frühherbst zeigt sich der Markt immer schwach, und wir glauben, dies sollte man nicht ignorieren.

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Gegenwärtig sehen wir für die kommenden Monate keine größere Gefahr; wir rechnen allerdings mit einen Rückgang von rund fünf Prozent beim S&P 500. Sofortige Unterstützung für den S&P 500 liegt im Bereich zwischen 1.217 und 1.225 Punkten. Diese Unterstützungszone geht zurück auf die jüngsten Indexhochs im März und Juni. Eine Trendlinienunterstützung, die von den Tiefs im Mai und Juli kommt, liegt bei 1.225 Punkten. Langfristige Unterstützung, die auf die Tiefs von 2004 und 2005 zurückgeht, liegt bei 1.180 Punkten. Die Tiefs von Juni und Juli befinden sich zwischen 1.180 und 1.190 Punkten und bilden eine mögliche Unterstützungszone. Eine langfristige und bedeutendere Unterstützungszone ist der Bereich zwischen 1.137 und 1.165 Punkten, denn dort liegt das wichtige Tief vom April.

Der Nasdaq-Index befindet sich im Abwärtstrend und ist seit seinem Hoch bei 2.218,50 Punkten am 2. August rund drei Prozent gefallen. Das jüngste Indexhoch lag auf der Spitze einer leicht steigenden Keilformation, die sich seit Anfang 2004 gebildet hat. Solche Formationen deuten auf eine pessimistische („bearishe“) Stimmung und münden am Ende in einer Abwärtslinie. Als der Nasdaq über 2200 Punkten lag, hatte er auch mit einem Chartwiderstand aus dem Jahr 2001 zu kämpfen. Im Abwärtstrend hat der Nasdaq keine bedeutende Unterstützung bis zum Bereich von 2.100 Punkten. Während der exponentielle gleitende 50-Tage-Durchschnitt bei 2.129 Punkten liegt, läßt die Tatsache, daß der Nasdaq von 2.100 auf 2.200 Punkte geschnellt ist, wenig Raum für eine Unterstützung dazwischen. Zwischen 2.000 und 2.100 Punkten gibt es eine schöne Unterstützungszone. Der exponentielle gleitende 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 2.054 Punkten, wohingegen sich die Unterstützungslinie der Tiefs von 2004 und 2005 auf dem Niveau von 2.000 Punkten befindet.

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Die wöchentlichen stochastischen Oszillatoren beim S&P 500 und beim Nasdaq hatten sich während der jüngsten Rally in einer stark überkauften Lage befunden und drehen sich nun. Dies deutet auf eine weitere Schwäche im kommenden Monat hin. Darüber hinaus konnte der wöchentliche MACD die Stärke der Hauptindizes nicht bestätigen und verzeichnet seit Anfang 2004 eine Reihe niedrigerer Hochs. Diese negativen Abweichungen sind für gewöhnlich nicht gut für den Markt und führen uns zu der Annahme, daß es möglicherweise weiter abwärts geht.

Marktteilnehmer sind ziemlich optimistisch geworden

Auch bei internen Marktindikatoren hat es eine Verschlechterung gegeben. Die Maßgröße Indexstand dividiert durch Handelsvolumen an der NYSE hat begonnen, sich nach oben zu bewegen, nachdem sie in den vergangenen drei Monaten gut gelaufen war. Unser Zeitmodell, das den exponentiellen gleitenden 20-Tage-Durchschnitt neuer Tiefs an der NYSE und den exponentiellen gleitenden 60-Tage-Durchschnitt neuer Tiefs erfaßt, ist kurz davor, zum ersten Mal seit Ende Februar negativ („bearish“) zu werden. Der 10-Tage-Durchschnitt des NYSE-Volumens (Up/Down) der vergangenen Monate hat sich ebenfalls deutlich verschlechtert. Dieser Indikator zeigt normalerweise zahlreiche negative Abweichungen, wenn eine Kurssteigerung immer weiter zurückliegt, und genau dies ist gerade der Fall.

Die Marktstimmung ist eine weitere Ursache für unsere Vorsicht. Die Sentiment-Umfragen, die wir verfolgen, haben sich allesamt auf ein extrem optimistisches („bullishes“) Niveau bewegt, und aus umgekehrter Sicht ist dies negativ („bearish“) für den Aktienmarkt. Die Umfrage von „Investor's Intelligence“ unter den Börsenbriefen ergibt zu 59,1 Prozent ein optimistisches Bild; dies ist das höchste Niveau seit Anfang Januar. Das pessimistische („bearishe“) Sentiment ist bis auf 19,3 Prozent gefallen und liegt damit fast auf dem niedrigsten Niveau seit Juni 2004. Der Unterschied zwischen optimistischem und pessimistischem Sentiment beträgt gegenwärtig 39,8 Prozentpunkte. Dies ist die größte Spanne seit Ende Dezember 2004. Die Kombination zweier kurzfristiger Umfragen, Consensus und MarketVane, zeigt ebenfalls den pessimistischsten Wert seit Dezember 2004.

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Der Ölpreis ist in der vergangenen Woche zudem um 4,50 Dollar auf ein neues Rekordhoch gestiegen und liegt nun bei 66,80 Dollar pro Barrel. Damit hat er seit Ende Mai um 43 Prozent zugelegt. Da der Ölpreis nun über 65 Dollar liegt, was wir erwartet hatten, und das Momentum stark ist, rechnen wir damit, daß er weiter bis auf 70 Dollar steigt, bevor es zu einer Korrektur kommt. Wie beim Aktienmarkt tendiert auch der Ölpreis dazu, sich bei runden Zahlen einzupendeln. Wenn diese Zwischenrally einmal in Gang gekommen ist, gehen wir von einer leichten Korrektur aus.

Zu diesem schnellen Preissprung seit Mai erreichte der 14-Wochen-Index der relativen Stärke (RSI) bei 70 wieder eine extrem überkaufte Position. Als der 14-Wochen-RSI die letzten Male die 70 entweder erreicht oder überschritten hatte, hat sich der Ölpreis korrigiert. Kurzfristige Chartunterstützung liegt bei 57 Dollar mit einer Trendlinienunterstützung im Bereich von 50 Dollar. Obwohl wir dazu aufgerufen haben, in Öl zu gehen, sind wir momentan der Ansicht, daß es im derzeitigen Bullenmarkt eine weitere Korrektur geben wird.

Quelle: bearbeitet von @cri
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