Markttechnik

Warnsignale für Aktien

Von Mark Arbeter, technischer Chefstratege bei S&P
20.09.2005
, 12:56
Kurs- und Volumenkennzahlen tendieren schwächer und auch ein entscheidender zyklischer Aktienindex zeigt offensichtlich Schwächen. Ein weiteres schlechtes Zeichen für die Börsen ist der Durchbruch der Goldpreise, so Mark Arbeter von S&P.

Auf dem Aktienmarkt gab es in der vergangenen Woche eine Konsolidierung der jüngsten Kursgewinne, da die Ungewißheit im Zusammenhang mit dem Hurrikan Katrina und ein wichtiges Federal Reserve Meeting zur Zinspolitik am 20. September unserer Meinung nach gewisse Ängste bei den Anlegern geweckt haben. Technisch gesehen sind der S&P 500-Aktienindex und der Dow Jones Industrial Average in der vergangenen Woche auf kurzfristigen Chartwiderstand gestoßen, weshalb wir glauben, daß eine Pause in der Kurserholung nicht völlig überraschend kam. Die Rentenrenditen sind in der vergangenen Woche stark angestiegen, während der Goldpreis seinen höchsten Stand seit 1988 erreichte.

In der vorletzten Woche schloß der S&P 500 bei 1.241,48 Zählern und kam somit seinem Schlußhoch von Anfang August in Höhe von 1.245,04 Punkten sehr nahe. Obwohl der Rücksetzer in der vergangenen Woche eher schwach ausgefallen ist, war er begleitet von überdurchschnittlich hohem Handelsvolumen, was unseres Erachtens Zweifel darüber aufkommen läßt, ob es in naher Zukunft einen deutlichen Kursanstieg geben kann. Das Handelsvolumen an der NYSE lag am Dienstag und Mittwoch vergangener Woche bei etwa 1,5 Milliarden Aktien, wobei der Markt an diesen Tagen schwach war. Im Vergleich dazu liegt der 50-Tage-Durchschnitt des Handelsvolumens bei 1,4 Milliarden.

Echte Obergrenze für den S&P 500

Am Mittwoch und Donnerstag fand der S&P 500 Unterstützung durch seinen exponentiell gleitenden 20-Tage-Durchschnitt im Bereich bei 1.227 Zählern. Darüber hinaus finden sich viele weitere kurzfristige Unterstützungsebenen, wie zum Beispiel der exponentiell gleitende 50-Tage-Durchschnitt bei 1.222, Trendlinienunterstützung bei 1.208 und Chartunterstützung bei 1.200 Punkten. Längerfristig gesehen gibt es Unterstützung durch gleitende Durchschnitte im Bereich zwischen 1.195 und 1.203 Zählern.

Nach oben hin findet sich entscheidender mittel- bis langfristiger Widerstand bei 2.153 Punkten. Dies entspricht einem Fibonacci-Retracement von 61,8 Prozent des Bärenmarktes von 2000 bis 2002. Außerdem gibt es einen Trendlinienwiderstand genau bei 1.253 Zählern, der sich aus den Hochs vom Januar und Dezember 2004 sowie März und August 2005 ableitet. Hierbei handelt es sich offensichtlich um eine entscheidende Trendlinie, da sie im Zuge der Erholungsphasen der vergangenen 20 Monate nie überboten wurde und für den S&P 500 eine echte Obergrenze darstellte.

Seit dem Markttief im April war bisher in jeder Erholungsphase eine Abnahme des Momentum in vielen Bereichen zu beobachten. Das ist eine typische Entwicklung im späteren Verlauf einer Erholungsphase, die man seit Beginn des zyklischen Bullenmarktes im Oktober 2002 auch verfolgen kann. Das erste Kurshoch nach dem Tief im April gab es im Juni, das zweite Anfang August und das dritte wahrscheinlich gerade in der vorletzten Woche. Der Sechs-Tage-Index der Relativen Stärke (RSI) stieg im Juni auf 81, lag im Juli bei 77 und im September bei 72. Der 14-Tage-RSI erreichte im Juni 67,5, im Juli 67 und im September bisher nur 61.

Betrachtet man den längerfristigen Chartverlauf des RSI, erreichte der 14-Wochen-RSI im Januar 2004 seinen höchsten Stand und verzeichnete seitdem eine Reihe niedrigerer Hochs. Diese Entwicklung läßt sich auch am Chartverlauf des gleitenden Wochendurchschnitts des Convergence/Divergence-Verhältnisses (MACD) ablesen. Dieses Muster eines abnehmenden Momentum ist auch bei den Geldstromindikatoren auf Tages- und Wochenbasis zu beobachten. Wir halten es für angebracht, angesichts kurz- und mittelfristig schwächer tendierender Kurse und Handelsvolumen, eine gewisse Vorsicht walten zu lassen.

Ein Marktbereich, der unlängst unser Interesse geweckt hat, ist der Bereich zyklische Aktien. Zur Beobachtung der Entwicklung zyklischer bzw. konjunkturabhängiger Aktien ziehen wir den Morgan Stanley Cyclical Index heran. Dieser Index umfaßt 30 zyklische Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Branchen, die alle als empfindlich im Hinblick auf konjunkturelle Stärken und Schwächen gelten. Der Index hat seit März 2003 eine recht gute Performance hingelegt und hat sich bis zum Erreichen seines bisher letzten Hochs im Dezember 2004 mehr als verdoppelt.

Zyklische, konjunktursensitive Aktien zeigen gewisse Schwächezeichen

Wir entdecken jedoch einige besorgniserregende Signale im Chartverlauf. Erstens hat der Index seine langfristige, auf das Tief in 2003 zurückgehende optimistische Trendlinie durchbrochen. Zweitens hat es den Anschein als zeichne der Index das Muster eines pessimistischen Head-and-Shoulders-Reversal nach. Um diese Formation zu vervollständigen müßte der Index unter 700 bzw. um weitere 30 Punkte fallen. Drittens gibt es eine deutliche negative Divergenz im Hinblick auf den Wochen-MACD. Und zu guter Letzt beginnt der zyklische Index, in seiner Performance hinter dem S&P 500 zurückzubleiben, womit der seit Ende 2000 anhaltende Trend unterbrochen wird, demzufolge er dem S&P 500 immer überlegen war. Wenn dieser Index einbricht, würden wir darin ein Warnsignal im Hinblick auf eine gesunde Konjunktur sehen.

Der Rentenmarkt mußte in der vergangenen Woche einen ziemlichen Schlag verkraften, da die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Schatzanweisung von 4,12 auf 4,27 Prozent stieg. Damit liegt die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Schatzanweisung nun wieder über dem exponentiell gleitenden 50-, 100- und 200-Tage-Durchschnitt. Die nächste Unterstützung durch eine aus den Hochs im März und April abgeleitete Trendlinie liegt bei 4,35 Prozent. Chartunterstützung aus dem Renditehoch im August findet sich bei 4,40 Prozent, langfristige Trendlinienunterstützung liegt bei 4,55 Prozent. Das nächste 40-Wochen-Zyklus-Hoch für die Rentenrenditen wird nicht vor Ende diesen Jahres erwartet, wodurch den Renditen ausreichend Raum für weitere Steigerungen bleibt.

Darüber hinaus spiegelte sich die Stimmung am Rentenmarkt laut MarketVane in den vergangenen vier Wochen in einem Bullenanteil von über 70 Prozent wider, was einer pessimistischen Anlegerstimmung jede Menge Raum zur Entfaltung läßt. Dies ist eine Konstellation, die unserer Ansicht nach zu höheren Rentenrenditen führen wird.

Gold ist nach oben durchgebrochen

Der Goldpreis brach nach einer neunmonatigen Konsolidierung aus und erreichte den höchsten Stand seit 1988 zum Wochenschluß mit 460 Dollar pro Unze. Seit Anfang 2002 profitieren die Goldpreise von der Schwäche des Dollar. In letzter Zeit hat sich der Dollar-Index jedoch nahe seinem jüngsten Erholungshoch im Bereich um die 90 gehalten, während die Goldpreise deutlich gestiegen sind.

Unserer Meinung nach haben die Goldpreise sich womöglich vom Dollarkurs gelöst und reagieren nun auf die steigenden Inflationserwartungen. Nimmt man die Breite der letzten Konsolidierung der Goldpreise und addiert sie zum Durchbruchspunkt, erhält man ein neues Ziel für Gold nahe 500 Dollar. Aus unserer Sicht ist es kein gutes Zeichen für den Aktienmarkt, wenn die Goldpreise als Reaktion auf steigende Inflationserwartungen anziehen.

Quelle: @cri
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