Optionsscheine

Hebelzertifikate - nur für den risikobereiten Anleger

15.08.2002
, 19:31
Spekulative Anleger hantieren gerne mit Optionsscheinen. Allerdings sind die momentan teuer. Die Alternativen sind nicht ohne.
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Das waren noch Zeiten, als die Börsen im Trend nach oben liefen. Falls es einmal zu einer Kurskorrektur kam, dann war das für viele eine ideale Gelegenheit, neu einzusteigen in den Zug nach oben. Aber damit ist es längst vorbei. Der Trend weist schon lange nach unten - und die Kursbewegungen sind dabei auf Grund der Nervosität der Anleger und der schockartig eintreffenden Neuigkeiten unberechenbar bis erratisch geworden.

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Das mag für einen normalen Anleger ein Horror sein. Für etwas spekulativere Naturen bietet es dagegen ein gefundenes Fressen. Tradingorientiere Anleger haben in der Vergangenheit ganz gerne mit Optionsscheinen auf schnelle, starke Kursbewegungen spekuliert. Aber diese sind in der jüngsten Vergangenheit unheimlich teuer geworden, da die Volatilität als Maß für die Schwankungsintensität der Börse massiv zugenommen hat. Die spielt nämlich bei normalen Optionen und Optionsscheinen neben der Kursbewegung der betreffenden Aktie eine maßgebliche Rolle und treibt die Preise nach oben.

Normale Optionsscheine sind in unsicheren Zeiten teuer

Unter diesen Umständen gehen Anleger mit dem Kauf eines Optionsscheins ein hohes Risiko ein. Denn es läuft nicht nur die Zeit gegen sie, sondern wenn sich die Aktie nicht bewegt, droht auch die Volatilität und damit der Preis des Optionsscheins dahin zu schmelzen. Clevere Anleger werden sich deswegen in so unsicheren Zeiten nur ungern damit die Finger verbrennen.

Trotzdem bleibt natürlich der Reiz, die rasanten Kursbewegungen irgendwie ausnutzen zu können - und sei es nur die Notwendigkeit, sich dagegen abzusichern. Optimal wären dafür die so genannten Futures, wie sie beispielsweise an der Terminbörse Eurex gehandelt werden. Allerdings scheint dieser standardisierte Terminmarkt für viele Anleger zu kompliziert zu sein. Ganz abgesehen davon, dass nur wenige Futures auf einzelne Aktien - zum Beispiel an der Terminbörse Liffe - angeboten werden.

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Wo eine Nachfrage ist, gibt es bald ein Angebot

Aber wo es eine Nachfrage gibt, da brauchen natürlich die Anbieter nicht lange, um ein entsprechendes Angebot auszutüfteln. Unter den Namen „Turbo“, „Wave“ und ähnlichen exotischen Bezeichungen werden so genannte Hebelzertifikate als DIE Alternative zu Optionsscheinen vermarktet. Dabei handelt es sich nicht wirklich um eine Alternative, sondern höchstens um eine spezielle Art von Optionsscheinen.

Denn sie haben dieselben Eigenschaften, wie Optionen, die tief im Geld liegen. Das bedeutet nämlich, dass sie nur einen minimalen Zeitwertverlust haben und das die Volatilität bei der Bewertung so gut wie keine Rolle spielt. Sie machen dazu jede Kursbewegung des Basisinstruments eins zu eins mit. Das ist interessant. Um die Instrumente allerdings nicht zu teuer werden zu lassen, haben sie eine Eigenschaft, die auf keinen Fall unberücksichtigt bleiben darf: die Barriere. Das ist ein Kursniveau, bei dessen Erreichen das Instrument sofort wertlos wird. Der Anleger verliert damit in diesem Augenblick sofort seinen vollen Einsatz.

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Vorteile werden mit gewissen Risiken erkauft

Und dieses Risiko ist nicht zu unterschätzen, auch wenn die Produkte auf großes Interesse zu stoßen scheinen. Denn auf Anfrage gestand einer der großen Anbieter, dass allein in den vergangenen Tagen 30 von 170 angebotenen Scheinen „ausgeknockt“ worden sind, da sich der Markt stark bewegte. Folglich muss der Anleger nicht nur den richtigen Riecher dafür haben, in welche Richtung sich sein gewählter Basiswert bewegt, sondern wie stark er schwankt. Läuft er zu stark in die falsche Richtung - zum Beispiel nach unten, statt nach oben - so trifft er auf die Barriere und das Zertifikat löst sich in Luft auf. Und das passiert gar nicht so selten, wie ein Blick in entsprechende Web-Seiten (Die aktuellen "Ausfälle" bei Hebelzertifikaten) klar macht.

Damit gilt: Wer mit Optionsscheinen oder diesen so genannten Hebelzertifikaten aktiv werden will, der muss unbedingt wissen, was er tut. Denn mit den Vorteilen kauft er sich auch zusätzliche Risiken ein.

Quelle: @cri
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