Osteuropa

Der CeCe-Index präsentiert sich in sehr guter Form

03.01.2005
, 16:40
Die Börsen in Budapest und Prag sind 2004 um gut 50 Prozent gestiegen, der polnische WIG um 27 Prozent. Aktien dieser Länder sind im Cece-Index vereint, der auf Rekordniveau notiert und auch 2005 schöne Gewinne verspricht, wie die RZB meint.

Viele deutsche Aktienkäufer lassen die Finger von Dividendenpapieren aus Osteuropa. Denn sie blicken mit Skepsis auf die entsprechenden Börsen in Budapest, Prag und Warschau und sehen Osteuropa als zu undurchsichtig an, wie eine Umfrage auf FAZ.NET im September ergeben hat. Zurückhaltend zu sein, bedeutet in diesem Fall: Den Investoren sind schöne Kursgewinne durch die Lappen gegangen. Dies zeigt ein Vergleich mit Dax und EuroStoxx: Der Budapester BUX-Index hat 2004 um gut 54 Prozent zugelegt, der Prague 50 sogar um 57 Prozent und der Warschauer WIG immerhin noch um 27 Prozent - während der Dax sich lediglich um 7,3 Prozent und der EuroStoxx 50 nur um 6,9 Prozent verbessert hat.

Anders gesagt: Stärker auf die Börse von Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik zu schauen und in diese Aktienmärkte zu investieren, kann sich deutlich auszahlen. Der von der Wiener Börse zusammengestellte CeCe-Index, der Aktien aus den drei genannten Märkten vereint, ist 2004 um gut 48 Prozent gestiegen. Entsprechend hoch sind die Kursgewinne des in Deutschland an der Suttgarter Börse gehandelten CeCe-Indexzertifikats der Wiener Raiffeisen Centrobank (RCB) ausgefallen.

Und angesichts der guten Verfassung der drei Märkte, der dahinter stehenden Volkswirtschaften und der geldpolitischen Aussichten winken weitere Kursgewinne. Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) erwartet für das Neue Jahr ein Plus von zehn bis 15 Prozent. Gleich zu Jahresbeginn ist der CeCe-Index auf ein neues Rekordhoch von 1.549,48 Zählern gelaufen; gegen 13.25 Uhr notiert er mit 1.546,7 Punkten. Folgerichtig hat auch das Zertifikat der RCB mit 15,54 Euro einen Rekordwert erreicht. Zertifikate unterschiedlichen Typs auf den CeCe gibt es auch von ABN Amro, der Deutschen Bank oder Goldman Sachs (CeCe-Indexzertifikate).

CeCe-Index vereinigt 26 Aktien

Beim CeCe Euro um einen übergreifenden Osteuropa-Index, der die Länderindizes Hungarian Traded Index (HTX), Czech Traded Index (CTX) und Polish Traded Index (PTX) umfaßt. Die Berechnung erfolgt zusätzlich zum Euro übrigens auch in Dollar. Insgesamt besteht der Index aus derzeit 26 Titeln, darunter die ungarische Bank OTP, der Generikahersteller Richter Gedeon oder die Cecky Telecom, aber auch die in Prag gelistete Erste Bank und Philip Morris CR.

Die Konjunkturdaten aus Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik sowie die Zinserwartungen bilden eine solide Basis für den CeCe-Index. So ist die polnische Wirtschaft zwar im dritten Quartal „nur“ noch mit 4,8 Prozent gewachsen, nachdem sie in den beiden Vierteljahren zuvor mit Zuwächsen von aufs Jahr hochgerechneten 6,9 Prozent und 6,1 Prozent aufgewartet hatte. Allerdings ist das Wachstum weiter mehr als doppelt so hoch wie in Euroland und dreimal so stark wie in Deutschland.

Die Inflation betrug im November gegeüber dem gleichen Vorjahresmonart plus 4,5 Prozent konstant, obwohl Volkswirte wegen der rückläufigen Ölpreise mit 4,4 Prozent gerechnet hatten; von Oktober auf November verlangsamte sich der Preisauftrieb weniger als erwartet und erreichte 0,3 Prozent nach 0,6 Prozent. Zwar liegt die Inflation über dem Zielkorridor der Notenbank, den die Währungshüter mit 1,5 bis 3,5 Prozent angeben. Gleichwohl ist weitere Zinsphantasie verflogen. Etwa die Deka-Bank rechnet für die nächsten sechs Monaten mit keiner weiteren Erhöhung des Leitzinses von derzeit 6,5 Prozent. Denn der anhaltende Höhenflug der Landeswährung Zloty dürfte sich günstig auf Importpreise auswirken.

Prag: Kein Preisdruck, aber schönes Wachstum

Beim südlichen Nachbarn ist von Preisdruck zuletzt gar nichts zu spüren gewesen. In der Tschechischen Republik ging der Konsumentenpreisindex gegenüber Oktober sogar um 0,1 Prozent zurück. Binnen Jahresfrist sind die Preise im Schnitt um 2,9 Prozent gestiegen. Damit hat sich das Preisniveau im November günstiger entwickelt als von Volkswirten erwartet, die von im November unveränderten Daten und einer Jahresteuerungsrate von drei Prozent ausgegangen waren. Während die Arbeitslosigkeit mit 9,9 Prozent ähnlich noch wie in Deutschland ist, wächst die tschechische Wirtschaft deutlich stärker: Die Jahreswachstumsrate betrug im dritten Quartal 3,6 Prozent nach 3,5 und 3,9 Prozent in den beiden Vierteljahren zuvor.

Zwar hatten Volkswirte zuletzt 3,8 Prozent erwartet, dennoch spricht die Deka-Bank von einem Bruttoinlandsprodukt „mit Idealmaßen“, da die Privathaushalte eine maßvolle Konsumlust zeigten, der Staat sich dagegen Zügel anlege, während Unternehmen kräftig investierten und die Ausfuhren stärker zulegten als die Einfuhren.

Ungarn hat als Dritter im Bunde im November mit einem Erfolg beim Preisauftrieb aufgewartet. Gegenüber Oktober kletterten die Preise nur um 0,1 Prozent, auf Jahresbasis ergibt sich eine Teuerung von 5,8 Prozent. Erstmals im Jahr 2004 unterschritt die Inflation die Marke von sechs Prozent. Angesichts dessen hat die Notenbank kurz vor Weihnachten den Leitzins zum siebten Male innerhalb eines Jahres gesenkt, und zwar um 50 Basispunkte auf 9,5 Prozent, wie es die Deka-Bank vorhergesagt hatte.

Markt in Warschau deutlich günstiger bewertet als vor einem Jahr

Vor diesem Hintergrund ist die RZB für die Aktienmärkte Polens, der Tschechischen Republik und Ungarns mit Blick auf das laufende Jahr „durchaus positiv gestimmt“, wie Analyst Andreas Schiller zu FAZ.NET sagte. Nach den enormen Kursgewinnen von mehr als 50 Prozent binnen Jahresfrist in Budapest und Prag rechnet Schiller aber mit einer Konsolidierung: Diese zwischenzeitliche Abschwächung sei überfällig und sollte das erste Quartal prägen. Noch im Januar dürfte sich die Kursdynamik an den drei Börsen abschwächen.

Allerdings rechnet er nicht mit nachhaltigen Kursverlusten, sondern vielmehr mit einem Plus von zehn bis 15 Prozent bis Jahresende. Denn die Aktienmärkte in Budapest, Prag und Warschau seien weiter nicht hoch bewertet. Gemessen an den Ergebnisschätzungen der Analysten komme der ungarische BUX auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,8; zwar sei er traditionell niedriger bewertet als die Indizes in Prag und Warschau, weise aber gegenüber dem Dax und dem EuroStoxx einigen Nachholbedarf aus.

In Polen sei der Aktienmarkt mit etwa 12,5 sogar günstiger bewertet als vor einem Jahr ein KGV von 16 bis 18 zu Buche stand. Denn trotz stark gestiegener Unternehmensgewinne habe sich die Kursrally im vierten Quartal nicht so fortgesetzt, wie sie zuvor gewesen war. Überzogene Gewinnerwartungen und eine Reihe von Börsengängen, die Geld in neue Titel umgeleitet habe, habe den Markt gedämpft. Auch in diesem Jahr werde es eine Reihe von Börsengängen geben, voraussichtlich 25 bis 30. Dies dürfte dazu führen, daß institutionelle Investoren Mittel umschichten - Geld, das fehlt, um bekannte Titel weiter anzutreiben. Auf längere Sicht sei aber in Polen mit Kursgewinnen zu rechnen, nicht zuletzt wegen rosiger Konjunkturdaten.

Anlegern stehen Einzelaktien, Zertifikate und Fonds zur Verfügung

Wer von der Rally an den Börsen von Budapest, Prag und Warschau profitieren will, kann in Deutschland gehandelte Einzelaktien wie die Titel der ungarischen Bank OTP, des Ölkonzerns MOL oder des tschechischen Versorgers CEZ erwerben, die von Schiller bevorzugt werden und die mit Aufwärtstrends und günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen neun und 14 aufwarten.

Wer keine Aktien kaufen möchte, kann zu dem CeCe-Indexzertifikat der RCB (ISIN: AT0000340500) greifen. Zudem steht eine Fülle von Osteuropa-Aktienfonds zur Verfügung. Die auf Jahressicht beste ist WestAm Comp. EUR Convergence-Fonds (ISIN: LU 0093983509) mit einem Kursgewinn von 56 Prozent.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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