<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Anlegen im Indexfonds

Komplettdepots für kleines Geld

Von Volker Wolff
 - 08:53

Glaubt man einschlägigen Autoren, gilt für Normalverbraucher bei der Vermögensanlage und beim Golfen ein Grundsatz: Fehler vermeiden! Das ist plausibel. Denn wer als Amateur über ferne Wasser unbedingt aufs Grün will, hat schnell den Ball und sein Ergebnis versenkt. Genau wie der Anleger, der unbedingt mit einer einzigen Aktie schnell ein Vermögen machen möchte. Gebremster Ehrgeiz und Fehlervermeidung sind so etwas wie bewährte Erfolgsregeln. Das Problem für Anleger: Es gibt ziemlich viele Möglichkeiten, Fehler zu machen.

Man kann zum Beispiel sein Geld auf einem Konto bei Magerzinsen um null Prozent hungern lassen, was jenseits der Rücklagen für die Not oder die nächste Reise wirklich nicht sein muss. Jede Bundesbankstatistik zeigt aber, dass genau dies eine ungemein verbreitete Anlageform ist. Und schon ist der Fehler gemacht.

Der Anleger kann sich auch einem freundlichen Helfer der ortsüblichen Bank oder Sparkasse anvertrauen. Dieser Mensch wird sicher eine Anlagemöglichkeit finden. Das sind dann aber oft so teure Dinge wie aktiv verwaltete Fonds, Lebensversicherungen oder Bausparverträge. Und in all diesen Fällen gehen vom Ersparten viele Prozent für den Rat verloren. Nicht nur als Provision beim Verkauf, sondern auch regelmäßig in den Jahren danach, wenn das Geld für den Anleger arbeiten soll. Auch diese Vermögensanlage ist oft mehr als ein bisschen falsch.

Selbstmanagement des Vermögens

Und dann gibt es die Möglichkeit, sein Vermögen selbst zu managen. Das geht zeitgemäß zum Beispiel mit Hilfe der diversen Rechner im Internet. Die wollen zuerst wissen, wie viel Geld man anlegen möchte, fragen nach der Einstellung zum Risiko, fordern ein paar Häkchen ein - und präsentieren im Handumdrehen ein komplettes Depot. Manchmal mit geeigneter Barreserve, meist mit einem schlichten Zuschnitt, gelegentlich mit ein paar pfiffigen Zutaten, häufig als Mischung einiger ETF. Das sind die Exchange Traded Funds, spezielle Investmentfonds, die nicht von Fondsmanagern geführt werden, sondern ziemlich stur einen von Tausenden Indizes der Finanzwelt abbilden. Mit diesen ETF lässt sich zu Kostensätzen um 0,3 Prozent in alles und jedes investieren. Günstiger geht es nicht, deshalb sind auch die institutionellen Anleger große Freunde der ETF. Für sich, wohlgemerkt. Im Verkaufsgespräch finden sie aktiv verwaltete Fonds viel, viel besser.

Und verkauft wird immer. Auch bei den freundlichen Beratungsmaschinen im Internet, die ihren Rat meist mit der Einladung beenden, nun das ganze Paket zu bestellen. Das muss natürlich nicht sein. Man kann das vorgeschlagene Depot auch als Anregung nehmen und sich selbst organisieren. Das kann bei richtigem Einsatz der ETF unschlagbar kostengünstig werden, macht aber auch Arbeit - bei der Anlage und in der Zeit danach. Der große Kostenfehler ist aber vermieden.

Und dann gibt es auch noch die bequemen Mischfonds. Das sind in der Regel aktiv verwaltete Fonds, in die ihre Manager je nach Ausrichtung Aktien von da und dort, festverzinsliche Wertpapiere aller Schattierungen und manchmal auch ein paar Rohstoffe und anderes packen. Theoretisch passt da schon viel: Das Vermögen wird kunstvoll und breit gestreut, und der Anleger muss sich nicht weiter kümmern. Und das alles mit einem einzigen Wertpapier. Praktisch kann sich aber auch das schnell zum Fehler ausweiten, wenn sich die Manager der Mischfonds ihren Fleiß mit zwei oder noch mehr Prozent des Vermögens pro Jahr vergüten lassen. Die gehen dann von jeder Ernte, die der Fonds einfährt, ab. Das Ergebnis ist meist mies.

Und wenn die Fondsmanager statt Aktien und Schuldverschreibungen kostengünstige ETF zusammenrühren? Dann wird aus dem Mischfonds ein Dachfonds. Die gibt es schon ziemlich lange und sogar bei den Banken und Sparkassen, denen das Wort ETF ansonsten nur schwer über die Lippen kommt. Das Problem fast aller dieser Fonds ist in der Regel das bekannte: Irgendwo verdunsten beim Zusammenrühren die Kostenvorteile der ETF, und heraus kommt der gefürchtete Kostensatz vieler aktiv verwalteter Mischfonds. Zuviel in der gegenwärtigen Zinslandschaft und deshalb wieder nicht richtig.

Fonds mit Indexbestimmung

Aber es gibt noch eine Möglichkeit, mit einem einzigen Wertpapier ein komplettes Portfolio unterschiedlicher Anlagen zu kaufen. Und das auch noch in Form eines ETF zu vergleichsweise niedrigen Kosten. Diese ETF sind noch nicht sehr weit verbreitet und tragen schillernde Namen wie Portfolio Total Return, Multi Asset Portfolio oder Vermögensstrategie. Die Namen sind dabei ein bisschen Programm: Diese ETF bieten eine weltweite Vermögensanlage in unterschiedliche Anlageklassen ganz so wie die aktiv verwalteten Fonds: Aktien, Festverzinsliche, Rohstoffe, Geld und andere Feinheiten. Der Unterschied: Hier bestimmt kein Fondsmanager, was in den Fonds gepackt wird, sondern ein Index. Der wiederum ist ein kunstvoll entwickeltes Konstrukt, das nicht einem, sondern vielen Märkten folgt. Oder einer bestimmten Anlagestrategie auf vielen Märkten. Manchmal sind diese Indizes gar keine echten Finanzindizes im Sinne der Aufsicht, aber das stört nicht weiter. Diese ETF tragen ihre Namen zu Recht, sie folgen stur der Entwicklung ihrer Zielmärkte und Strategien, sie werden an der Börse gehandelt und sie sind relativ kostengünstig.

Die Portfolio-ETF fassen erst langsam am Markt Fuß. Das mag damit zu tun haben, dass sie für institutionelle Anleger kaum geeignet sind. Die Profis gebieten über große Vermögen und bestimmen die Struktur ihrer Vermögen selbst. Portfolio-ETF sind dagegen etwas für Privatanleger, weil es die praktischen Komplettdepots auch für kleinere Beträge gibt. Die meisten Portfolio-ETF sind konsequenterweise auch sparplanfähig. Einfacher geht ein systematischer und recht kostengünstiger Aufbau eines professionell gestreuten Vermögens kaum.

ComStage1 EURO STOXX 50® UET

-- -- (--)
  • 1T
  • 1W
  • 3M
  • 1J
  • 3J
  • 5J
Zur Detailansicht

Die Tabelle zeigt das aktuelle Angebot: Es gibt derzeit an den deutschen Börsen fünf Portfolio-ETF, von denen zwei auch noch in der Zusammensetzung identisch sind und sich nur in der Währung ihres Indexes unterscheiden. Von diesen ETF sind nur die beiden db-xtrackers-ETF bereits länger auf dem Markt. Alle ETF stützen sich in ihrem Portfolio direkt oder indirekt auf ETF. Sie sind damit eigentlich so etwas wie ETF-Dachfonds, kommen aber deutlich preiswerter daher.

Die großen Unterschiede der fünf Portfolio-ETF betreffen, wie sollte es anders sein, die Ausrichtung der Fonds und die Mischung der Anlage. Diese folgt zunächst der klassischen Achse defensiv - ausgewogen - offensiv. Der Rentenanteil, der für die Sicherheit stehen soll, ist dann hoch, mittel oder gering. Daneben gibt es unterschiedliche regionale Schwerpunkte bei Aktien und Anleihen, unterschiedliche Anteile von Rohstoffen oder, was die Auswahl auch ein bisschen zur Vertrauenssache macht, unterschiedliche Strategien für einen erfolgreichen Vermögensaufbau.

Gewichte im ETF-Fonds verschiebt sich häufiger mal

Je nach Entwicklung der einzelnen Finanzmärkte verschieben sich mit der Zeit die tatsächlichen Gewichte der einzelnen ETF im Korb. Die angestrebte Portfoliostruktur weicht dann auf. Deshalb kommt es bei allen Portfolio-ETF mehr oder minder häufig zum sogenannten Rebalancing. Dann werden die Körbe neu gepackt. Dabei gehen Fondsgesellschaften unterschiedlich vor: Comstage will schlicht einmal im Jahr durch Zu- und Verkäufe die Gewichtung des ETF auf die Anfangsmischung von 60 Prozent Aktien, 30 Prozent Renten und 10 Prozent Rohstoffen zurücksetzen. Bei den beiden db-xtrackers-ETF ist die Sache komplizierter. Hier werden auf der Basis von Kennzahlen die einzelnen ETF neu sortiert. Die Produktunterlagen aus dem Hause Deutsche Bank geben nur zarte Hinweise: „Je nach Marktlage und Zinsumfeld erhöhen die Portfolio ETFs den Aktien- beziehungsweise Rentenanteil... Durch eine dynamische Anpassung der ausgewählten Bestandteile wird versucht, eine Überrendite durch Risikoprämien von Aktien und Anleihen zu erreichen.“ Das Ganze erfolgt quartalsmäßig und bei „extremen Ereignissen“ an bis zu vier weiteren Terminen.

Wieder anders ist die Vorgehensweise bei den beiden UBS-ETF. Auch hier greift eine Strategie: Feste Anteile der einzelnen Vermögensklassen gibt es nicht, für Aktien gilt beispielsweise eine Spanne von 0 bis 40 Prozent. Der sehr spezielle Index steuert die Zusammensetzung so, dass „alle Portefeuillekomponenten gemessen an der Volatilität gleichmäßig zum Risiko/Ertrag des Fonds beitragen“, beschreibt die Produktinformation der Fondsgesellschaft. Der Fonds strebt eine Volatilität, also eine Schwankungsbreite, von höchstens 7 Prozent im Jahr an. Seine Zusammensetzung wird monatlich überprüft und täglich justiert.

Die ausgewiesenen Gesamtkosten der Portfolio-ETF liegen zwischen 0,73 und geschätzten 0,49 Prozent der Anlage jährlich. Die Schätzung gilt für den Comstage Vermögensstrategie ETF, der erst im April dieses Jahres auf den Markt kam und deshalb zu den jährlichen Gesamtkosten noch keine Abrechnung vorlegen kann. Da die Fondsgesellschaft ausschließlich auf eigene ETF setzt, wird die Schätzung wohl realistisch sein.

Kostensätze zwischen 0,49 und 0,73 Prozent sind höher als die 0,1 bis 0,3 Prozent in selbstgestrickten ETF-Portfolios. Der Unterschied ist dann der Preis für professionelle Mischung und Streuung des Depots. Günstiger als die entsprechenden Kostensätze in den gemanagten ETF-Dachfonds sind die Kosten der Portfolio-ETF allemal. Von Fehler kann deshalb keine Rede sein.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenETFIndexfondsDeutsche Bank