Rohstoff-1x1

Am Kakao beißen sich Spekulanten oft die Zähne aus

17.04.2003
, 16:16
Kakao vor der Ernte
Kakao ist bei den Schleckermäulern nicht zuletzt in Form von Schokolade sehr beliebt. Trotz ihres beständigen Konsums schwanken die Preise für Kakao sehr stark. Spekulanten verbrennen sich deshalb oft die Finger.
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Es gibt viele Rohstoffe oder besser Rohwaren, mit denen kommen viele Menschen fast täglich in Berührung, ohne dass sie großartig über die wirtschaftlichen Hintergründe nachdenken. Neben Kaffee ist Kakao so ein Fall. Konsumiert wird er in der Regel in Form von Schokolade und Brotaufstrich oder als Kaba-Getränk.

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Für viele Schleckermäuler wäre folglich ein Leben ohne den Genuss von Kakao um einiges ärmer. Vermutlich gilt das auch für einige Spekulanten, die ihr Geld mit Wetten an den Rohstoffmärkten zu verdienen versuchen. Denn die Preisfindung bei Kakao verläuft sehr volatil und eignet sich somit sehr gut für spekulative Wetten. In den vergangenen Jahrzehnten ging es von 1961 bis 2002 innerhalb einer Preisspanne von 491 und 2.149 Dollar je Tonne munter auf und ab.

Beim Preis kommt es oft zu Kapriolen

Das Dumme an der Sache ist nur, dass selbst Spezialisten beim Versuch, die Preisentwicklung vorherzusagen, oft auf dem falschen Fuß erwischt werden. Eine Rolle spielt dabei auch, dass die Preisfindung stark vom Wetter, aber auch von politischen Entwicklungen in den Anbauländern beeinflusst wird. So haben die Unruhen an der Elfenbeinküste, dem Hauptanbauland von Kakao, im Februar noch für einen Preisanstieg auf ein 17-Jahreshoch gesorgt.

Wer trotz der schwierigen Preisprognose am Kakaomarkt mitpokern will, dem bietet die australische Macquarie Bank mit einem Zertifikat auf Kakao (WKN: 163 162) eine einfach umsetzbare Möglichkeit dazu. Wie leicht man sich dabei aber verzocken kann, zeigen nicht nur die zuletzt deutlich fallende Kurse bei diesem Zertifikat, sondern das haben zuletzt auch Kakao-Exporteure im Südwesten Nigerias erfahren. Zusammen mit lokalen Aufkäufern sollen sie mindestens noch 5.000 Tonnen aus der Haupt-Kakaoernte 2002/03 gelagert haben. Nachdem zwischenzeitlich die Preise aber deutlich gesunken sind, können sie diese Ware jetzt nicht mehr ohne Verluste verkaufen.

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„Die Exporteure haben den Kakao gekauft, als die Krise in der Elfenbeinküste den Weltmarktpreis hochgedrückt hat. Sie haben die Bohnen eingelagert in der Annahme, dass die Krise anhalten werde und die Preise noch weiter steigen“, sagte Akinwale Ojo, Geschäftsführer der Kakaovereinigung Nigeria. Der Kaufpreis hatte sich im Dezember und Januar teilweise auf 270.000 bis 300.000 nigerianische Naira je Tonne belaufen. Inzwischen sei der Preis zum Teil auf 160.000 bis 170.000 Naira gesunken. In Dollar berechnet beträgt das aktuelle Preisniveau 1.869,42 Dollar je Tonne, was ggenüber dem Hoch ein Minus von über 20 Prozent bedeutet. Laut Edward Akinjo, Händler in Alade-Idanre, sind die Geleimten jetzt in der Hoffnung auf wieder steigende Preise auf der Suche „nach Chemikalien, um den Kakao bis zum Oktober zu konservieren.

Elfenbeinküste der dominierende Kakao-Anbieter

Es tut also Not, sich intensiv mit den Hintergründen von Kakao zu beschäftigen, bevor man sich auf eine Wette darauf einlässt. Für einen ersten Einstieg beim Aufbau von Fachwissen lässt sich geschichtlich sagen, dass Kakao bereits ein Jahrtausend vor der Entdeckung Amerikas den Eingeborenen als Nahrungs-und Genussmittel bekannt war. Als Geschenk von "Quetzalcoatl" - dem gefiederten Gott des Windes - angesehen, waren Kakaobohnen bei den Tolteken (800 bis 1100 nach Christus) hochgeschätzt. Azteken, die im zwölften Jahrhundert die Tolteken unterwarfen, übernahmen gern deren Kakao-Kultur und benutzten die Samenkerne der Kakaofrucht sogar als Zahlungsmittel.

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Kolumbus, der am 30. Juli 1502 bei seiner vierten Reise nach Amerika in Nicaragua landete, entdeckte als erster Europäer Kakaobohnen, interessiert sich aber nicht weiter dafür. Erst der Eroberer Hernando Cortez brachte 1528 den ersten Kakao und die zu seiner Zubereitung benötigten Geräte nach Europa.

Mittlerweile ist das größte Anbauland für Kakao mit großem Abstand die Elfenbeinküste. Dort wurden in dem vom ersten Oktober bis 30. September reichende Kakaojahr 2000/2001 insgesamt 1,175 Milliarden Tonnen verarbeitet. Auf den Plätzen zwei und drei folgen dann Ghana mit 395 Millionen Tonnen und Indonesien mit 385 Millionen Tonnen. Damit wird deutlich, dass Kakao heute zum größten Teil in Afrika angebaut wird und nicht mehr in den Ursprungsländern in Mittelamerika. Insgesamt wurden 2001/2002 weltweit 2,884 Milliarden Tonnen verarbeitet und das jährliche Handelsvolumen beläuft sich auf 1,5 bis 2,0 Milliarden Dollar.

Erste Rohdaten wie diese reichen natürlich noch nicht aus, um sich als Kakao-Experte zu fühlen. Wer es trotz der geschilderten Kursvolatilitäten nicht lassen kann, Kakao auch als Spekulationsobjekt zu nutzen, der sollte sich zuvor mit tiefer gehenden Studien beschäftigen. Und sich zudem schon einmal vorsorglich mit ausreichend viel Schokolade als Seelentröster eindecken, denn die ein oder andere Fehlspekulation wartet bestimmt.

Quelle: @JüB
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