Rohstoffe

Analysten sehen Basismetalle 2005 vor einem geteilten Jahr

15.12.2004
, 07:59
Mit zwei verschiedenen Jahreshälften rechnen Analysten 2005 bei den Basismetallen. Während Angebotsdefizite zunächst zu steigenden Preisen führen soll, könnte eine abflauende Konjunktur danach zu einer Korrektur führen.
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Für die Basismetalle wird 2005 offenbar ein Jahr mit zwei unterschiedlichen Hälften sein. Während in den ersten sechs Monaten ein anhaltend knappes Angebot die Preise fest tendieren lassen wird, sehen Marktteilnehmer im zweiten Halbjahr einen Einschnitt durch ein wahrscheinlich langsameres weltweites Wirtschaftswachstum. Die Basismetalle stehen in einem engen Zusammenhang mit der Industrieproduktion, die sich wiederum an die wirtschaftliche Entwicklung anlehnt.

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Analyst Stephen Briggs von SG Corporate and Investment Banking geht davon aus, daß die Marktdefizite 2005 bestehen bleiben und zu sogar noch größeren Engpässen als heute führen werden. Dadurch dürften die Preise hoch und volatil bleiben. Dabei könnten die Nachzügler aufholen, meint Briggs. Derzeit ließen die fundamentalen Impulse nach, und einige LME-Metalle hätten schon ihren Höchststand gesehen. Demgegenüber gebe es für Aluminium und Zink, deren Preise hinter denen anderer Basismetalle zurückblieben, 2005 noch Raum für Gewinne.

Preisfrage: Was macht die Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr

Aluminium zur sofortigen Lieferung dürfte laut Briggs in den ersten drei Monaten seinen Gipfel mit durchschnittlich 1.875 Dollar/Tonne erreichen und dann nach unten tendieren. Den Jahresdurchschnitt sieht der Analyst bei 1.820 Dollar/Tonne, das wären sechs Prozent mehr als der für 2004 geschätzte Wert. Für Zink nimmt Briggs den Preisgipfel mit 1.225 Dollar/Tonne in den Monaten April bis Juni an, das Jahresmittel dürfte mit 1.190 Dollar/Tonne um 13,8 Prozent höher als 2004 ausfallen.

Marktteilnehmer erwarten ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft und damit eine Dämpfung der Nachfrage nach Basismetallen. So hat die OECD Anfang Dezember ihre Wachstumsprognose für wichtige Volkswirtschaften wie Amerika, die Eurozone und Japan nach unten revidiert. Chinas Wirtschaft, eine weitere Säule des globalen Wachstums, wird 2005 zwar weiterhin stark zulegen, aber in moderaterem Tempo.

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Kupfermarkt weiter mit Angebotsdefizit

Kupfer, das Flaggschiff am Basismetallmarkt, wird nach Ansicht der Beobachter den größten Teil seiner jetzigen Gewinne auch während der ersten sechs Monate von 2005 behaupten können. Zu verdanken ist dies dem anhaltenden Defizit, das die gesamten Kupferbestände der Börsen im bisherigen Verlauf von 2004 um weit über 80 Prozent sinken ließ. Die Defizitschätzungen variieren zwischen 600.000 und 1,0 Millionen Tonnen im laufenden Jahr. Das bedeutet, daß der Markt auch 2005 mit extrem niedrigen Beständen zu kämpfen hat, bevor er in der Zeit nach Juni wieder mehr ins Gleichgewicht kommt.

Europas größter Kupfererzeuger, die Norddeutsche Affinerie AG in Hamburg, erwartet auch 2005 ein Marktdefizit, das aber nicht so groß wie 2004 ausfallen dürfte. Sprecherin Michaela Hessling meinte, daß die Produzenten ihren Output der höheren Nachfrage anpassen würden. Letztlich hänge aber das Defizit von der globalen wirtschaftlichen Situation im kommenden Jahr ab.

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Kupferpreis im Schnitt unter dem Niveau von 2004 gesehen

Die Ansichten über die Kupferpreisentwicklung 2005 variieren ebenfalls. Viele nehmen ein noch höheres Niveau an, andere meinen, Kupfer habe schon seinen Preisgipfel gesehen. Aber alle gehen davon aus, daß der Jahresdurchschnitt unter dem Höchststand von 2004 liegen wird. Dreimonatskupfer hatte im Oktober mit 3.177,50 Dollar/Tonne fast ein 16-Jahreshoch erreicht.

Bei sehr niedrigen Vorräten könnte der Markt eine Zeit lang die normalerweise bearish wirkenden Folgen eines langsameren Nachfragewachstums ignorieren, meint Peter Hollands von Bloomsbury Minerals Economics Ltd. Nicht klar sei, wie lange das dauern wird. Hollands Schätzung des 2004er Kupferdefizits befindet sich mit 1,075 Millionen Tonnen am oberen Ende der Spanne. Für 2005 erwartet er nur ein Zehntel dieser Menge. Den Durchschnittspreis für Kupfer setzt er bei 2.467 Dollar/Tonne an, Zwölf Prozent weniger als das für 2004 angenommene Mittel von 2.815 Dollar/Tonne.

Quelle: Dow Jones-VWD
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