Rohstoffe

Bei Gold, Platin, Kupfer & Co. winken weiter schöne Kursgewinne

05.01.2004
, 18:01
Nickel-Gewinnung in Norilsk
Gleich zu Jahresbeginn bestätigt sich der Preisauftrieb bei Gold, Platin und Kupfer. Und Analysten rechnen mit einer fortgesetzten Rohstoff-Rally, außer bei Aluminium. Noch ist für Anleger Zeit zum Einsteigen.

„Wir haben erst die Hälfte der Rohstoff-Rally gesehen“, stellte Evy Hambro, Manager der Fonds World Gold und World Mining der Investmentbank Merrill Lynch, Mitte Dezember in einem FAZ.NET-Interview fest. Der ausgewiesene Experte hat ein gutes Näschen bewiesen, wie die neuesten Preisentwicklungen zeigen. Gold ist zu Wochenbeginn auf ein neues 13-Jahreshoch gelaufen; die Unze zur Lieferung im Februar ist in New York mit 422,40 Dollar festgestellt worden, nachdem zuvor am Vormittag die Unze zur sofortigen Lieferung mit 418,50 Dollar gefixt worden war. Frank Holmes, Chef von US Global Investors, sieht den Goldpreis im Jahresverlauf sogar bei 460 Dollar. Das wäre eine weitere Steigerung um fast zehn Prozent.

Zudem hat der Preis für die entsprechende Menge Platin um 2,5 Prozent bis Montag nachmittag auf 832 Dollar zugelegt. Und Kupfer hat sich um 2,9 Prozent verteuert, während andere unedle Metalle leicht nachgaben. Doch Marktbeobachter sehen wie Fondsmanager Hambro die Rohstoff-Rally als ungebrochen an. Für Anleger dürfte es nach menschlichem Ermessen trotz der deutlichen Wertsteigerung bei Gold- und anderen Rohstoff-Fonds noch nicht zu spät zum Einsteigen sein. Denn im Zuge einer Erholung der Wirtschaft wird die Nachfrage nach Rohstoffen steigen, nicht aber unbedingt auch das Angebot, das etwa bei Platin den Bedarf nicht deckt.

Kupfer zum Jahresende um fast ein Fünftel teurer gesehen

Analysten rechnen damit, daß sich Kupfer auch in diesem Jahr verteuert. Denn: Zu der ohnehin starken Nachfrage aus China komme ein steigender Bedarf in Amerika und Europa kommen, heißt es. Im Schnitt gehen die Analysten nach einer Umfrage von Bloomberg News von einem Anstieg um 18 Prozent aus, nachdem der Kupferpreis im vergangenen Jahr um 48 Prozent gestiegen war.

Bei Nickel, das bei der Herstellung von rostfreiem Stahl verwendet wird, sehen sie eine Verteuerung um annähernd ein Drittel, bei Aluminium soll es acht Prozent aufwärts gehen. Die Lagerbestände von Kupfer und Nickel sind 2003 drastisch gesunken, weil die Nachfrage die Produktion überstieg.

China, dessen Volkswirtschaft im letzten Jahr 8,5 Prozent wuchs, ist der größte Abnehmer von Industriemetallen. "Die chinesische Nachfrage nach Rohstoffen dürfte im Jahr 2004 weiter wachsen, aber der Schlüssel wird die Erholung in Amerika und Europa sein", erklärt Evy Hambro. Das Anlagekapital des Fonds ist von 90 Millionen Dollar Anfang 2003 auf 1,2 Milliarden Dollar geklettert.

Auch manche Rohstoffaktien profitieren von Hausse

Der Aktienkurs von Phelps Dodge Corp., dem zweitgrößten Kupferproduzenten weltweit, hat sich 2003 mehr als verdoppelt. Bauunternehmen sind die größten Abnehmer von Kupfer und tragen rund 40 Prozent zur Nachfrage bei, berichtete die Copper Development Association in New York. Bei dem zweitgrößten Nickelproduzenten Inco Ltd. ging es 55 Prozent aufwärts. Der Morgan Stanley World Materials Index, der 151 Unternehmen umfaßt, hat in den letzten sechs Monaten 35 Prozent zugelegt. Damit bietet er die beste Performance aller Branchenindizes im World Index von Morgan Stanley in den letzten sechs Monaten.

In China wächst die Nachfrage nach Metallen, weil das Land Häuser, Schulen und andere Infrastrukturprojekte für Millionen Menschen erbaut, die auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Städte strömen, schrieb Morgan Stanley am 19. Dezember in einem Bericht. Die Investmentbank rechnet damit, daß in den kommenden zehn Jahren etwa 20 Millionen Chinesen in die Städte abwandern.In diesem Jahr wird die Kupfernachfrage die neue Produktion um 371.000 Tonnen übersteigen, erwartet Morgan Stanley. Bei der Nachfrage aus China rechnet die Investmentbank mit einem Anstieg von zehn Prozent nach 17 Prozent im vergangenen Jahr.

2003 sind die Kupfervorräte in den Lagerhäusern der London Metal Exchange 49 Prozent gefallen. Grund dafür war ein geringes Angebot, das teilweise auf Vorratshaltung beim staatlichen chilenischen Kupferproduzenten Codelco sowie einen Produktionsrückgang bei Phelps Dodge und BHP Billiton zurückzuführen war.

Autohersteller könnten unter Rohstoff-Rally leiden

Höhere Metallpreise drohen auch die Kosten für Automobilhersteller wie General Motors Corp. in die Höhe zu treiben. Der weltgrößte Autobauer zahlt mehr für Komponenten, die Kupfer enthalten, räumt Kathie Cepica, Kupferspezialistin bei GM in Warren, Michigan, ein. GM hat den Kostenanstieg durch Hedging begrenzt, unter anderem mit dem Handel von Kupfer-Futures und -Optionen. "Wir haben einen bestimmten Prozentsatz zu einem bestimmten Preis abgesichert", erläutert Cepica. "Ich sage nicht, wie viel, aber wir sind nicht komplett abgesichert. Niemand würde sich zu 100 Prozent absichern wollen, weil die Marktentwicklung unsicher ist. Schließlich können wir uns auch irren." In einem Auto sind nach Schätzungen der Branche durchschnittlich 40 Pfund Kupfer verbaut, der größte Teil davon in den Kabeln.

Der Nickelpreis hat sich 2003 mehr als verdoppelt und erreichte den höchsten Stand seit 1989. Angetrieben wurde der Preis von einem starken Anstieg der Lieferungen an Hersteller von rostfreiem Stahl. Insgesamt ist die Nickelnachfrage im vergangenen Jahr 7,3 Prozent gestiegen, schätzt Credit Suisse First Boston. Die Produktion stieg dagegen nur 1,3 Prozent. Das entspricht einem Angebotsüberhang von noch 12.000 Tonnen. Für 2004 rechnet die Investmentbank hingegen mit einem Nachfrageüberhang von 35.000 Tonnen.

Der Aluminiumpreis ist in London 2003 um 19 Prozent gestiegen. Ein Grund dafür war ein geringes Angebot an Tonerde, aus der Aluminium gewonnen wird. Die Aluminiumproduzenten haben die Aluminiumproduktion in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres auf den Rekordwert von 59.900 Tonnen pro Tag gesteigert, nach 58.000 Tonnen im selben Zeitraum 2002, berichtet das International Aluminum Institute. "Die Fundamentaldaten für Aluminium sind nicht einmal annähernd so gut" wie für Kupfer oder Nickel, beschreibt Angus MacMillan, Mineralien-Stratege bei Prudential-Bache International in London. "Wir haben einen hohen Lager-Überhang von 1,4 Millionen Tonnen und die Produktion steigt."

Reihe von Fonds zur Auswahl - Dollarverfall kostet Rendite

Insgesamt gesehen stehen die Zeichen aber auf weiter steigende Preise bei Gold & Co. Investoren, auch Privatanleger, können davon profitieren. Bei den Goldfonds liegen auf Jahressicht der HPM Invest Sicav-RV Golden Dy (ISIN: LU0155611493) mit einem Plus von 32,81 Prozent, der PEH Q-Goldmines (ISIN: LU0070355788) und der in Dollar berechnete World Gold von Merrill Lynch (ISIN: LU0055631609), der auf langfristige Sicht die mit Abstand beste Wertentwicklung dieser Anlageklasse hat, auf Jahressicht aber in Euro gerechnet lange nicht so gut abgeschnitten wie auf Dollarbasis: In Euro beträgt das Plus 18,50 Prozent, in Dollar indes 46 Prozent; der Verfall der amerikanischen Währung hat also einen ordentlichen Teil der Rendite aufgefressen.

Bei breiter angelegten Rohstoff-Fonds, die außer in Goldaktien auch in Platin-, Nickel-, Kupfer- und Aluminiumaktien investieren, ist der World Mining von Merrill Lynch (ISIN: LU0075056555) erste Wahl, der sich binnen Jahresfrist um 38,64 Prozent und in den vergangenen fünf Jahren um 273,82 Prozent verteuert hat - und damit einsame Spitze ist. Trotz des auch auf seine Performance durchschlagenden Dollarverfalls. Auf Jahresbasis an zweiter Stelle liegt der Activest-Aktien-Rohstoffe (ISIN: DE0009779884) vor dem DIT Rohstofffonds (ISIN: DE0008475096).

Quelle: @thwi/Bloomberg
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