Rohstoffe

Der Gold-Chart glänzt wieder etwas mehr

09.07.2004
, 11:13
Gold hat den Kampf mit der psychologische wichtigen 400-Dollar-Marke fürs erste gewonnen. Terrorwarnungen, schwache amerikanische Konjunkturdaten und ein fallender Dollar begünstigen das Edelmetall.

Das Gold hat Anleger, die in dieses Edelmetall oder Gold-Aktien investiert haben, in den vergangenen gut sechs Monaten schwer in Atem gehalten. Nach einem Anstieg um 66 Prozent zwischen dem April 2001 und dem gleichen Monat dieses Jahres bis auf 432,10 Dollar je Unze ging es mit dem Preis für die Unze kräftig abwärts. Bis auf 374,1 Dollar verbilligte sich die Maßeinheit - ein Verlust von mehr als 13 Prozent innerhalb von sechs Wochen stand Mitte Mai zu Buche.

Dies hat auch auf Gold-Fonds abgefärbt. Wer um die Jahreswende zu solchen Werten gegriffen hat, sitzt auf in Euro gerechneten Verlusten von bis zu 23 Prozent, wobei sich der Rückgang bei den beiden besten Fonds dieser Klasse, dem Nestor Gold Fonds und dem Merrill Lynch World Gold mit jeweils gut zehn Prozent noch halbwegs in Grenzen hält. In der jüngsten Zeit sind beide Notizen gemessen an ihrer Wertentwicklung weitgehend seitwärts gelaufen. Der Merrill Lynch-Fonds hat sogar zugelegt, aber da er in Dollar notiert ist und diese Devise schwächelt, haben Anleger unter dem Strich nichts vom eigentlichen Kursgewinn.

Gleichwohl: Diese Entwicklung spiegelt auch den günstigen Trend beim Goldpreis wider. Der Gold-Spot-Preis hat vor drei Wochen den kurzfristigen Abwärtstrend durchbrochen und in dieser Woche zumindest vorerst den Kampf um die psychologisch wichtige Marke von 400 Dollar für sich entschieden.

„Bullishe“ Haltung nimmt zu

Der Preis für Gold gibt zum Wochenschluß etwas nach, bleibt aber deutlich über der Marke von 400 Dollar je Feinunze. Zuletzt wurde ein Spotpreis von 405,50 Dollar bezahlt, ein Rückgang um 0,27 Prozent zum Vortag. Händler sprechen von leichten Gewinnmitnahmen, obwohl der Euro sich zum Dollar auf dem höchsten Stand seit über drei Monaten befindet. Gemeinhin verteuert sich Gold, wenn der Dollarkurs fällt. Denn da das Edelmetall in der amerikanischen Währung bezahlt wird, wird es für in Euro, Yen oder Pfund rechnende Anleger günstiger, wenn es mit dem Dollar abwärts geht.

Der Goldpreis profitiert in diesen Tagen von einem Dreiklang, der aus Amerika in die Welt tönt. Zum einen haben in der vergangenen Woche eine Reihe von Konjunkturdaten enttäuscht, vor allem Zahlen zum Arbeitsmarkt sind schwächer als erwartet ausgefallen. Dies hat die Zinserhöhungs-Phantasie eingedämmt - und Investmentbanken dazu veranlaßt, ihre Prognosen für den Dollar zurückzuschrauben. So rechnet Geldman Sachs nun mit einem Rückgang des Dollar gegenüber dem Euro von derzeit 1,238 Dollar auf bis zu 1,27 Dollar, ein Niveau, das zuletzt im Februar galt. Zum zweiten hat die gemilderte Zinserhöhungs-Phantasie den Dollar schon geschwächt.

Hinzu gekommen ist drittens eine Warnung des amerikanischen Heimatschutz-Ministeriums, das Risiko eines größeren Terroranschlags in den Vereinigten Staaten durch Al Qaida sei gestiegen. Vor allem solche Nachrichten treiben Anleger stets dem „sicheren Hafen“ Gold zu.

Technische Unterstützung bei 403 Dollar

Insofern spricht derzeit zumindest einiges für einen auf Sicht weiter stabilen Goldpreis, zumal dieser sich auch wieder oberhalb der 200-Tage-Linie bewegt, die den Durchschnittswert dieses Zeitraums anzeigt. Eine gute technische Unterstützung des Goldpreises wird von Experten im Bereich zwischen 403 und 404 Dollar ausgemacht. Die „bullishe“ Haltung von Händlern und Analysten nehme für eine kurze bis mittlere Perspektive zu, nachdem sich Gold in der gesamten Woche fest gezeigt hat, heißt es, so Dow Jones-vwd.

Um sich aus technischer Sicht weitere Aufstiegschancen zu erschließen, müßte der Gold-Spot über 413 Dollar steigen, wo eine technische Hürde steht. Ob er das schafft, hängt auch vom Dollar und der Lage an der Terror-Front ab. Und ein Händler in Hongkong sagt laut Dow Jones-vwd einschränkend, die starken Käufe von Fondsseite dürften zunächst einmal an ein Ende gekommen sein. Von dieser Seite scheint mithin vorerst wenig Preistreiberei zu erwarten zu sein. Davon abgesehen ist der langfristige Aufwärtstrend bei Gold voll intakt. Erst bei einem Fall unter 355/360 Dollar wäre das nicht mehr der Fall. Mithin ist Gold gewiß eine Halte-Position.

Der Chart zeigt die Preisentwicklung bei der Feinunze Gold.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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