Rohstoffe

Die Gold-Hausse hat noch Beine

Von Arnd Hildebrandt
08.12.2004
, 13:35
Der fallende Dollar hat den Goldpreis zuletzt deutlich nach oben getrieben. Hält die Dollar-Schwäche an, dürfte auch Gold weiter steigen. Wichtig wird 2005 aber auch das Verhalten der Notenbanken sein.
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Gold haussiert. Aber eigentlich nur, wenn man in amerikanischen Dollar rechnet. In Euro betrachtet, fallen die in diesem Jahr verzeichneten Preissteigerungen sehr mager aus (siehe Graphik). Und es gibt noch eine Besonderheit: Die Hausse fand und findet noch immer im wesentlichen an den Terminmärkten für das Edelmetall, darunter vor allem an der Comex in New York, statt. Der physische Markt folgt zwar, aber nur sehr zögernd.

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Unbestritten ist die treibende Kraft hinter den Preissteigerungen die Schwäche des Dollar. Die Hausse wird sich denn auch mindestens so lange fortsetzen, wie der Greenback abwertet. Doch in dem Maße, in dem sich das Edelmetall für jene verteuert, die in Dollar oder Währungen rechnen, die an die amerikanische Währung gekoppelt sind, dürfte auch die physische Nachfrage gedämpft werden.

Hohe Korrelation zum Dollar dürfte anhalten

Gold verhält sich zum Dollar wie eine "harte" Währung". Dies erklärt, warum es sich in Euro nur mäßig verteuert hat. Das Edelmetall wird offenkundig gekauft, um Kapital vor der Abwertung der amerikanischen Währung zu sichern (Hedging) oder um Gewinne aus diesem Prozeß zu erzielen. Gold zeigt damit unbestritten wieder seinen traditionellen monetären Charakter, der offiziell längst aufgegeben wurde. Daran ändert der Umstand, daß sich das Geschehen auf den Terminmarkt konzentriert und damit in weiten Teilen als rein spekulativ einzustufen ist, grundsätzlich nichts.

Nach Lage der Dinge wird der Goldpreis dann, wenn sich der Dollar, aus welchen Gründen auch immer, einmal deutlicher erholen sollte, mit hoher Wahrscheinlichkeit spürbar nachgeben. Wegen der extrem hohen, tendenziell weiter wachsenden Kaufengagements am Terminmarkt und der daraus entstehenden technischen Belastung können die Einbußen bei Gold in solchen Phasen sogar stark überproportional ausfallen.

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Verhalten der Notenbanken als große Unbekannte

Starke Beachtung finden alle tatsächlichen und vermeintlichen Hinweise darauf, wie sich jene 15 europäischen Zentralbanken verhalten werden, die das im September ausgelaufene erste Abkommen zu Goldverkäufen um weitere fünf Jahre verlängert haben. Sie können, zusammengenommen, innerhalb eines Zwölfmonatszeitraums künftig bis zu 500 Tonnen aus ihren Reserven verkaufen. Während zunächst die Auffassung vorherrschte, einige dieser Notenbanken, darunter auch die Deutsche Bundesbank, seien nur allzu bereit, Gold abzugeben, hat sich im Zuge der Dollarschwäche die Ansicht verbreitet, das Interesse sei merklich geschwunden.

Auch Zentralbanken, so heißt es immer häufiger, betrachteten ihre Goldbestände inzwischen als Absicherung (Hedge) gegenüber einer anhaltenden Abwertung des Greenback und seien daher nun weitaus weniger zu Verkäufen bereit. Wenn sich dies bestätigen sollte, wäre es als Beweis dafür anzusehen, daß auch die europäischen Notenbanken trotz aller finanziellen Nöte der Regierungen einzelner Länder in der Region den monetären Charakter des Goldes wiederentdeckt hätten. In diesem Zusammenhang erscheint interessant, daß das finanziell arg bedrängte Argentinien seit Jahresbeginn konsequent Gold zu monetären Zwecken erworben hat. Von Bedeutung könnte ferner sein, daß asiatische Notenbanken offenkundig ihre stark dollarlastigen Währungsreserven umschichten. Fachleute vermuten, daß bei dieser Neuordnung zunehmend auch Gold berücksichtigt wird.

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Dies alles ist Wasser auf die Mühlen jener, die mit Blick auf die fast überall in der Welt überbordenden Staatsschulden erklären, es führe letztlich kein Weg um eine Neuordnung des internationalen Währungssystems herum. Einem neuen System müsse Gold gewissermaßen als Korsettstange eingezogen werden, um den Politikern das Schuldenmachen drastisch zu erschweren. In diesem Fall wäre erstmals seit gut dreißig Jahren wieder ein offizieller Goldpreis zu erwarten, der aber wesentlich über dem derzeit herrschenden liegen würde. Die Vertreter dieser oder ähnlicher Thesen glauben auch zu wissen, wann der kritische Punkt für solche Umwälzungen erreicht sein könnte: Wenn der Goldpreis in Dollar und in Euro, den beiden bedeutendsten Währungen in der Welt, gleichermaßen steigt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2004, Nr. 286 / Seite C9
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