Rohstoffe

Die Rohstoff-Hausse ist ungebrochen

12.10.2004
, 20:00
Kupferproduzenten können deutlich höhere Preise durchsetzen
Der Ölpreis hat erneut ein Rekordniveau erreicht. Der starke Rohstoffbedarf Chinas führt auch bei den Metallen zu hohen Preisen. Die IEA rechnet mit einer weiter steigenden Nachfrage.

Die Hausse an den Rohstoffmärkten ist ungebrochen: Am Dienstag stieg der Preis für Öl der Sorte West Texas Intermediate erstmals auf mehr als 54 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Der CRB-Index, der die Terminpreise von 17 Rohstoffen abbildet, erreichte gleichfalls ein neues Rekordhoch, nachdem er bereits in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit 23 Jahren geklettert war.

Obwohl dieser Index sehr stark von der Preisentwicklung beim Öl geprägt ist, spiegeln sich in ihm auch die Preissteigerungen bei Basis- und Edelmetallen wider: Gold, Platin und Palladium haben im laufenden Jahr Wertzuwächse von mehr als 15 Prozent verbucht, Silber stieg sogar um mehr als 50 Prozent, Aluminium legte rund 25 Prozent zu, Zink um 30 Prozent, Nickel um fast 50 Prozent und Kupfer um rund 70 Prozent.

Hohe Nachfrage aus China

Einer der maßgeblichen Einflußfaktoren der Rohstoffhausse ist die hohe Nachfrage aus China, sagen Rohstoffexperten. Vor allem die großen Minengesellschaften aus Australien haben dank der chinesischen Nachfrage enormen Auftrieb bekommen, sagt Norbert Faller von Union Investment.

Die Hausse bei den Metallen gehe über das gesamte Spektrum und beschränke sich nicht auf einzelne Märkte. Da bei vielen Rohstoffen wie beispielsweise Kupfer und anderen Basismetallen die Lagervorräte nahezu erschöpft sind, hat die zusätzliche Nachfrage aus Asien zu deutlichen Preisanstiegen geführt.

Sinkende Lagerbestände

Hinzu kommt, daß die Rohstoffmärkte mit sinkenden Lagerbeständen zunehmend ihre Fähigkeit verlieren, Schwankungen in der Nachfrage ohne größere Preisausschläge auszugleichen. Und die Nachfrage steigt weiter: Die Internationale Energieagentur IEA hat ihre Prognose für die Ölnachfrage in diesem Jahr am Dienstag um 240 000 auf 82,4 Millionen Barrel erhöht. Der Preis für Öl werde deswegen weiter steigen, teilte die IEA mit.

Für das kommende Jahr wurde die Prognose aber um 70 000 auf 83,9 Millionen Faß zurückgenommen. Als Grund für die rückläufige Nachfrage nannte die IEA das erwartete langsamere weltweite Wirtschaftswachstum. Auch Goldman Sachs erwartet, daß sich die Nachfrage nach Rohstoffen konjunkturell bedingt in den nächsten sechs bis 18 Monaten reduzieren werde - die kommenden sechs Monate allerdings sei mit weiterhin steigenden Preisen zu rechnen.

Preisdämpfung ab Mitte 2005

Nicht nur bei der Nachfrage, auch auf der Angebotsseite könnte in den kommenden Monaten mit Entlastung zu rechnen sein: Das weltweite Ölangebot stieg im September um 640 000 auf 84 Millionen Barrel pro Tag, rechnet die IEA vor. Zudem sei das Angebot der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) um 710 000 auf 29,9 Millionen Barrel gestiegen.

Ähnliche Effekte erwarten Experten auch bei den Basismetallen: Spätestens Mitte 2005, glauben die Experten von Goldman Sachs, werde das durch die steigenden Preise angelockte zusätzliche Angebot sich preisdämpfend auswirken.

Die Hausse zeigt auch bei Rohstoffonds ihre Wirkung: Diese haben laut dem Finanzdienstleister Morningstar im laufenden Jahr ein Plus von 12 Prozent verbucht, auf drei (fünf) Jahre waren es 20 (34) Prozent Plus. Zum Vergleich: Weltweite Aktienfonds haben im laufenden Jahr 3,4 Prozent erwirtschaftet; auf drei (fünf) Jahre waren es minus 15 (minus 26) Prozent.

Quelle: hbe., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2004, Nr. 239 / Seite 19
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