Rohstoffe

„Dienstleister werden stark von vermehrter Ölsuche profitieren“

07.10.2005
, 12:41
Nicht romantisch, aber einträglich: Bohren nach Öl
Der Global Energy Equities Fund von American Express ist ein kleiner Branchenvertreter - dabei liegt er beim Wertzuwachs nur knapp hinter dem Primus von Merrill Lynch. Fondsmanager Hoes setzt vor allem auf amerikanische Öl-Dienstleister.
ANZEIGE

Eine Woche lang sind die Preise für Rohöl gefallen. Sowohl amerikanisches Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate als auch die Nordseesorte Brent haben mehr als zwölf Prozent verloren. Derzeit kostet das Barrel WTI noch 62 Dollar und dieselbe Menge Brent fast 59 Dollar.

ANZEIGE

In gleichem Maße fielen die Kurse von Öl-Aktien wie BP, Statoil, Total oder ExxonMobil. Doch mit einem nachhaltigen Preisverfall beim Rohstoff und den Wertpapieren rechnet Fondsmanager Clay Hoes von American Express Funds nicht. Vielmehr geht er von einer baldigen Erholung der Preise aus, wobei er Öl die nächsten drei Jahre zwischen 55 und 70 Dollar je Barrel pendeln sieht und auf längere Sicht wegen der wachsenden Nachfrage aus Schwellenländern und Angebotsengpässen eine wahre Preisexplosion erwartet.

Einstiegskurse nahen

Der studierte Geologe und Ökonom, der den Amex Global Energy Equities Fund erfolgreich betreut, führt drei Gründe für den jüngsten Abschwung an: Nach den Schäden durch die Hurrikans „Katrina“ und „Rita“ haben Amerika und die Europäische Union strategische Ölreserven auf den Markt fließen lassen. Dies habe den Preis ebenso gedrückt wie der damit zusammenhängende Hang zu Gewinnmitnahmen an der Börse. Zudem gibt es derzeit weniger einen Mangel an Öl als an Kapazitäten, das zähflüssige schwarze Gold zu verarbeiten.

Energie-Experte: Amex-Fondsmanager Clay Hoes
Energie-Experte: Amex-Fondsmanager Clay Hoes Bild: Amex

„Im April hat es eine ähnliche Korrektur gegeben. Kurse fielen um zehn bis 15 Prozent“, ruft Hoes in Erinnerung. Von Ende Oktober an dürfte es wieder nach oben gehen - bei den Ölpreisen und den Aktienkursen, meint er. Und sieht Einstiegskurse nahen. Dabei hat er aber weniger Papiere von Ölkonzernen (“integrated oil“), die Öl suchen, fördern, verarbeiten und verkaufen, vor Augen als Öl-Dienstleister, die nach Öl bohren oder Plattformen errichten. Dies spiegelt sich schon derzeit im Portfolio seines Fonds wider.

ANZEIGE

Amerika größter Einzelmarkt im Portfolio

Der Amex Global Energy Equities Fund zählt mit einem Volumen von nur 30 Millionen Euro zu den kleinen Branchenvertretern. Zum Vergleich: Der World Energy Fund von Merrill Lynch ist gut zwei Milliarden Euro schwer. Dabei hinkt der Amex-Fonds bei der Wertentwicklung dem Branchenprimus kaum hinterher. In den vergangenen drei Jahren hat er ein Plus von gut 111 Prozent erzielt, der Merrill Lynch-Fonds rund 135 Prozent. Auf Jahressicht steht es 60,4 Prozent zu 68,7 Prozent. Damit liegt der von Hoes betreute Fonds jeweils auf Platz drei unter 26 Energieaktien-Produkten. Für deutsche Anleger ist indes von Bedeutung, daß der Fonds in Dollar notiert. Insofern können Wechselkursschwankungen eine positve Entwicklung unter Umständen nicht unerheblich beeinträchtigen.

Unter den zehn schwersten Werten im Portfolio sind derzeit sechs Öldienstleister-Aktien. An der Spitze steht Halliburton vor Baker Hughes und National Oilwell Varco, auf den Plätzen sechs und sieben folgen Transocean und Rowan Companies und auf Rang zehn Weatherford International. Die einzigen Ölkonzerne unter den Top-Titeln sind Occidential Petroleum und ExxonMobil; beide finden sich im elf Aktien umfassenden CBOE Oil Index.

ANZEIGE

Hinzu kommen mit Chesapeake Energy und Ultra Petroleum zwei Unternehmen, die nach Ölquellen suchen und den Rohstoff fördern. Gut 36 Prozent des Portfolios entfallen auf amerikanische Aktien, 42 Prozent auf international tätige amerikanische Unternehmen, die mehr als die Hälfte des Gewinns in Amerika erwirtschaften; mit 9,6 Prozent ist Kanada der zweitgrößte Einzelmarkt.

Auch Solarindustrie im Blick

Hoes setzt vor allem auf Öl-Dienstleister, weil deren Dienste stark gefragt seien, wenn es darum geht, angesichts des erwarteten Nachfragezuwachses aus Amerika sowie China, Indien und anderen aufstrebenden Schwellenländern die notwendige Suche nach unerschlossenen Ölquellen zu forcieren. Aufgrund der schwachen Lagerbestände von Kohle bei amerikanischen Versorgern und der Knappheit von Erdgas in den Vereinigten Staaten nach den Hurrikanen sieht er sich aktuell auch Aktien entsprechender Unternehmen genauer an.

Einziger Solarwert im Portfolio ist die auch in Deutschland gehandelte amerikanische Daystar, deren Kurs sich seit dem Frühjahr mehr als verdoppelt hat, aber gut 37 Prozent unter dem Jahresbestwert liegt. Aktien der international führenden deutschen Solarindustrie sind Fehlanzeige. Bisher jedenfalls. Begründung: „Ich habe bisher noch mit keinem Unternehmen gesprochen“, sagt Hoes. Und bevor er sich einen Anbieter nicht angesehen hat, bucht er die Aktie auch nicht ein. Das zählt zu den Grundsätzen seines Investmentprozesses.

Quelle: @thwi
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE