Rohstoffe

Erstmals Öl-Wertpapiere an der Londoner Börse

14.07.2005
, 20:04
Ölhandel an der Merc
Anleger, die direkt an den Preisbewegungen des Ölmarktes teilnehmen wollen, können in Kürze in börsennotierte Öl-Wertpapiere an der London Stock Exchange (LSE) investieren. Öl läßt sich damit wie Aktien handeln.

Anleger, die direkt an den Preisbewegungen des Ölmarktes teilnehmen wollen, können in Kürze in börsennotierte Öl-Wertpapiere an der London Stock Exchange (LSE) investieren. Es ist das erste Mal, daß eine Börse ein Ölprodukt dieser Art, genannt "Oil Securities", an den Markt bringt.

Das Produkt wurde von Spezialisten der gleichnamigen Gesellschaft Oil Securities Ltd in Zusammenarbeit mit Citigroup und UBS entwickelt. Beide Banken agieren als Marktteilnehmer und Marktmacher in diesem Produkt. Am 18. Juli wird das Produkt institutionellen Investoren vorgestellt. Der Handel an der Londoner Börse soll am 28. Juli beginnen. Die Wertpapiere werden, obwohl an der Londoner Börse gehandelt, wie der Ölpreis in Dollar notiert. Die kleinste Stückelung entspricht der Größe von einem Barrel (159 Liter) Öl, und der Preis dürfte daher zum Zeitpunkt des Handelsbeginns Ende Juli - entsprechend dem Ölpreis - voraussichtlich etwa 60 Dollar betragen.

Öl läßt sich wie Aktien handeln

Der Vorteil des Produktes ist, daß Anleger - in einer Parallele zu einem börsennotierten Fonds - die Anteile wie Aktien kaufen können. Der Kurswert dieser Anteile korrespondiert direkt mit dem Ölpreis. Dabei wird es zwei Produkte geben, die den beiden populärsten Öl-Kontrakten in der Welt entsprechen: Das Wertpapier OILB richtet sich nach dem Preis der Futures für die Sorte Brent an der Londoner International Petroleum Exchange (IPE). Das zweite Papier OILW korrespondiert mit dem Futures-Preis der Sorte WTI an der New Yorker Mercantile Exchange (Nymex).

Rein rechtlich ist das Produkt wie ein "Asset backed security" - also ein aktivabesichertes Wertpapier - konzipiert. In der Höhe, zu dem der Anleger die Anteile kauft, wird über Citigroup und UBS der entsprechende Gegenwert am Ölmarkt eingedeckt, und zwar zunächst über Kontrakte mit Shell. Im Prinzip entspricht das Produkt einem börsennotierten offenen Fonds, einem Exchange Traded Fund (ETF). Obwohl das Produkt für institutionelle Großinvestoren konzipiert ist, können Privatanleger die Anteile über Makler ebensogut an der Londoner Börse kaufen.

Bei Citigroup, UBS, der Londoner Börse und Oil Securities Ltd geht man davon aus, daß die Wertpapiere eine große Nachfrage bei den Großkunden auslösen werden. Ähnliches war zumindest der Fall, als die Fachleute von Oil Securities im Dezember 2003 entsprechende Gold-Wertpapiere an den Markt brachten. Die Öl-Wertpapiere erlauben es den Investoren nämlich, an der Preisbewegung am Ölmarkt direkt zu partizipieren, ohne daß sie riskantere Futures an den Terminmärkten oder Öl am Kassamarkt mit entsprechenden Abnahmeverpflichtungen kaufen müßten.

Aufsichtsrechtliche Bestimmungen werden umgangen

Dies und aufsichtsrechtliche Bestimmungen haben nämlich viele Investoren bisher davon abgehalten, am Ölmarkt einzusteigen, heißt es bei Oil Securities Ltd. Graham Tuckwell, der Verwaltungsratsvorsitzende der Gesellschaft, vermutet daher, daß sich mit den neuen, einfacheren Produkten das Spektrum der Marktteilnehmer deutlich ausweiten könnte.

In der Tat gibt es für Anleger genug Anreiz, am Ölmarkt zu investieren und zu spekulieren. In kaum einem Markt ist die Volatilität so gestiegen, sind die Preiserwartungen der Marktteilnehmer so unterschiedlich. Ganz extrem waren die Preisausschläge am 7. Juli, dem Tag der Bombenanschläge in London. Innerhalb weniger Stunden brach der Ölpreis zunächst um 7 Prozent ein, erholte sich dann aber wieder um 6 Prozent - eine Extremsituation, in der sich etliche Investoren neu positionierten. Gleichzeitig weichen derzeit selbst bei den professionellen Marktteilnehmern die Ansichten darüber extrem voneinander ab, wie sich Angebot und Nachfrage am Ölmarkt im kommenden Jahr entwickeln werden, betont Barclays Capital. Während die Internationale Energieagentur (IEA) bei ihrer jüngsten Prognose zum Beispiel von einer kräftigen Erholung der Förderung und Lieferung aus Rußland ausgeht, wird diese optimistische Einschätzung am Markt von anderen Marktteilnehmern nicht geteilt.

Quelle: F.A.Z., 15.07.2005, Nr. 162 / Seite 19
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