Rohstoffe/Fonds

Bei Gold-Fonds ist auch der Dollarkurs wichtig

09.10.2003
, 15:17
Gold-Fonds haben schöne Kursgewinne erzielt, aber...
Wer vor einem Jahr in Gold-Fonds investiert hat, kann sich über schöne Kursgewinne freuen. Verdunkeln dürfte sich aber die Miene, wenn der Kurswert in Euro umgerechnet wird, da viele dieser Fonds auf Dollar lauten.

Sie haben vor einem Jahr oder sechs Monaten in Gold-Fonds investiert? In diesem Fall dürfte der Blick auf den Kurszettel für Freude sorgen. Denn der Wert der Anteile an solchen Fonds ist in diesen Zeiträumen deutlich gestiegen - parallel zum Anstieg des Preises dieses Edelmetalls oder sogar darüber hinaus.

Beim Blick auf die Kursentwicklung sollte aber nicht allein die nackte Zahl ins Auge genommen werden, sondern auch die Währung, auf die das jeweilige Produkt läuft. Denn Gold-Fonds werden in der Regel in amerikanischen Dollars (Greenback) gehandelt. Und deshalb ist für Anleger, deren übliche Gebrauchswährung der Euro ist, die Kursentwicklung des Dollar gegenüber der europäischen Gemeinschaftsdevise wesentlich. Und die Schwäche des Greenback nagt an der Rendite.

Gold-Fonds besser als Gold-Index-Performance

In Gold-Fonds investiert zu haben, hat sich in den vergangenen Monaten auf jeden Fall gelohnt - zumindest beim Vergleich der Wertentwicklung solcher Produkte mit der Performance des Gold-Index, der den Preis je Unze widerspiegelt. Der Gold-Index hat sich seit Oktober 2002 von 311,15 Dollar auf 374,40 Dollar verbessert. Das ist ein Plus von 20 Prozent.

Dagegen hat der AIG Equity Gold Fund (ISIN: CH0002783535) sich um 60 Prozent verbessert; sein Preis ist von 96,20 Dollar auf 154,80 Dollar geklettert. Von 85,62 Dollar auf 136,30 Dollar oder um 59,2 Prozent ist der Wert des CS Equity Fund Global Gold (ISIN: CH0002771605) gestiegen. Und sogar um 66 Prozent hat sich der Merrill Lynch World Gold Fund A, der wie die beiden anderen genannten auch und gerade in Aktien von Goldminen investiert, (ISIN: LU0055631609) verteuert; er kletterte im Preis von 12,22 Dollar auf 20,33 Dollar je Schein.

Binnen eines Monats zehn Prozent in Euro gewonnen

Um bei diesem Fonds für eine Beispielrechnung zu bleiben: Wer vor einem Jahr 100 Anteile des Merrill Lynch World Gold zum Preis von 12,22 Dollar gekauft hat, mußte 1.222 Dollar oder 1.259,80 Euro dafür bezahlen. Der Kurswert in Dollar ist mittlerweile auf 2.033 Dollar geklettert. In Euro ausgedrückt sind dies jedoch lediglich 1.722. Wäre der Dollar noch so hart wie einem Jahr, hätte der Anleger für die 100 Anteile an diesem Gold-Fonds einen Gegenwert von 2.095 Euro. Mit anderen Worten: Die Talfahrt des Greenback gegenüber der Gemeinschaftswährung hat den Investor in diesem Fall 373 Euro gekostet. Gleichwohl kann er sich dennoch über einen Gewinn von 36,8 Prozent freuen.

Wie stark der Wert der Anteile in relativ kurzer Zeit schwanken kann, zeigt das folgende Beispiel: Am 25. September erreichte der Merrill Lynch World Gold seinen Höchststand von 21,27 Dollar. Seinerzeit war der Dollar 1,147 Euro wert. Folglich standen 100 World Gold-Anteilen 1.855 Euro gegenüber. Bei den am 27. August geltenden Kursen von Fonds (18,20 Dollar) und Dollar (1,085 Euro) hatte sich ein Wert auf 1.676 Euro ergeben. Das heißt: Binnen eines Monats konnte der Fonds trotz des Dollarverfalls fast 180 Euro gewinnen. Oder gut zehn Prozent an Wert. Seitdem sind dem Anleger aber 130 Euro verloren gegangen, weil sich der Dollarverfall verschärft und der Fonds entsprechend an Wert verloren hat.

Wechselbeziehung von Gold und Dollar

Diese Beispiele machen deutlich, warum Kursgewinne bei Gold-Fonds beileibe nicht alles sind. Zudem sollten Anleger folgendes beachten: In der Regel ist der Gold-Preis in der Vergangenheit gestiegen, wenn der Dollar an Boden verloren hat. (Wobei die obigen Berechnungen zeigen, daß dies bei Gold-Fonds nicht immer der Fall ist.) Wenn der Wertzuwachs beim „sicheren Hafen“ Gold (und bei Goldaktien) schwächer ausfällt als der Dollarverfall, leidet die Rendite. Zudem gilt Gold als enger Markt, auf dem sich spekulative Naturen tummeln. Wenn viele Fondsmanager gleichzeitig Gold verkaufen, leidet der Preis.

Allerdings weisen Fondsmanager wie Jens Ehrhardt darauf hin, daß das Anlagevermögen in Goldtiteln im Vergleich zum Volumen in Aktien sehr klein sei und deshalb Gold noch Potential habe. Zudem rechnen viele Beobachter mit einer mittelfristig steigenden Nachfrage aus China und anderen aufstrebenden Schwellenländern, die den Goldpreis mindestens stützen dürfte. Dies wiederum sollte auch Goldminen-Aktien helfen, die das Edelmetall produzieren. Schon aus diesen Gründen sollten sich Gold-Fonds auch künftig lohnen. Mit den genannten währungsbezogenen Einschränkungen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot