Rohstoffe/Fonds

Mit Gold auf Euro-Basis nichts zu verdienen

28.12.2004
, 11:04
Wegen des Dollarverfalls anhaltend gefragt: Gold
Gold glänzt. Seit April 2001 ist das in Dollar gehandelte Edelmetall um 75 Prozent teurer geworden. 2004 ist ein Kursplus von acht Prozent aufgelaufen, das aber vom Dollarverfall ausradiert worden ist. Auch Fonds leiden darunter.

Schöner kann ein langfristiger Aufwärtstrend kaum sein. Seit Anfang April 2001 schon läuft der Goldpreis hoch. Auch einige ziemlich heftige Gegenbewegungen etwa von Februar bis Anfang April 2003 und von April bis Mitte Mai dieses Jahres haben das glänzende Kursbild nicht nachhaltig trüben können. Knapp 75 Prozent hat das in Dollar gehandelte Edelmetall seit Beginn des Aufwärtstrends gutgemacht.

Doch aus europäischer Sicht sieht der Kursgewinn längst nicht so schön aus. In diesem Jahr gab es mit Gold unter dem Strich in Euro gar nichts zu verdienen, obwohl die Unze auf Dollarbasis um acht Prozent teurer geworden ist. Der Grund ist der fortschreitende Wertverfall der amerikanischen Devise. Dieser wirkt sich auch auf die Wertentwicklung von Goldaktien-Fonds aus, die 2004 durch die Bank weg Federn lassen mußen. Und der Trend beim Dollar, der von Unkenrufen begleitet wird, läßt nichts Gutes erwarten.

14,7 Prozent Kursgewinn in Euro seit April 2001, aber...

Als die Gold-Hausse ihren Ausgang nahm, kostete die Unze rund 255 Dollar. Seinerzeit bewegte sich der Dollar um die Marke von 89 Cent je Euro. Folglich war eine Unze Gold etwa 285 Euro wert. Derzeit wird sie zu knapp 445 Dollar gehandelt. Bei einem Dollarkurs von rund 1,36 Dollar müssen 327 Euro für die entsprechende Menge Gold bezahlt werden. Mithin errechnet sich auf Euro-Basis ein Kursgewinn von 14,7 Prozent seit April 2001 - gegenüber 74,5 Prozent in Dollar gerechnet.

Im Lauf dieses Jahres hat sich die Unze von etwa 415 Dollar um knapp acht Prozent in der Handelswährung verteuert. Allerdings hat der Dollar im gleichen Zeitraum gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung um gut acht Prozent abgewertet und liegt auch im Vergleich zum südafrikanischen Rand, der Währung wichtiger Goldproduzenten, im Hintertreffen. Folglich hat der Dollarverfall den Kursgewinn bei Gold in diesem Jahr zunichte gemacht. Auch gegenüber dem australischen Dollar ist die Weltleitwährung schwächer geworden; „down under“ wird ebenfalls Gold aus der Erde gebaggert.

Der beste Goldaktien-Fonds hat 5,2 Prozent eingebüßt

Aufgrund der Aufwertung ihrer Währungen haben viele Goldproduzenten mit abschmelzenden Gewinnspannen zu kämpfen. Dies hat auf die Kurse ihrer Aktien durchgeschlagen: Gold Fields haben auf dem deutschen Markt 13,7 Prozent eingebüßt, Anglogold Ashanti 23,4 Prozent und Harmony Gold sogar mehr als 42 Prozent. Diese südafrikanischen Titel finden sich etwa im über die vergangenen führenden Merrill Lynch World Gold Fund wider, der indes in diesem Jahr in Euro gerechnet auf Platz sieben unter 13 Fonds abgerutscht ist; die gute Entscheidung, die australische Newcrest Mining an die Spitze des Portfolios zu nehmen, hat die Verluste in Grenzen gehalten: Dieser Titel hat ein Plus von 38,2 Prozent zu Buche stehen.

Und wenn Aktienkurse fallen, haben es auch Aktienfonds schwer. Folgerichtig haben alle 13 von Standard&Poor´s beobachteten Goldaktien-Fonds in diesem Jahr mehr oder weniger große Verluste erwirtschaftet. Der beste, der Craton Capital Precious Metal Fund, hat 5,3 Prozent verloren, gefolgt vom DJE Gold & Ressourcen mit einem Minus von gut neun Prozent und dem Swissca Gold Fund mit einem Abschlag von 12,2 Prozent. Am schlechtesten abgeschnitten hat der PEH-Q Goldmines, der um 26,6 Prozent leichter ist als vor Jahresfrist (Wertentwicklung von Goldaktien-Fonds).

Goldaktien-Fonds mit Vorsicht zu genießen

Der Trend beim Dollar und bei vielen Goldaktien läßt für in Euro rechnende Anleger nichts Gutes erahnen. Denn er zeigt jeweils abwärts. Experten wie Professor Fred Bergsten vom Institute for International Economics in Washington meinen, der Dollar werde noch um rund 15 Prozent gegenüber dem Euro abwerten. Auch im Vergleich zum Rand und zum australischen Dollar sieht er schwach aus. Da der Goldpreis in neun von zehn Fällen mit dem Euro läuft, dürfte er weiter steigen. Die Frage ist nur, ob seine Kursgewinne die Abwertung des Dollars wettmachen werden.

Für südafrikanische oder australische Minengesellschaften bedeutet eine anhaltende Dollarschwäche fortgesetzten Druck auf die Gewinnspannen. Denn für den Dollar erhalten sie weniger Rand oder den Aussie-Dollar. So etwas bekommt Aktienkursen selten gut. Insofern scheinen Anleger gut beraten zu sein, Goldaktien-Fonds mit Vorsicht zu genießen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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