Rohstoffe

Gold-Bedarf bei Anlegern in die Höhe geschossen

25.11.2003
, 17:43
Bei Anleger weit stärker gefragt als in der Industrie: Gold
Industrie und Handwerk verlangen verstärkt nach Gold. Doch förmlich explodiert ist dieses Jahr die Nachfrage bei Anlegern, die nicht zuletzt von Zentralbanken bedient werden. Der Aufwärtstrend ist ungebrochen.

Der Goldpreis steigt und steigt seit Jahren, von Kursdellen abgesehen, unter dem Strich stetig an. Und das Gleiche gilt für den Bedarf bei Investoren: Die Nachfrage nach Gold ist im dritten Quartal 5,5 Prozent auf 1.037 Tonnen geklettert, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet. Da Investoren das gelbe Edelmetall wieder verstärkt als „sicheren Hafen“ betrachten, ist allein der Bedarf der Kapitalmärkte von zwei Tonnen vor einem Jahr auf jetzt 185 Tonnen geradezu explodiert, wie Gold Fields Mineral Services Ltd. (GFMS) mitteilte.

Üblicherweise wird dieser „sichere Hafen“ angesteuert, wenn Anleger zum Beispiel nach Terroranschlägen verunsichert sind oder der amerikanische Dollar den Rückwärtsgang einlegt. Zudem wird in einem solchen Fall dieses Edelmetall für Investoren, deren Währung nicht der Greenback ist, billiger. Denn Gold wird in Dollar bezahlt.

Am Dienstag liefen aber keine Investitionsobjekte preislich im Gleichschritt: Obwohl der Dollar gegenüber dem Euro und dem Yen an Boden gewonnen hat, verteuerte sich Gold; am Tagesmarkt stieg die Feinunze Gold am Dienstag in der Spitze um 0,3 Prozent und notierte gegen 15 Uhr 0,2 Prozent höher bei 392,15 Dollar. Am Mittwoch vor einer Woche erreicht der Goldpreis mit 400,55 Dollar den höchsten Stand seit März 1996.

Auch Nachfrage von Industrie und Handwerk belebt

Die Nachfrage von Industrie und Handwerk nach Gold stieg in den drei Monaten bis Ende September um 5,4 Prozent auf 813 Tonnen.
Mit dem Anstieg des Goldpreises von 23 Prozent über die vergangenen zwölf Monate ist das Edelmetall für Anleger wieder interessanter geworden. Das Handelsvolumen am Comex-Börsensegment der New York Mercantile Exchange, der wichtigsten Goldbörse, lag Ende September 34 Prozent über dem Vorjahresvolumen.

Seit Jahresbeginn hat der Dollar gegenüber dem Euro 12,5 Prozent an Wert verloren. Fast umgekehrt proportional dazu stieg der Goldpreis in diesem Zeitraum um 12,7 Prozent. Durch den Irakkrieg und die Terroranschläge hat Gold wieder verstärkt die Funktion eines "sicheren Hafens" übernommen.

Die Goldnachfrage im dritten Quartal ging zu 18 Prozent auf die gestiegene Nachfrage der Investoren zurück, wie GFMS laut Bloomberg berichtete. Im Vergleichsquartal betrug dieser Anteil noch 0,2 Prozent. Gleichwohl macht die Nachfrage der Goldverarbeiter noch 78 Prozent der Gesamtnachfrage aus. Der Bedarf der Juweliere fiel um ein Prozent auf 66 Prozent der Gesamtnachfrage beziehungsweise 84 Prozent der Goldverarbeiter.

Zentralbanken werfen verstärkt Gold auf den Markt

Auf der Angebotsseite versorgten die Zentralbanken mehr als jeder andere Markteilnehmer den Goldmarkt mit Nachschub. Sie brachten 54 Prozent mehr Gold auf den Markt. Die Versorgung über Goldschrottrecycling stieg 4,7 Prozent und die Produktion der Minen ging 0,2 Prozent zurück, wie Bloomberg ausführt. Goldproduzenten gerade in Südafrika, die in der Landeswährung Rand rechnen, halten sich etwas zurück. Denn infolge des Höhenflug des Rand gegenüber dem Greenback erhalten die Unternehmen weniger Rand für den Dollar. Dies drückt auf ihre Gewinne.

Dagegen dürften Anleger weiter von einem steigenden Goldpreis profitieren. Gemessen an dem etwa in Aktien steckenden Kapital ist die Summe der auf Gold gemünzten Investitionen weiter gering. Zudem dürfte sich die physische Nachfrage aus Industrie und Handwerk weiter verstärken, wenn sich die Wirtschaft in Amerika, Japan und Europa erholt. Die erwachende Nachfrage in China nicht zu vergessen. Der Trend spricht ohnehin für einen sehr festen Goldpreis, so daß es keinen Grund für einen Ausstieg gibt.

Der Chart zeigt den Verlauf des Gold-Index´ seit drei Jahren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi mit Bloomberg
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