Rohstoffe

„Gold bleibt eine attraktive Anlagemöglichkeit“

Von Karyn McCormack, BusinessWeek Online
20.11.2003
, 09:55
Gold bleibt eine lohnende Investition - zumindest, solange der Dollar schwach und der Leitzins in Amerika niedrig bleibt. Diese Meinung vertritt Mark Johnson, Portfolio-Manager des USAA Precious Metals & Minerals Fund, im Interview.

Solange der Dollar schwach bleibt und die Federal Reserve die Zinsen niedrig hält, dürfte Gold attraktiv bleiben - das ist die Auffassung von Mark Johnson, Portfolio-Manager des USAA Precious Metals & Minerals Fund. Er prognostiziert, daß der Goldpreis im nächsten Jahr auf 435 Dollar steigen könnte. Selbst nach den jüngsten Preisanstiegen sollten die Anleger nach Johnsons Auffassung in Gold investieren, um ihr Gesamtrisiko zu verringern.

Mark Johnson vom USAA Precious Metals & Minerals Fund erläutert im Intreview von Karyn McCormack von BusinessWeek Online, warum der schwache Dollar und die niedrigen Zinsen gut für den Goldpreis sind. Der S&P-Goldindex hat in diesem Jahr bis zum 14. November um 52 Prozent zugelegt, wohingegen der breiter angelegte S&P 500 lediglich um 19 Prozent gestiegen ist. Und in den letzten Tagen konnte sich der Goldpreis weiter verbessern - am 18. November handelte Gold bei rund 398 Dollar -, während der Wechselkurs des Dollar aufgrund einer Reihe schlechter Nachrichten - möglicher Handelskonflikt mit China, sinkende ausländische Kapitalzuflüsse sowie die anhaltende Besorgnis aufgrund der Skandale bei Investmentfonds - sank.

Wie ist nach Ihrer Auffassung der Ausblick für Gold?

Auf der Grundlage unserer Prognose, daß der amerikanische Dollar aufgrund der Zwillingsdefizite noch längere Zeit schwach bleiben dürfte, relativ günstig. Das Leistungsbilanzdefizit und der hohe Fehlbetrag im Staatshaushalt dürften zusammen knapp zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprechen.

Welche anderen Faktoren treiben den Goldpreis nach oben? Wie ist die Angebots- und Nachfragesituation?

Der Hauptgrund ist meines Erachtens der Wechselkurs. Die jüngsten Entwicklungen am Anleihemarkt, insbesondere im Sommer, deuten darauf hin, daß die Inflationserwartungen ansteigen könnten. Und selbstverständlich hat die Federal Reserve erklärt, daß sie die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig halten möchte. Dies bedeutet, daß die bereits negativen Realzinsen noch weiter sinken werden. Auch dies ist ein positiver Faktor für die Goldpreise.

Wie wirken sich die zuletzt günstigen Konjunkturdaten aus, aufgrund derer bereits spekuliert wird, daß die Fed die Zinsen eher früher als später anheben könnte?

Meines Erachtens haben sich die Goldpreise angesichts der Beschäftigungsdaten überraschend gut entwickelt. Angesichts der Beschäftigungs-, Produktivitäts- und BIP-Daten wäre zu erwarten, daß sich die Konjunktur spürbar erholt. Demnach sollten die Aktienkurse ansteigen, was sich negativ für Gold auswirken könnte. Dies spricht wiederum für einen stärkeren Wechselkurs, was ebenfalls ungünstig für Gold wäre. Die Goldpreise haben sich jedoch trotz der höheren Langfristzinsen im vergangenen Sommer relativ gut entwickelt, was möglicherweise auf höhere Inflationserwartungen am Anleihemarkt zurückzuführen ist.

Und dies ist auf die Wechselkursentwicklung, das Leistungsbilanzdefizit und das Haushaltsdefizit zurückzuführen?

Zum augenblicklichen Zeitpunkt achten die Marktteilnehmer am Goldmarkt weniger auf die jüngsten Daten, sondern stellen ganz überrascht und begeistert fest, daß sich die Fed wirklich auf niedrigere Zinsen festgelegt hat. Alan Greenspan hat dies vor kurzem noch einmal bekräftigt. Solange die Zinsen niedrig bleiben, dürfte der Bullenmarkt für Gold anhalten.

Warum schneidet Ihr Fonds besser als die Konkurrenzprodukte und der Markt insgesamt ab?

Bis zum 31. Oktober konnte der Fonds in diesem Jahr einen Anstieg um 55,1 Prozent verzeichnen. Bei dem Lipper Gold Fund Index fand ein Zuwachs um 40,6 Prozent statt. In den letzten drei Jahren konnte unser Fonds annualisiert um 58,2 Prozent zulegen, der Lipper Gold Fund Index um 46,2 Prozent. Grund für unser gutes Abschneiden ist meines Erachtens unsere Aktienauswahl sowie die Tatsache, daß wir über den ganzen Zeitraum hinweg voll investiert geblieben sind. Zudem haben wir uns relativ eng an unsere Vorgaben für die Edelmetallinvestitionen gehalten. Wir sind zu rund 80 Prozent in Gold und mit dem Rest in anderen Edelmetallen wie z.B. Platin oder Diamanten investiert.

Was sind Ihre größten Einzelposten beziehungsweise Ihre Lieblingsaktien?

Von den in Amerika notierten Aktien stellt Glamis Gold unseren größten Einzelposten dar. Dies ist derzeit auch eine unserer Lieblingsaktien. Es handelt sich um ein qualitativ hochwertiges Unternehmen, das nicht verschuldet ist, seine Positionen abgesichert hat und niedrige Produktionskosten hat. Darüber hinaus verfügt es über ein gutes Management, eine diversifizierte Basis an Minen und ein sehr gutes Wachstumsprofil, da zwei Minen neu ausgebeutet und die Kapazität einer dritten erhöht werden soll. Auf dem gegenwärtigen Niveau handelt es sich nicht um eine besonders billige Aktie. Aufgrund der genannten Eigenschaften - insbesondere des Wachstumsprofils - dürfte der Kurs jedoch in den nächsten Jahren noch steigen.

Was ist neben dem Goldpreis die treibende Kraft hinter dem Geschäft dieser Unternehmen? Entdecken sie neue Minen?

Diese Aktien dürften generell in dem Maße zulegen, wie die Unternehmen ihre Produktion erhöhen können. Wenn die Produktion nicht ansteigt, kann man im Grunde nur auf einen Rohstoff spekulieren. Es kommt also darauf an, herauszufinden, welche Unternehmen eine gute Qualität und ein attraktives Wachstumsprofil haben - und vor diesem Hintergrund ist Glamis meines Erachtens attraktiv.

Ab welchem Niveau wird die Produktion profitabel?

Im Durchschnitt belaufen sich die Barkosten für eine Mine derzeit auf 210 bis 220 Dollar. Dieses Geld benötigt man, um eine Unze Gold zu fördern. Dabei sind Abschreibungen noch nicht berücksichtigt. Wenn man also in Unternehmen investieren kann, die billiger produzieren können, ist man auf der sicheren Seite. Es ist unwahrscheinlich, daß der Goldpreis derart stark sinkt; in diesem Fall müßten viele Minen stillgelegt werden.

Wird der Aufwärtstrend der Goldpreise anhalten?

Ich denke ja. Die Alarmglocken sollten dann zu läuten anfangen, wenn die Fed die Zinsen anhebt. Bei diesem Signal sollten wir die Preisentwicklung am Goldmarkt noch einmal unter die Lupe nehmen. Bis dahin dürfte der Bullenmarkt jedoch anhalten.

Finden Sie noch andere Unternehmen besonders attraktiv? Gibt es unterbewertete Aktien?

Wenn man gegen den Markt agieren und auf eine billigere Aktie setzen will, könnte Barrick Gold interessant sein. An zweiter oder dritter Stelle sehe ich Newmont Mining.

Wie sollten die Anleger Gold bewerten?

Vor allem muß man sich bei Gold, und insbesondere bei den Aktien von Goldminenbetreibern, immer wieder klar machen, daß eine inverse Korrelation zum Aktienmarkt und zu anderen Vermögenswerten besteht. Der Goldmarkt selbst ist zwar volatil, aber wenn man Gold in seinem Portfolio berücksichtigt - und sei es auch nur mit einem geringen Anteil -, sinkt aufgrund dieser Tatsache die Volatilität des Gesamtportfolios. Und damit verringert sich auch das Portfolio-Risiko für den Anleger. Gold stellt somit eine wirksame Absicherung dar.

Quelle: Bearbeitung: @thwi
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