Rohstoffe

Gold so teuer wie seit sieben Jahren nicht

13.11.2003
, 17:47
Verstärkt bei Anlegern gefragt: Gold
Gold steuert auf die Marke von 400 Dollar zu und erreichte am Donnerstag seinen höchsten Stand seit April 1996, während der Dollar gegenüber dem Euro verlor. Damit setzt das Edelmetall seinen Aufwärtstrend fort.

Was in der zweiten Oktoberhälfte noch scheiterte, könnte dem Gold nun gelingen: der Sprung über die „magische“ Marke von 400 Dollar. Einen großen Schritt in diese Richtung hat das Edelmetall vom Donnerstag getan. In London notierte die Unze zur sofortigen Lieferung nach einem Aufschlag von 3,55 Dollar oder knapp einem Prozent bei 397,25 Dollar. Dies war gleichsam der höchste Stand seit April 1996, wie die Agentur Bloomberg berichtet.

Das Edelmetall profitiert aktuell nach Angaben von einer Gemengelange: Zum einen wird Dollar stets dann gefragter, wenn der Dollar gegenüber dem Euro an Boden einbüßt. Denn das Edelmetall wird in der amerikanischen Währung gehandelt und deshalb für in Euro rechnende Anleger günstiger. Zweitens suchen Investoren verstärkt den „sicheren Hafen“ Gold auf, wenn Anzeichen politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit auftauchen - so wie durch die wiederholten Terroranschläge im Irak und in Saudi-Arabien. Zudem haben Hedge Fonds und andere Investoren zuletzt eine große Anzahl an Gold-Terminkontrakten erworben, was sich ebenfalls preistreibend ausgewirkt hat, wie es heißt.

Gold hat deshalb an drei aufeinander folgenden Tagen an Wert gewonnen, nachdem es zu Monatsbeginn knapp unter die Marke von 370 Dollar gefallen war. Seitdem hat es sich um gut sieben Prozent verteuert.

Mehr Nachfrage von Investoren

„Das Wachstum bei der Nachfrage kommt definitiv von Investoren und nicht von der goldverarbeitenden Industrie“, wird John Reade, Analyst bei UBS in London, von Bloomberg zitiert. Gleichwohl zeichnet die Industrie sich weiter als größter Abnehmer aus. Doch anders als bei Investoren sinkt ihre Nachfrage nach diesem Metall: In der ersten Hälfte ist die Produktion von Goldschmuck gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um elf Prozent gefallen. Dagegen sind Investitionen in das Edelmetall durch Hedge Fonds und andere Anleger zuletzt um 55 Prozent gestiegen, so Bloomberg unter Berufung auf Gold Fields Mineral Services in London.

Ebenso wie Gold befinden sich Gold-Fonds auf dem Höhenflug: So ist etwa der Merrill Lynch World Gold fast auf seinem Allzeithoch. Das Gleiche gilt für den AIG Equity Fund Gold und des DWS Goldminenaktien-Fonds. Dagegen können nicht alle Goldminen-Aktien nicht mit dem Höhenflug des Edelmetalls mithalten: Das Papier von Gold Fields liegt etwa 20 Prozent unter seinem Jahreshoch, während Randgold und Impala Platinum jeweils nahe an diesem Wert notieren und Anglogold ihn aktuell markiert.

Weiteres Preispotential

Die Chancen, daß Gold weiter teuer bleibt und sich der Preis tendenziell weiter aufwärts bewegt, stehen gut. Denn gemessen an dem in Aktien und Anleihen steckenden Kapital nehmen sich die Investments in Gold weiter sehr bescheiden aus, wie Investoren wie Jens Ehrhardt hervorheben (Gold nimmt Fünfjahreshoch ins Visier). Hier schlummert also noch preistreibendes Nachfragepotential. Das Gleiche gilt für den chinenischen Markt, auf dem im Zuge des weiter anschwellenden Wirtschaftswachstums eine erhebliche Zahl an Menschen gesehen werden, die sich künftig mehr Goldschmuck werden leisten können. Und allgemein sollte eine Belebung der Wirtschaft die Lust auf diese Edelmetall beleben.

Aus charttechnischer Sicht besteht derzeit noch kein Anlaß, sich von Gold zu verabschieden. Denn der Aufwärtstrend ist intakt. Und es ist kein Grund ersichtlich, warum sich das auf Sicht ändern sollte.

Der Chart zeigt den Gold-Index binnen Jahresfrist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

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