Rohstoffe

Goldpreis hat spekulative Übertreibungen korrigiert

06.10.2003
, 09:16
Gold mußte in der Vorwoche den größten Tagesverlust seit 1997 hinnehmen. Da Spekulanten zuvor die größten Wetten auf einen steigenden Preis seit 1983 aufgebaut hatten, kommt der Rückschlag aber nicht überraschend.
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Es kam wie es kommen mußte. Der zuvor auf ein Siebenjahreshoch gestiegene Goldpreis erlitt am Ende der Vorwoche einen herben Rückschlag. Ein Minus von 3,6 Prozent von 383,70 Dollar auf 370 Dollar je Feinunze bedeutete den größten Tagesverlust seit dem 24. Oktober 1997.

Gleichzeitig kam es auch bei den Goldminenaktien zu deutlichen Kurskorrekturen. Selbst trotz einer Stabilisierung beim Goldpreis um 372 Dollar verliert beispielsweise der größte australische Goldproduzent Newcrest Mining am Montag weitere 4,2 Prozent auf 10,73 Austral-Dollar.

Größte Wetten auf steigenden Goldpreis seit 1983

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Ausgelöst wurde die Bewegung durch überraschend gut ausgefallene amerikanische Arbeitsmarktdaten und einem im Gefolge anziehenden Dollar-Preis. Diese Entwicklung diente letztlich den Spekulanten aber nur als willkommene Entschuldigung dafür, sich von übertrieben hoch eingegangenen spekulativen Kaufpositionen zu trennen.

Diese Einschätzung spiegelt sich auch in den Kommentaren von Marktteilnehmern wider. So erklärte Donald Coxe, Anlagestratege bei Harris Investment Management: Gold hat an einem Tag die Gewinne eines ganzen Monats wieder abgegeben. Doch angesichts überraschend guter Arbeitsmarktzahlen und einem fallenden Dollar ist das nicht erstaunlich. Und Allan Corn vom Juwelier Michael Anthony Jewelers, ergänzt: „Die ganze Sache ist einfach zu spekulativ geworden.“

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Corn spielt damit auf die Tatsache an, dass Hedgefonds und andere spekulativ orientierte Anleger zum Stichtag 2. September mit 122.847 Future-Kontrakten auf Gold die größte offene Wette auf einen steigenden Goldpreis seit mindestens zwei Jahrzehnten eingegangen waren.

Wie immer an den Finanzmärkten werden derart übertrieben einseitige Wetten in eine Richtung früher oder später korrigiert. Auch Gold bildet da keine Ausnahme. Inzwischen wurden die größten Übertreibungen aber bereits beseitigt, so daß sich die Ausgangslage für das Gold jetzt wieder ausgeglichener gestaltet. Am 30. September waren die offenen Future-Positionen jedenfalls auf 95.188 Kontrakte abgeschmolzen. Das entspricht einem Minus im Wochenvergleich von zwölf Prozent und ist der stärkste Rückgang seit zwölf Monaten.

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Jetzt entscheiden wieder alleine der Dollarkurs und die Konjunkturdaten

Damit dürfte der Goldpreis künftig wieder mehr von den fundamentalen Rahembedingungen getrieben werden. In dieser Hinsicht kommt es darauf an, ob die Schwäche des Dollar anhält oder nicht. Und dies wiederum wird darüber mitbestimmt, ob die zuletzt besseren Arbeitsmarktdaten in Amerika nur eine Eintagesfliege waren oder der Vorbote dafür, daß der erhoffte Konjunkturaufschwung auch von Einstellungen begleitet wird.

Charttechnisch gesehen kann dabei im übrigen beim Goldpreis solange von einem intakten Aufwärtstrend gesprochen werden, wie die Marke von 342,50 Dollar nicht unterschritten wird. Denn dieses Niveau entspricht nicht nur einem im Juli markierten Tiefpunkt, sondern in dem Bereich verläuft in etwa auch die im ersten Quartal 2001 eingeleitete Aufwärtstrendlinie. Und Halt auf einem möglichen Weg nach unten findet Gold durch mehrere gestaffelte Unterstützungen, etwa die 200-Tage-Linie bei 355 Dollar. Entscheidend aufhellen würde sich die Chartlage bei Notierungen über 388,40 Dollar, denn dann wäre das bei einem Fixing erreichte bisherige Jahreshoch überboten.

Der Chart zeigt die Entwicklung beim Goldpreis.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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