Rohstoffe

Goldpreis nimmt wieder Kontakt zum Jahreshoch auf

01.10.2004
, 11:22
Gold läuft mit dem Ölpreisanstieg aufwärts
Der Goldpreis straft Analystenprognosen, die das Edelmetall auf dem Rückweg sehen, Lügen. Der schwächelnde Dollar und der Ölpreisanstieg kommt dem Gold zugute. Auch der jüngste Aufwärtstrend spricht für das Edelmetall.

Der Goldpreis könnte bei einem Schlußstand von weniger als 408 Dollar je Feinunze sehr rasch wieder auf seine derzeit bei 396 Dollar verlaufende Aufwärtstrendlinie zurückfallen, orakelte Barclays Capital Ende September. Es sei zu erwarten, daß die Notierungen diese Linie letztlich unterschreiten und in der Folge bis auf 360 Dollar zurückfallen, fügten die Analysten hinzu. Doch es ist anders gekommen.

Der Goldpreis hat sich nicht abwärts orientiert, sondern er steigt weiter und bestätigt seinen am 7. September begonnenen jüngsten Aufwärtstrend. Und nicht nur das: Gold hat am Donnerstag den höchsten Stand seit fünfeinhalb Monaten erreicht und legt am Freitag vormittag weiter zu. Aktuell kostet die Unze des Edelmetalls 418,30 Dollar und damit 0,14 Prozent mehr als am Vortag. Auch Aktien von Gold-Minen laufen seit einigen Wochen hoch.

Üblicherweise wird Gold teurer, wenn der Dollar gegenüber dem Euro und anderen Hauptwährungen schwächelt. Dies ist derzeit der Fall. Doch der Wertzuwachs bei Gold seit 7. September übersteigt deutlich die Abwertung der Weltleitwährung gegenüber dem Euro. So sehen Marktteilnehmer einen anderen Rohstofftrend als weiteren Grund für den Anstieg des Goldpreises an.

Petrol-Dollars werden in Gold umgemünzt

Außer dem zum Euro gesunkenen Dollar hat das nur knapp unter seinem Rekordhoch tendierende Rohöl das Edelmetall deutlich über die Marke von 415 Dollar je Feinunze steigen lassen, meinen Händler. Marktteilnehmer sagten weiter, daß die physische Nachfrage nach dem gelben Edelmetall derzeit in Indien und dem Nahen Osten sehr stark sei. Auch dies hänge direkt mit dem Ölpreisanstieg zusammen: Im Nahen Osten habe der hohe Preis für das zähflüssige „schwarze Gold“ für ein Anwachsen des Reichtums gesorgt, der nun unter anderem für Goldankäufe genutzt werde.

Obwohl der Goldpreis weiterhin stark von den Schwankungen des Dollarkurses abhängig sei, habe der Einfluß des Ölpreises in den vergangenen Wochen die bedeutendere Rolle gespielt, heißt es weiter. Investoren suchten eine Anlageform, die gegenüber einer möglichen durch höhere Energiekosten angeheizten Inflation resistent sei. Und die Nachfrage nach dem Edelmetall steigt häufig auch im Zuge schwacher Konjunkturmeldungen, wie sie zur Wochenmitte wieder zuhauf aus den Vereinigten Staaten gekommen sind, weshalb der Dollar unter Druck steht. In solchen Zeiten ist Gold als „sicherer Hafen“ gesucht.

Gold-Chart und Euro-Dollar-Parität fast im Einklang

Aktuell sehen Händler das Edelmetall weiter auf dem Vormarsch. Die Stimmung sei weiter leicht positiv, das über der soliden Unterstützung von 417/418 Dollar liege, wie sich aus dem Kursbild ergebe. Die genannte Haltemarke ergibt sich aus einem Zwischentief im Februar dieses Jahres. Umgekehrt muß Gold die Hürde bei etwa 423/24 Dollar überwinden, um sich näher an sein das Schlußkursbasis gesetztes Jahres- und Allzeithoch bei 426,70 Dollar heranrücken will. Dies ist gleichsam der letzte Widerstand vor der Rekordmarke. Der jüngste Aufwärtstrend spricht für das Edelmetall, genauso wie der kurzfristige Abwärtstrend des Dollars gegenüber dem Euro.

Die Entwicklung des Goldpreises dürfte wie in der Vergangenheit auch und gerade von der Stärke oder Schwäche des Dollars und des Vertrauens in die amerikanische Leitwährung abhängen. Darauf lassen nicht zuletzt die in jüngster Zeit bei beiden Anlagen gesehenen Kursschwankungen schließen. Der Gold-Chart und die Euro-Dollar-Parität sind fast im Einklang miteinander gelaufen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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