Rohstoffe

Goldpreis profitiert nicht nur vom Dollar-Verfall

25.10.2004
, 13:47
Während der Euro gegenüber dem Dollar weiter auf Vormarsch ist, zieht er den Goldpreis mit sich auf ein neues Mehrjahreshoch. Doch das Edelmetall profitiert nicht allein von der Dollar-Schwäche, wie Branchenexperten meinen.
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Der Goldpreis kennt seit der zweiten Septemberwoche unter dem Strich nur eine Richtung: aufwärts. In dieser Zeit ist die Unze des Edelmetalls um gut 7,5 Prozent teurer geworden. Am frühen Montag nachmittag kostet sie 429,03 Dollar, nachdem sie gegen Mittag schon 430,20 Dollar gekostet hatte. Damit schickt sich das Gold an, sein am Freitag markiertes Mehrjahreshoch auf Schlußkursbasis auszubauen. Zudem rückt es näher auf das auf Intra-Day-Basis gesetztes Hoch von 432,10 Dollar am 1. April dieses Jahres heran.

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Wer nach Gründen für den Anstieg sucht, muß auf das Verhältnis von Euro und Dollar schauen: Die Gemeinschaftswährung hat den Greenback im Verlauf der vergangenen sechs Wochen rund fünf Prozent abgenommen. Seit dem Maitief hat Gold um 14,4 Prozent zugelegt, während sich der Euro um gut neun Prozent verbessert hat. Mithin laufen Euro und Goldpreis zu einem gut Teil im Gleichklang. Dies bestätigt die Erfahrung, daß beide in einer Wechselbeziehung zueinander stehen. Im laufenden Jahr verhielten sie sich nur im Februar und im April unterschiedlich. Im ersten Fall konnte das Edelmetall dem Euro nicht folgen, im zweiten Fall lief es ihm deutlich voraus. Branchenexperten sehen aber weitere Gründe für die Rally beim Gold: verstärkte Nachfrage aus Fernost und eine rückläufige Förderung des Edelmetalls in Südafrika.

Merrill Lynch: Gold sieht 2005 sein 17-Jahreshoch

„Der Dollar ist derzeit bestimmt der wesentliche Treiber beim Goldpreis“, wird Robert R. McEwen, Konzernchef beim viertgrößten kanadischen Goldproduzenten Goldcorp von Bloomberg News zitiert. McEwen nennt die Bedenken, daß die Vereinigten Staaten über ihre Verhältnisse lebten und sich auf die Finanzierung ihres Defizits durch ausländische Schuldner verließen, als Hintergrund der Goldpreis-Rally.

Preis auf Mehrjahreshoch: Gold
Preis auf Mehrjahreshoch: Gold Bild: dpa

Und: Aus der amerikanischen Notenbank sind Stimmen laut geworden, nach denen das anhaltende Handelsbilanzdefizit auf eine Abwertung des Dollars hinauslaufe. Gold wird gerne als Absicherung gegen einen sinkenden Dollarkurs gekauft. Besonders für in Euro und Yen rechnende Anleger wird es günstiger, wenn der Greenback schwächelt. So steht es derzeit auf der Einkaufsliste vieler Marktteilnehmer. Nach Angaben von Bloomberg haben 23 von 48 Händlern, Investoren und Analysten am Ende der vergangenen Woche empfohlen, Gold zu kaufen. Nur zwölf Marktteilnehmer votierten demnach für Verkaufen und Gewinnmitnahmen, während 13 neutral seien.

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Vor diesem Hintergrund meinen die Goldfonds-Experten von Merrill Lynch, der Preis des Edelmetalls könnte im nächsten Jahr bis auf 475 Dollar hochlaufen und mithin 2005 sein 17-Jahreshoch angreifen. Bei dieser Rally dürften die wohl geringer als befürchtet ausfallenden Goldverkäufe durch Zentralbanken helfen, wie Fondsmanager Graham Birch laut Bloomberg meint.

„Goldpreis wird vor Weihnachten sein Jahreshoch markieren“

„Der Goldpreis ist in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt um einen Dollar in der Woche gestiegen, und ich denke, dieser Trend wird sich fortsetzen“, sagte Birch, der gemeinsam mit Evy Hambro den 6,5 Milliarden Dollar schweren Merrill Lynch World Gold Fund managt, der auf Goldminen-Aktien setzt. „Gold könnte könnte in den nächsten Wochen sein Jahreshoch erreichen und wird es definitiv vor Weihnachten markieren“, sagt er voraus.

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Daß Goldproduzenten einen Anstieg durch einen vermehrten Ausstoß behindern könnten, sehen sie nicht. Zwar erwarteten sie eine erhöhte Produktion in China und Rußland. Dem stehen aber ein rückläufiger Export aus Südafrika gegenüber. Denn der starke Rand, der seien Wert gegenüber dem Dollar seit Jahresbeginn 2001 verdoppelt habe, mache den dortigen Branchenvertretern das Leben schwer: Der starke Rand sorge für erheblichen Druck auf die Gewinnmargen. Deshalb lohnten sich Neuinvestitonen in Minen kaum noch.

Gleichzeitig könnte sich die Nachfrage aus China nach Angaben des Branchendienstes GFMS in London bis 2007 auf 600 Jahrestonnen verdreifachen - das sind 50 Prozent mehr, als Südafrika an Gold exportiert, wie Bloomberg anmerkt. Die reicher werdende Mittelklasse Chinas werde vermehrt Goldschmuck kaufen wollen, weshalb das Land bedeutende Mengen des Edelmetalls werde importieren müssen. Dies wiederum werten Birch und Hambro als preisstützend.

Fed-Vertreter sieht Dollar auf dem absteigenden Ast

Angesichts dieser Gemengelage scheinen die Aussichten für Gold ziemlich rosig zu sein - eine Meinung, die Merrill Lynch-Fondsmanager Evy Hambro schon im Februar in einem FAZ.NET-Interview vertrat („Kurzfristige Kursbewegungen bei Gold bedeutungslos“). Wesentlich dürfte vor dem Hintergrund der beobachteten Wechselbeziehung der weitere Kursverlauf des Dollar sein. „Über die Zeit gibt es für den Dollar nur eine Richtung: abwärts“, sagte Der Chef der texanischen Federal Reserve, Robert McTeer, zu Anfang Oktober. Wenn er recht behält, dürfte der Goldpreis sich auf Dauer robust zeigen - auch wenn er dann und wann unter Gewinnmitnahmen von Spekulanten leiden könnte.

Charttechnisch spricht derzeit nichts gegen Gold. Da das Edelmetall sein Mehrjahreshoch ausgebaut hat, hat es seinen Aufwärtstrend gefestigt. Erst ein Fall unter die Marke von 380 Dollar stellte den seit 2001 anhaltenden Aufwärtstrend in Frage; der seit Mai andauernde wäre bei 395 Dollar gefährdet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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