Rohstoffe

Hedge Fonds nur bedingt für Rekordpreise beim Öl verantwortlich

09.03.2005
, 18:15
Der Ölpreis befindet sich am Rande oder beim Nordseeöl auf Rekordniveau. Kurzfristig mag die Kursdynamik übertrieben sein, der langfristige Trend zeigt aber nach oben. Eine Studie entlastet Hedge Fonds von Spekulationsvorwürfen.

Der Ölpreis beunruhigt wieder einmal die Märkte. Denn mit 53,15 Dollar je Barrel Brent hat das Nordseeöl am Mittwoch an der Terminbörse in London den höchsten Stand seit Jahren erreicht. Auch an der New York Mercantile Exchange liegt der Preis am Mittwoch mit 54,70 Dollar je Barrel Öl gemessen am Endloskontrakt nur knapp unter dem Rekordwert vom Oktober des vergangenen Jahres.

Der Markt scheint immer noch darauf zu spekulieren, daß es im Laufe des Sommers zu einer Angebotsknappheit kommen könnte. Dabei hat das Rohölangebot in Amerika in der vergangenen Woche nach einem Plus von 3,2 Millionen Barrel auf 302,6 Millionen Barrel den höchsten Stand seit Juli des vergangenen Jahres erreicht. Die Reserven in Amerika haben sogar etwas mehr zugenommen, als erwartet worden war.

Enges Nachfrage-Angebotsverhältnis absehbar

Es dürfte allerdings der weitere Ausblick sein, der die Marktteilnehmer zu Käufen veranlaßt. Denn nach einer Schätzung des amerikanischen Energie-Departments wird die Weltölnachfrage im laufenden Jahr im Vergleich mit dem Vorjahr um 2,5 Prozent auf durchschnittlich 84,7 Millionen Barrel Öl pro Woche steigen, während das Angebot bei 84,6 Millionen Barrel liegen werde.

Bild: FAZ.NET

Das heißt, das Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot würde nach dieser Prognose sehr eng werden. Der Markt macht sich generell Sorge darüber, daß die Nachfrage nach Öl auf Grund des Wirtschaftswachstums weiter zunehmen wird, während die OPEC nicht in der Lage sei, das Angebot zu erhöhen. Ob das so stimmt, mag dahingestellt sein. Aber der Trend spricht zumindest kurzfristig für weiter steigende Preise. Denn der Markt ist in seiner Gesamtheit nicht sonderlich transparent.

Genau aus diesem Grund werden immer wieder Argumente angeführt die besagen, die Preissteigerungen beruhten alleine auf den spekulativen Aktivitäten aggressiver Anleger und Hedge Fonds. Solchen Argumenten widersprach allerdings James Newsome, Präsident der New York Mercantile Exchange, vor einem Senatsausschuß am Dienstag.

„Das Handelsvolumen der Hedge Fonds bei Terminkontrakten auf Öl und Gas reicht nicht aus, um den Markt zu bewegen und die Kurse anzuheizen,“ sagte er. Rund neun Prozent der Gaskontrakte und weniger als drei Prozent der Ölkontrakte, die an der Nymex gehandelt werden, entfielen auf Hedge Fonds, ergab eine Studie der Nymex. Das sei "nicht genug", um den Markt nach oben oder unten zu treiben, erläuterte Newsome. Außerdem tendierten Hedge Fonds dazu, mehr offene Positionen zu halten als andere Marktteilnehmer, was dazu beitrage, die Volatilität zu reduzieren, so Newsome.

Studie: Hedge Fonds sind keine Sündenböcke

Der Studie zufolge entfielen von Januar bis August des vergangenen Jahres 2,69 Prozent vom Handelsvolumen der Rohölkontrakte auf Hedge Fonds. Ihr Anteil am Handelsvolumen der Erdgaskontrakte lag bei 9,05 Prozent. "Die Studienergebnisse decken sich mit unserer Auffassung, daß Hedge Fonds unsere Märkte nicht negativ beeinflussen", teilte Newsome in einer per E-Mail verbreiteten Stellungnahme zu der Studie mit.

Will Goetzmann, Professor an der Yale School of Management, gab ihm Rückendeckung. "Den wilden Angriffen auf Hedge Fonds und andere spekulativ ausgerichtete Händler ist entgegen zu halten, daß wir ohne sie nicht auskommen", sagte Goetzmann, der Seminare über Hedge Fonds hält. "Denn sie tragen dazu bei, die Märkte effizient zu machen."

In ihrem September-Bericht hatte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich geschrieben, Hedge Fonds und andere Spekulanten hätten zu einem "herdenartigen Verhalten" beigetragen, das den Ölpreis im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch schnellen ließ. Der Einfluß einer großen Gruppe von Spekulanten, die immerhin neun Prozent vom Markt kontrolliert, sollte nicht unterschätzt werden, warnte auch Guy Gleichmann, Präsident des Rohstoffhändlers United Strategic Investors Group in Florida. Wenn eine solche Gruppe eine optimistische Haltung einnimmt, dann sei es wahrscheinlich, daß auch die Broker, die auf eigenes Risiko handeln, ihre Strategie anpassen, so Gleichmann.

Insgesamt dürfte kurzfristig kaum zu klären sein, was die Kurse an den Ölmärkten so stark nach oben treibt. Sicher scheint nur zu sein, daß die Nachfrage nach Rohstoffen in den vergangenen Jahren zugenommen hat und daß das Angebot vergleichsweise knapp ist. Aus diesem Grund dürfte die Lösung für Anleger darin bestehen, auf den langfristigen Trend zu achten und auf entsprechende Veränderungen zu reagieren. Möglicherweise kommt es zu kurzfristig zu einer leichten Entspannung, wenn die Heizperiode ausläuft.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri/Bloomberg
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot