Rohstoffe

IWF-Pläne lasten auf dem Goldpreis

07.02.2005
, 14:58
Der Chart zeigt die Entwicklung bei der Feinunze Gold
Beim Internationalen Währungsfonds wird darüber nachgedacht, über Goldverkäufe den Schuldenabbau armer Länder zu finanzieren. Der Preis für die Feinunze Gold hat darauf mit einem Rückfall auf ein Zwölfmonatstief reagiert.

Der Goldpreis wird diese Woche voraussichtlich weiter fallen, weil Marktteilnehmer befürchten, daß der Internationale Währungsfonds (IWF) das Edelmetall zur Finanzierung des Schuldenabbaus armer Länder verkauft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Bloomberg-Umfrage. In der Vorwoche war der Goldpreis in New York um 2,8 Prozent auf 415,90 Dollar je Unze gefallen und auch am Montag notiert er mit Dollar in etwa auf diesem gedrückten Niveau.

Von den 33 am 3. und 4. Februar befragten Händlern, Investoren und Analysten raten 14 zum Verkauf von Gold. Acht Experten setzen auf Kaufen, elf sind neutral. „Angesichts der Gespräche und Gerüchte über die IWF-Verkäufe, die den Markt belasten, sieht Gold weiterhin schwach aus", sagt Alexander Zumpfe, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt. „Das und der stärkere Dollar dürften das Edelmetall unter Druck bringen."

Auf den IWF entfallen 2,1 Prozent der weltweiten Goldreserven, das ist Platz drei hinter Amerika und Deutschland, ermittelte der Branchenverband World Gold Council. Die 3.217 Tonnen, die der IWF im Vormonat im Tresor hatte, sind am Markt über 43 Milliarden Dollar wert. In seinen Büchern hat der Fonds die Bewertung allerdings nicht aktualisiert. Er gibt die Reserven seit 1971 mit weniger als 41 Dollar je Unze an. Eine Neubewertung würde es dem IWF ermöglichen, Schulden zu erlassen oder den Schuldendienst aufzuschieben, um die Armut in Afrika zu bekämpfen.

Noch sind nicht alle Finanzminister von der Lösung überzeugt

Der britische Finanzminister Gordon Brown hofft, daß sich die G7-Staaten auf eine Neubewertung der IWF-Goldbestände einigen. Nach Angaben von John Taylor, Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, sind einige G7-Finanzminister jedoch nicht davon überzeugt, daß Goldverkäufe die beste Lösung des Schuldenproblems seien.

Während sich die G7-Mitglieder einig darin sind, daß die ausländische Hilfe für arme Länder verstärkt und die Schulden erlassen werden sollen, streiten sie über die Frage der Mittelbeschaffung. Großbritannien will, daß die reichen Länder mehr liquide Mittel bereitstellen und den Kapitalmarkt sowie die IWF-Goldreserven anzapfen. Das lehnen die Amerikaner ab und plädieren stattdessen für eigene Hilfsprogramme und einen Schuldenerlaß durch die Weltbank.

„Der Goldpreis bleibt so lange unter Druck, bis die Frage der IWF-Verkäufe geklärt ist", sagt Prithviraj Jothari, Direktor von Riddhi Siddhi Bullion Ltd. in Mumbai. „Diese Woche dürfte Gold zwischen 409 Dollar und 419 Dollar je Unze notieren." Der Goldpreis dürfte auch fallen, weil Kursgewinne der amerikanischen Währung die Attraktivität des Edelmetalls als Alternative zu amerikanischen Wertpapieren wie Aktien und Anleihen schmälern.

„Der Preis wird sich wahrscheinlich in naher Zukunft abkühlen", sagt Ron Cameron, Analyst bei Ord Minnett Ltd. in Sydney, voraus. Der Dollar bekam "leichten Auftrieb", durch die Äußerungen von Präsident George W. Bush, der das Haushaltsdefizit bis 2009 halbieren will. Zu Wochenbeginn notierte der Dollar bei 1,2852 Dollar je Euro, nach 1,2868 Dollar am Freitag.

Das erst im Dezember erreichte 16-Jahreshoch rückt in die Ferne

Spekulanten haben ihre Gold-Terminkontrakte die fünfte Woche in Folge auf den niedrigsten Stand seit dem 25. Mai reduziert, zeigen Daten der U.S. Commodity Futures Trading Commission. Auf Spekulationsgewinne ausgerichtete Investoren wie Hedge Fonds hatten per 1. Februar 28.118 Kontrakte mehr gekauft als verkauft, verglichen mit 28.345 Kontrakten in der Vorwoche, berichtete die amerikanische Aufsichtsbehörde für den Terminhandel am 4. Februar.

Gegenüber 1999, als Gold auf ein 20-Jahrestief von 253,20 Dollar je Unze sackte, hat sich der Preis wieder erholt. Dazu beigetragen hat eine Vereinbarung der 15 europäischen Zentralbanken, ihre jährlichen Goldverkäufe bis 2004 auf 400 Tonnen zu beschränken. Vergangenes Jahr wurde vereinbart, die Quote bis 2009 auf 500 Tonnen jährlich zu limitieren. Der Goldpreis erreichte am 2. Dezember ein 16-Jahreshoch von 458,70 Dollar je Unze. Pläne der Bundesbank, weniger Gold als geplant zu verkaufen, stützten den Preis zusätzlich.

Einige Zentralbanken haben die Gold-Rally der letzten vier Jahre zum Anlaß genommen, ihre Goldreserven zu verkaufen. Im vierten Quartal stiegen die Verkäufe auf 234 Tonnen, nach 65 Tonnen im dritten Quartal, schätzt das in London ansässige Marktforschungsinstitut GFMS Ltd. Kanada hat als erster der G-7- Staaten im Dezember 2003 alle Goldreserven verkauft

Quelle: Bloomberg
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