Rohstoffe

Kaffeepreis kann auf neue Hochs steigen

03.01.2005
, 13:31
Der Kaffeepreis hat in den vergangenen drei Jahren knapp 150 Prozent zugelegt. Auf Grund der steigenden Nachfrage und dem nachlassenden Angebot scheinen weitere Preissteigerungen wahrscheinlich zu sein.

Der Preis für Kaffeebohnen dürfte in diesem Jahr auf ein Sechsjahreshoch steigen, nachdem er 2004 bereits 60 Prozent zugelegt hat. Eine geringere Erntemenge in Brasilien und der zunehmende Durst der Konsumenten auf Kaffeespezialitäten dürfte den Preis für die braunen Bohnen an der Börse in die Höhe treiben.

Auch die Flutkatastrophe in Südasien wird wohl nicht ohne Folgen bleiben: in dem stark von dem Tsunami betroffenen Sumatra werden 71 Prozent der indonesischen Kaffeeproduktion angebaut.

Analysten rechnen mit Preissteigerungen von 30 Prozent

In einer Umfrage von Bloomberg rechnen elf Analysten und Kaffeeröster für dieses Jahr mit einem durchschnittlichen Preis von einem Dollar je Pfund (0,45 Kilo) für Kaffeeterminkontrakte der Sorte Arabica, die am New York Board of Trade gehandelt werden. Das ist 30 Prozent teurer als im letzten Jahr. Den Höchstpreis sehen die Befragten bei 1,275 Dollar je Pfund. Zuletzt 1999 hatte der Kaffeepreis dieses Niveau erreicht. Die Terminkontrakte sind die Benchmark für Konzerne wie Procter & Gamble Co. und Kraft Foods , zu denen die Kaffeemarken Folgers und Maxwell gehören.

Bild: FAZ.NET

Im Jahr 2004 bestimmten die höhere Nachfrage von Einkäufern wie Starbucks, der weltgrößten Coffee-Shop-Kette, sowie schlechtere Ernteaussichten in Brasilien, Vietnam und Indonesien das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die drei Länder produzieren insgesamt 48 Prozent der weltweiten Kaffee-Exporte. "Bis vor zwei Wochen habe ich nicht an diesen Markt geglaubt", sagt Nicholas Becharas, Präsident der Kaffeehandelsgesellschaft Becharas Brothers Coffee Co. in Highland Park, Michigan. "Jetzt sitzen die Röster ein bißchen in der Klemme und müssen kaufen."

Am 21. Dezember kletterte der Kaffeekontrakt auf 1,087 Dollar pro Pfund, das ist der höchste Stand seit Juli 2000. Im Schnitt lag der Preis im letzten Jahr bei 77,12 Cent, 23 Prozent höher als 2003. Am Donnerstag, dem letzten Handelstag des alten Jahres, notierte Kaffe für Lieferung im März 3,9 Prozent leichter bei 1,0375 Dollar je Pfund. Auf die hochwertigere Sorte Arabica entfallen zwei Drittel der weltweiten Produktion. Der restliche Teil entfällt auf die Kaffeesorte Robusta. Diese Kaffeebohnen wurden 2004 im Durchschnitt zu 33 Cents je Pfund gehandelt, ein Preisanstieg von 7,6 Prozent.

Zunehmender Konsum bei fallender Produktion

Der weltweite Kaffeekonsum ist im letzten Jahr 2,4 Prozent auf rund 118 Millionen Sack gestiegen, berichtete das deutsche Analyseunternehmen F.O. Licht am 23. Dezember. Ein Sack wiegt rund 132 Pfund oder 60 Kilogramm. In Amerika wurden im Jahr 2003, dem letzten Jahr, für das Zahlen vorliegen, 9,2 Prozent mehr Kaffee getrunken, zeigen Zahlen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums. Die Coffee-Shop-Kette Starbucks hat in Amerika im Oktober den Preis für eine Tasse Kaffee um elf Prozent angehoben, das ist die erste Preiserhöhung seit vier Jahren. Im November stieg der flächenbereinigte Umsatz der Coffee-Shops 13 Prozent, so stark wie seit neun Monaten nicht mehr.

In den Jahren 1998 bis 2001 war der Kaffeepreis auf Talfahrt, da die immer höheren Erntemengen die Nachfrage der Kaffeeröster überstiegen. Der Tiefpunkt war im Oktober 2001 erreicht worden, als der Kaffeepreis auf ein 30-Jahrestief bei 42,7 Cent je Pfund absackte. Der niedrige Preis hat Investitionen in neue Kaffeepflanzen und die Erhaltung der bestehenden Plantagen gebremst, so daß die Produktion in Mittelamerika und Afrika zurückgegangen ist, berichtet das amerikanische Landwirtschaftsministerium. Von der Pflanzung bis zur ersten Ernte dauert es nach Angaben Michael McDougall, Händler bei Fimat USA in New York, zweieinhalb Jahre. Durch entsprechende Pflege der Kaffeepflanzen kann der Ertrag um bis zu 20 Prozent pro Jahr gesteigert werden, fügt er hinzu.

Das Wetterphänomen El Nino und die mit ihm verbundene Trockenheit dürfte die Ernten in Brasilien und Vietnam beeinträchtigt haben, berichtet McDougall. Vietnam hat im letzten Jahr 12,8 Millionen Säcke Kaffee geerntet, 9,9 Prozent weniger als 2003, so F.O. Licht. Für dieses Jahr erwartet Brasilien, das Hauptanbauland der braunen Bohne, eine Erntemenge zwischen 30,7 Millionen und 33 Millionen Sack Kaffee, nach 38,6 Millionen in diesem Jahr. In Indonesien dürfte die Produktion im vergangenen Jahr 3,3 Prozent auf 5,8 Millionen Sack gesunken sein, erklärte der amerikanische Landwirtschaftsattaché in Jakarta am 22. November.

Vor dem Seebeben am 26. Dezember wurde Sumatra-Kaffee zu 1,84 Dollar je Pfund gehandelt, sagt Peter Longo, Eigentümer der New Yorker Kaffeerösterei Porto Rico Importing Co. "Ich denke, nach dieser Katastrophe dürfte der Preis für Sumatra-Kaffee auf vier bis fünf Dollar steigen." Die höheren Rohstoffkosten haben Procter & Gamble und Kraft bereits veranlaßt, den amerikanischen Einzelhandelspreis im Dezember um 14 Prozent oder 28 Cent je Pfund anzuheben. Der amerikanische Konzern Sara Lee verlangt ab 17. Januar für jedes Pfund Kaffee 35 Cent mehr.

Anleger können auf die Entwicklung spekulieren, indem sie Futures kaufen oder auf Zertifikate setzen. ABN Amro bietet beispielsweise ein währungsgesichertes Produkt unter der Isin NL0000417152 an.

Quelle: Bloomberg/@cri
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