Rohstoffe

Kaffeepreis wird für Spekulanten aromatischer

19.02.2005
, 17:22
Der Kaffeepreis zeigte in den vergangenen Wochen Dynamik nach oben. Spekulative Anleger scheinen auf weiter steigende Kurse zu setzen. Sie scheinen mit einem möglichen Nachfrageüberhang zu rechnen.

Die Entwicklung der Rohstoffpreise stieß in den vergangenen Monaten auf Aufmerksamkeit. Denn auf Grund der zunehmenden Nachfrage und eines zumindest kurzfristig unelastischen Angebotes wurden vor allem Öl, Gas und die verschiedensten Metalle innerhalb kurzer Zeit recht teuer.

Das Phänomen scheint sich allerdings nicht nur auf die Bodenschätze zu beschränken. Denn auch bei Kaffee hat sich einiges getan. Bis in den November des Jahres 2001 hinein befand sich der Terminkontrakt an der Börse in New York in einem Abwärtstrend, ging danach in einen volatilen, leichten Aufwärtstrend über und ist aus diesem in den vergangenen Wochen nach oben ausgebrochen. Seit seinem Tief bei 0,4190 Dollar er inzwischen knapp 180 Prozent zugelegt auf zuletzt 1,1705 Dollar je 170 Kilogramm Kaffee. Der Trend zeigt weiterhin nach oben.

Nachfrageüberhang möglich

Nach einer Einschätzung der International Coffee Organisation dürften die vorteilhaften Bedingungen vorerst noch anhalten. Zumindest bei der höherwertigen Sorte Arabica. Denn die Nachfrage sei angespannt, während gleichzeitig das Angebot in einigen Anbieterländern vergleichsweise gering sei. Bei der etwas minderwertigeren Sorte Robusta scheint es dagegen nicht ganz so vorteilhaft auszusehen. Denn hier scheint ein Überangebot zu bestehen, welches auf die Preise drücken dürfte.

Im Jahr 2004/05 werde die Welt-Kaffeeproduktion schätzungsweise bei 114,10 Millionen Säcken Kaffee liegen, die Nachfrage wird auf 113,7 Millionen Säcke geschätzt. Das heißt, Angebot und Nachfrage liegen ziemlich eng zusammen - oder: der Markt ist weitgehend ausgeglichen. Im Jahr 2005/06 dagegen könne die produzierte Menge auf 107 Millionen Säcke fallen, während sich die Nachfrage voraussichtlich auf 114 Millionen Säcke belaufen kann.

Angebotslücke nach schlechtem Wetter und geringer „Pflege“

Diese Angebotslücke kann unter anderem durch schlechtes Wetter in den Anbauländern - vor allem in Brasilien - ausgelöst werden. Die zum Teil niedrigen Preise der Vergangenheit könnten sich aber auch dadurch „rächen“, daß die Pflanzer nur geringe finanzielle Anreize hatten, ihre Plantagen zu unterhalten und zu pflegen. Das führt zu geringeren Erträgen. Das Weltkaffeeangebot besteht zu etwa 65 Prozent aus der Sorte Arabica. Die Terminkontrakte dieser Sorte werden an der New York Board of Trade gehandelt, währen die Sorte Robusta in London gehandelt wird.

Insgesamt scheinen in den vergangenen Wochen Hedge Fonds und andere spekulative Anleger zunehmend auf steigende Kaffeepreise gesetzt zu haben. Denn die Anzahl der gehandelten und auch der ausstehenden Kontrakte hat deutlich zugenommen. Das heißt aber auch im Umkehrschluß, daß es zu einer deutlicheren Korrekturbewegung kommen kann, wenn sie ihre Gewinne mitnehmen sollten.

Langfristig gibt es Argumente, die stark für Kaffee und andere der so genannten Soft-Commodities wie beispielsweise auch Orangensaft und nicht zuletzt auch Weizen sprechen. Denn auf Grund der tiefen Preise haben die Anbauer in den vergangenen Jahren nicht nur nicht sonderlich viel investiert, sondern teilweise auch ihre Produktion eingeschränkt. Auf der anderen Seite nimmt die Nachfrage mit zunehmendem Wohlstand und auch mit der vorerst noch zunehmenden Weltbevölkerung zu. Das kann zusammen zu steigenden Preisen führen - abgesehen von kurzfristigen Zwischenkorrekturen.

Im Gegensatz zu endlichen Rohstoffen wie Öl oder Gas dürfte allerdings mit steigenden Preisen mittelfristig das Angebot zunehmen und auf diese Weise eine denkbare Preisdynamik bremsen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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