Rohstoffe

Knappheitssorgen treiben den Ölpreis auf Rekordniveau

24.06.2005
, 13:06
Der Ölpreis steigt wieder einmal auf neue Höhen. Kurzfristig dominieren Knappheitssorgen das Geschehen. Längerfristig scheint es den produzierenden Staaten immer besser zu gelingen, die Preise hoch zu halten.
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Der Ölpreis schlägt wieder einmal Kapriolen. Mit einem Preis von 60,02 Dollar je Barrel WTI hat der Endloskontrakt an der Nymex in den vergangenen Stunden einen neuen Rekord erreicht. Der Trend zeigt einem Zwischentief im November des Jahres 2001 bei 17,45 Dollar eindeutig nach oben. Er wurde lediglich durch mehr oder weniger ausgeprägte Zwischenkorrekturen unterbrochen.

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Die vordergründige und oberflächliche Erklärung sind spekulative Käufe. Faktisch richtet sich der Blick auf die Entwicklung der Lagerstände und der Nachfrage in Amerika. Die Lagebestände haben dort in den vergangenen drei Wochen kontinuierlich abgenommen, während die Nachfrage nach Daten des amerikanischen Energieministeriums über jener des Vorjahres lag. Daraus läßt sich die Sorge ableiten, daß die Anbieter auch mit Blick auf die bald anstehende Winter- und damit Heizungssaison nicht in der Lage sein könnten, die Nachfrage zu befriedigen.

Verschiebung der Preisstrukturkurve nach oben

Abgesehen von solchen kurzfristigen Bedenken fällt vor allem der Preisanstieg bei den längerfristigen Preisen auf. Sie haben sich innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppelt, obwohl sie normalerweise weniger volatil sind als der so genannte Spotpreis. Damit hat sich die gesamte Ölpreisstrukturkurve nach oben verschoben.

Bei dieser Preisentwicklung spielt nicht nur die natürliche Angebots- und Nachfragerelation eine Rolle. Sie wird immer wieder mit dem Wachstum in Asien und vor allem auch der deutlich zunehmenden Nachfrage aus Asien in Zusammenhang gebracht. Immerhin wächst die chinesische Wirtschaft nach wie vor überraschend stark. Aber es kann auch andere Gründe geben. So weist das Institut francais du pétrole (IFP) auf den Zusammenhang zwischen Dollarkurs und Ölpreisentwicklung hin.

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Das IFP argumentiert, die Opec passe ihre Förderquoten an die Wechselkursentwicklung an, da die ölproduzierenden Staaten Einnahmen in Dollar erzielten, jedoch Waren vor allem aus Europa und Asien importierten. Aus diesem Grund seien sie bei fallendem Dollar an einem steigenden Ölpreis interessiert. Und bis zum Ende des vergangenen Jahres hat der Dollar deutlich an Wert verloren. Gleichzeitig hat die Ölproduktion in Rußland auf Grund der Turbulenzen in der Branche im Zusammenhang mit politischen Eingriffen weniger stark zugenommen, als in den vergangenen Jahren. Sie alle dürften sich nicht über die hohen Preise beklagen, da dadurch nicht nur ihre Einnahmen steigen, sondern auch die verbliebenen Reserven immer mehr wert werden. Zumindest nominell.

Produzenten und Verarbeiter sind an hohen Ölpreisen interessiert

Ähnliches dürfte für die ölverarbeitenden Unternehmen gelten, in erster Linie für die Raffinerien. Sie sind einerseits sehr kapitalintensiv. Das heißt, bei einem Risiko fallender Preise wird niemand vorschnell in diesem Bereich investieren. Und selbst wenn die Preise steigen, besteht die Tendenz, zunächst einmal erst die steigenden Margen zu genießen, statt neue Anlagen zu bauen. Denn damit würde man sich nur ins eigene Fleisch schneiden. Aus diesem Grund dürfte es kaum verwundern, daß die Preise von dieser Seite her getrieben werden.

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Vor allem in den Vereinigten Staaten scheint es zu wenig Verarbeitungskapazitäten zu geben, so daß die Produkte in Spitzenzeiten aus Europa importiert werden müssen. Auf diese Weise wird auch hier der Benzinpreis nach oben getrieben.

Insgesamt ist der Trend zu steigenden Preisen nach wie vor in Takt. Eine gewisse Entspannung dürfte nur dann möglich sein, wenn sich das globale Wirtschaftswachstum deutlicher abschwächen sollte oder wenn vor allem Amerika zu einem deutlich sparsameren Verbrauch übergehen sollte. Gleichzeitig haben die überschüssigen Produktionskapazitäten abgenommen. Das macht es für die Produktionsländer einfacher, die Preise hoch zu halten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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