Rohstoffe

Lage beim Kaffee-Preis bleibt angespannt

06.06.2005
, 15:32
Der Kaffeepreis zeigte in den vergangenen Wochen eine gewisse Konsolidierung. In Vietnam jedoch befindet sich der lokale Preis auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren. Er ruiniert Spekulanten, die dagegen gewettet hatten.

Nach einer längeren Phase der Ignoranz sind die Rohstoffe in den vergangenen Monaten als eigene Anlageklasse wieder in das Bewußtsein der Anleger zurückgekehrt. Das gilt nicht nur für die Bodenschätze, sondern auch für die so genannten Soft Commodities.

Dazu zählt unter anderem der Kaffee. Der Terminkontrakt auf die Früchte, die zur Herstellung des koffeinhaltigen Getränks angebaut werden, hat vom November des Jahres 2001 bis zum März des laufenden Jahres 233 Prozent auf bis zu 139,5 Punkte zugelegt und lag am Freitag mit 125,55 Punkten nur wenig darunter. Damit kostete ein Kontrakt mit 37.500 Pfund Robusta in New York genau 47.081 Dollar oder 2,77 Dollar je Kilo.

Steigender Kaffeepreis in Vietnam

Damit scheint die International Coffee Organisation recht behalten zu haben, die schon länger steigende Preise prognostiziert hatte. „Die vorteilhaften Bedingungen dürften vorerst noch anhalten, zumindest bei der höherwertigen Sorte Arabica. Denn die Nachfrage sei angespannt, während gleichzeitig das Angebot in einigen Anbieterländern vergleichsweise gering sei,“ schrieb sie in einem Bericht zu Jahresbeginn.

Bei der etwas minderwertigeren Sorte Robusta schien es dagegen zunächst nicht ganz so vorteilhaft auszusehen. Es deutete einiges auf ein Überangebot hin, welches auf die Preise drücken könnte, hieß es weiter. Allerdings könnte sich auch das ändern. An der Terminbörse in Tokio hat der Kaffeepreis für die Sorte Arabica am Montag um 4,03 Prozent auf 1,032 Millionen Yen je 3.450 Kilogramm oder 299 Yen je Kilo oder umgerechnet 2,79 Dollar je Kilogramm zugelegt. Der mittelfristige Trend zeigt weiterhin nach oben.

Hintergrund sind Meldungen, nach denen einige lokale Exporteure in Vietnam ihre Lieferverpflichtungen nicht erfüllt haben. Händler rechnen mit weiteren Insolvenzen, wenn der Preis weiter steigen sollte. Sie resultieren aus der Tatsache, daß einige Exporteure versuchten, von den gestiegenen Weltmarktpreisen zu profitieren, indem sie die Waren per Termin verkauft haben. Das hat allerdings dazu geführt, daß die Lagerbestände vor der Ernte von Oktober bis Januar deutlich gefallen sind. Gleichzeitig dürfte die geerntete Menge um bis zu 14 Prozent unter jener des Vorjahres liegen. Beides zusammen führte zu steigenden Preisen im lokalen Handel auf ein Fünfjahreshoch und dazu, daß die Exporteure Verluste machen, wenn sie lokal kaufen um ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Vietnam kontrolliert etwa die Hälfte des Weltmarktes in der Sorte Robusta.

Gewisse spekulative Erhitzung des Marktes

Das ist nicht alles. Denn auch indische Kaffeeanbauer beliefern Kontrakte nicht, die sie in London abgeschlossen haben. Es sei zwar nicht so, daß sie die Waren nicht hätten, sagen Experten. Sie versuchten allerdings, von den hohen Preisen bestmöglich zu profitieren.

Damit wird zweierlei deutlich. Erstens gibt es tatsächlich gewisse Knappheitsanzeichen im Markt. Sie deuten darauf hin, daß der Preis nicht grundlos gestiegen sein könnte. Auf der anderen Seite sind Zeichen einer gewissen spekulativen Erhitzung des Marktes nicht von der Hand zu weisen. Manche Marktteilnehmer reden von einem „überkauften Markt“. Auf dieser Basis dürfte es ratsam sein, bestehende oder eventuell auch neu eingegangene Positionen unbedingt abzusichern.

Langfristig dürften Soft-Commodities von der Phantasie profitieren können, daß das Wachstum in den Schwellenländern zu steigendem Wohlstand führt. Mit steigendem Wohlstand ändert sich das Konsumverhalten. Das wiederum kann dazu führen, daß die Nachfrage nach Kaffee und anderen nachwachsenden Rohstoffen deutlich zunimmt. Das Phänomen ließ sich zumindest beim wirtschaftlichen Aufstieg Japans beobachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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