Rohstoffe

Neuartiger Goldfonds in Vorbereitung

30.09.2003
, 19:55
Gold soll einem größeren Anlegerkreis zugänglich gemacht werden. Bald wird in London ein neuartiger Investmentfonds für Gold notiert werden, der direkt in Gold investiert. Vor allem auch günstiger als bisher.

Gold soll bald einem größeren Kreis von Investoren zugänglich gemacht werden. In London wird voraussichtlich Ende Oktober ein neuartiger Investmentfonds für Gold notiert, der die Anlage sowohl für institutionelle Investoren wie für Privatanleger günstiger machen soll.

Der World Gold Council, ein Zusammenschluß von internationalen Goldproduzenten, will den Fonds an mehreren Börsenplätzen in der Welt lancieren. In New York hat sich das Listing aufgrund von aufsichtsrechtlichen Schwierigkeiten verzögert, dafür haben die Goldförderer neben der London Stock Exchange nun Euronext in Paris sowie die Börse in Hongkong ins Auge gefaßt.

Fonds, die direkt in Gold investieren, gibt es bisher nur in Australien und Kanada

Investmentfonds, die direkt in das Edelmetall investieren, gibt es bisher nur in Australien und Kanada. In Australien hat im März die Gold Bullion Ltd. weltweit den ersten Goldfonds dieser Art auf den Markt gebracht. Die Nachfrage verläuft außerordentlich erfreulich, sagt Graham Tuckwell, Chairman der Gold Bullion Ltd., vor allem gemessen an den geringen Marketingausgaben. Seit März haben die Investoren gut sechs Tonnen Gold über den an der australischen Börsen notierten Fonds gekauft und dafür rund 75 Millionen Dollar investiert. Bei der australischen Initiative handelt es sich aber nur um einen kleinen Schritt, verglichen mit dem bevorstehenden Projekt des World Gold Council, der auch Tuckwells Gold Bullion Ltd. unterstützt hat.

Bisher waren Goldgeschäfte für Privatanleger mühsam und teuer. Das lag vor allem an den hohen Lager-, Transport- und Versicherungskosten des Edelmetalls. "Wenn Sie bei einem Marktpreis von 350 Dollar je Feinunze bei einer herkömmlichen Bank beispielsweise Goldmünzen kaufen, dann bekommen Sie diese vielleicht für 380 Dollar je Feinunze. Wenn Sie diese wieder verkaufen, dann erhalten Sie wahrscheinlich nur 340 Dollar", erklärt ein Londoner Edelmetallanalyst. Beim neuen Goldfonds aber haben sich die Goldförderer darauf geeinigt, die Aufschläge niedrig zu halten, denn die Investorenbasis für Gold soll verbreitert werden, etwa durch Pensionsfonds und Privatanleger, die ihre Portfolios diversifizieren wollen.

Deutliche Reduktion der Transaktionskosten angestrebt

Die Transaktionskosten sollen sich ähnlich wie bei normalen Aktiengeschäften auf rund 0,35 Prozent des zugrundeliegenden Wertes belaufen. Das vergleicht sich mit bisherigen Kosten für Goldtransaktionen von bis zu sieben Prozent. Ein Anteil des in London notierten Fonds soll aus einem Zehntel einer Feinunze Gold - das sind rund 32 Gramm - bestehen. Der Kunde hat auch ein Recht auf Auslieferung zwei Tage nach Auftragsvergabe. Anders als etwa bei Goldzertifikaten, wo eine Bank den Wert entsprechend den Schwankungen des Goldpreises garantiert, besteht bei einem Goldinvestmentfonds zudem kein Risiko durch einen Ausfall der Bank, denn die Investition ist durch den realen Kauf von Gold unterlegt. Im Fall der bevorstehenden Londoner Notierung fungiert die Bank HSBC als Verwalter der gekauften Goldmengen.

Auf dem Goldfonds des World Gold Council ruhen große Hoffnungen. Auf dem Gold Forum im amerikanischen Denver, einem wichtigen Branchentreff, waren die neuen Finanzvehikel in der vergangenen Woche Thema Nummer eins. "In den vergangenen zwanzig Jahren hat Gold der Welt in finanzieller Hinsicht nicht besonders genützt. Mit der Abschwächung des Dollar gibt es aber neues Interesse an Gold als Anlageobjekt", sagte Pierre Lassonde, der Präsident des führenden Goldproduzenten Newmont Mining. Dieses Interesse müsse mit den richtigen Instrumenten befriedigt werden. Daß die Einführung von Goldfonds Investoren aus den Aktien von Goldminenbetreibern flüchten lassen könnte, wird weniger erwartet. "Es gibt so viel aufgestaute Nachfrage von neuen Investoren", sagt der Analyst einer kanadischen Bank.

Goldminenaktien gelten als relativ riskant

Goldminenaktien gelten als riskant, weil bei ihnen neben dem Goldpreis Einflüsse wie die Qualität des Managements, das Länderrisiko in Entwicklungsländern sowie die Qualität der Goldreserven und die Kosten ihrer Hebung den Aktienkurs beeinflussen.

Viele Investoren sagen dem Kurs des Edelmetalls eine goldene Zukunft voraus. Auch die Deutsche Bank, die in Australien in diesem Monat Bezugsrechte auf Aktien des Investmentfonds Gold Bullion herausgebracht hat, schürt die Stimmung. "Der Preis von Gold ist bei 374 Dollar je Feinunze durch eine wichtige technische Widerstandslinie gebrochen", meint David Sarkis, Chef für Aktienderivate. "Dieser Umstand sowie die wachsende Nachfrage der Investoren, die Dollar-Instabilität, die nachlassenden Absicherungsaktivitäten der Produzenten und die verringerte Förderung in den Minen könnten den Goldpreis in den kommenden Monaten bis auf 450 Dollar je Feinunze treiben". Am Dienstag notierte er bei fast 385 Dollar.

Quelle: chs. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2003, Nr. 228 / Seite 27
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