Rohstoffe

„Öl kostet bald 60 Dollar je Barrel“

23.02.2005
, 13:47
Einträglich: Suchen und Fördern von Öl
Die Opec-Staaten wollen die Öl-Produktion im Jahresverlauf ausdehnen. Rohstoffstrategen rechnen dennoch bald mit 60 Dollar je Barrel in New York. Dazu paßt, daß sich der elf Öl-Aktien umfassende Oil-Index auf Rekordniveau bewegt.

Der Ölpreis dürfte in diesem Jahr die Marke von 60 Dollar je Barrel erreichen, also um gut 18 Prozent steigen. Davon geht Frédérique Dubrion aus, Fondsmanagerin bei Bearbull Securities in Genf. Grund dafür sind Bedenken, daß die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) nicht in der Lage sein dürfte, die Lücke zu füllen, sollte es zu Lieferengpässen kommen. „Die überschüssigen Kapazitäten der Opec sind so niedrig wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Sollte es also zu einem größeren Ausfall kommen, könnten die Preise anziehen“, sagte Dubrion zu Bloomberg News.

Börsianer scheinen auch mit weiter hohen Ölpreisen und entsprechenden Gewinnen der Konzerne wie ExxonMobil, Total, Marathon Oil oder BP zu rechnen: Der elf europäische und amerikanische Öl-Aktien umfassende Oil-Index bewegt sich auf Rekordniveau. Am Dienstag erreichte er mit 469,59 Zählern im Verlauf ein Allzeithoch und schloß bei 461,01 Punkten. Dieser Wert entspricht einem Rekordhoch auf Schlußkursbasis (Kursentwicklung des Oil-Index).

Nachfrage trotz hoher Preise zuletzt gestiegen

Im vergangenen Jahr zog die Ölnachfrage 3,4 Prozent an, so stark wie seit 1976 nicht mehr. Das ermöglichte den Ölproduzenten, bis an die Grenzen ihrer Förderkapazitäten zu gehen und von den Rekordpreisen zu profitieren. Bereits im vergangenen Jahr hatten Bedenken, daß die verbleibenden Kapazitäten nicht ausreichen, dafür gesorgt, daß der Ölpreis am 25. Oktober in New York auf die Rekordmarke von 55,67 Dollar je Barrel kletterte.

„Im vergangenen Jahr hat die Nachfrage nicht nachgelassen, obwohl der Ölpreis so stark gestiegen ist. Meiner Ansicht nach ist das ein sehr positives Zeichen“, erklärte die Vermögensverwalterin, deren Fonds unter anderem auf Exxon Mobil, Total SA und Suncor Energy setzt.

Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölexporteur, schöpft seine Kapazitäten nicht voll aus und verfügt für Notfälle über ein Reservoir von 1,5 Millionen bis 2 Millionen Barrel pro Tag, führte Ölminister Ali al-Naimi am Dienstag aus. Im September 2004, als der Ölpreis 13 Prozent anzog, hatte das Königreich 1,5 Millionen Barrel an Reservekapazität.

Ölpreis hält sich in Amerika über der Marke von 50 Dollar

„Saudi-Arabien versucht den Markt zu beruhigen“, erklärt Dubrion. Doch „abgesehen von Saudi-Arabien gibt es allerdings nicht viele Länder, die ihre Produktion rasch erhöhen könnten.“

Öl verteuerte sich am Mittwochmorgen in New York 0,3 Prozent auf 51,29 Dollar je Barrel, nachdem der Preis am Dienstag bereits 5,8 Prozent hochgeschnellt war. Im Tagesverlauf gab der Preis indes um 1,1 Prozent auf 50,86 Dollar. Rückenwind kam zuletzt vom ungewöhnlich kalten Wetter in Nordamerika und Europa, das für eine höhere Nachfrage sorgte. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Ölpreis 49 Prozent gestiegen.

Der Preis dürfte weiter steigen, „sollte es im Mittleren Osten zu einer größeren Krise kommen, der Terrorismus in Saudi- Arabien oder dem Irak aufflackern, die Probleme in Venezuela oder Nigeria zunehmen, oder die politischen Unsicherheiten in Rußland oder bei einem anderen großen Produzenten wachsen“, erläuterte Dubrion.

Hedge-Fonds-Manager: Struktur der Ölversorgung fragil

In Saudi-Arabien kämpfen Extremisten gegen die Ausbreitung westlicher Wertvorstellungen. Im vergangenen Jahr töteten Terroristen mehr als 40 Ausländer. Dadurch wollen sie nicht zuletzt auch die Position der regierenden al-Saud-Familie schwächen.

Ethnische und Arbeiterunruhen in Nigeria im vergangenen Jahr hatten mit zu dem hohen Rohölpreis beigetragen. Diese Gefährdung dürfte bis zum dritten Quartal anhalten, sagte Gal Luft, geschäftsführender Direktor beim Institute for the Analysis of Global Security in Washington. „Nigeria könnte wieder explodieren, und wenn das passiert, gibt es kein Halten mehr“, so Luft. „Der Preis dürfte 2005 durchschnittlich zwischen 43 Dollar und 45 Dollar pro Barrel liegen, mit einigen Ausschlägen in Richtung 50 Dollar und sogar 55 Dollar.“

Opec-Staaten wollen Produktion ausdehnen

Mit einem Ölpreis von 60 Dollar je Barrel rechnet auch Hedge-Fonds-Manager Boone Pickens aus Dallas. Er sagte schon im Dezember, die starke Nachfrage nach Benzin und anderen Treibstoffen sowie mögliche Störungen der „sehr fragilen“ Infrastruktur der weltweiten Ölversorgung, könnten zu diesem Preisniveau führen.

Die elf Opec-Mitglieder werden ihre Produktionskapazitäten bis Mitte des Jahres voraussichtlich um eine Million Barrel auf 31,5 Millionen Barrel pro Tag aufstocken, erklärte die Internationale Energieagentur am 10. Februar. Dadurch soll die Reservekapazität für eventuelle Engpässe vergrößert werden.

Quelle: Bloomberg/@thwi
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