Rohstoffe

Zuckerpreise vor dem Ausbruch nach oben?

24.03.2005
, 14:37
Der Zuckerpreis zeigte in den vergangenen Jahren stark zyklische Züge. Er könnte nun aber indirekt vom hohen Ölpreis profitieren, denken Strategen. Denn er könnte zu höherer Nachfrage bei geringen Lagerbeständen führen.
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Die Entwicklung des Zuckerpreises schein recht zyklisch zu verlaufen. Blickt man auf die Entwicklung an den Terminbörsen, so hat der Preis in den vergangenen Jahren mehrfach Tiefs bei etwa fünf amerikanischen Cents je Pfund erreicht, ist danach schnell auf bis zu elf Cents gestiegen, nur um danach wieder deutlich zu fallen.

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Auch in vergangenen Jahr fand der Preis wieder einmal ein Tief bei 5,27 Cents je Pfund und etablierte danach einen Aufwärtstrend, der nach einem Plus von knapp 78 Prozent auf einem Niveau von etwa neun Cents gedeckelt zu sein scheint. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Phasen scheint sich der Preis nun auf diesem Niveau zu stabilisieren, statt wieder sofort zurückzufallen.

Ölpreis mit indirekter Wirkung auf den Zuckerpreis

Das Phänomen kann sich nach Interpretation von Marktstrategen unter anderem mit der Entwicklung des Ölpreises erklären lassen. Denn in manchen Staaten wie beispielsweise in Brasilien gibt es Alternativen zum Öl. Denn dort gibt es dien Möglichkeit, aus Zucker Ethanol und damit einen alternativen Treibstoff, herzustellen.

Sollte Brasilien mehr Ethanol aus Zuckerrohr herstellen, um so den rekordhohen Ölpreis zu umgehen, so könnte der Zuckerpreis weiter steigen, erwarten zum Beispiel die Analysten der Rabobank. Sollte das Land die Produktion ausweiten, würde dadurch weniger Zuckerrohr für die Zuckerproduktion zur Verfügung stehen. Das Angebot sei bereits durch Dürren in Indien und Thailand geschrumpft. Der Rohzuckerkontrakt schloß am 14. März an der New York Board of Trade bei 9,23 Cent je Pfund nahe eines Vierjahreshochs.

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Brasilien hat als weltweit größter Produzent von Zuckerrohr bereits 26 Prozent des Treibstoffs durch Ethanol ersetzt. Das Benzin wird dabei mit Ethanol gestreckt. In den Vereinigten Staaten, dem zweitgrößten Ethanolverbraucher, hat das an den Tankstellen verkaufte Mischbenzin meist einen Ethanolanteil von zehn Prozent. Die speziell dafür ausgerüsteten Motoren können einen Ethanolanteil von bis zu 15 Prozent vertragen.

Niedrige Lagerhaltung und Produktion - steigende Nachfrage

"Wenn die brasilianische Regierung der Meinung ist, der Ölpreis werde weiter hoch bleiben, dürfte sie die offizielle Mischungsquote ändern. Das könnte zu einem sprunghaften Anstieg der Ethanol-Produktion führen," sagt Brad Hinton, Analyst bei Rabobank der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Ölpreis ist in jüngster Zeit auf bis zu 57 Dollar je Barrel geklettert. Brasilien wird knapp die Hälfte der im April zu Ende gehenden brasilianischen Zuckerrohrernte für die Ethanolproduktion verwenden, prognostizierte das amerikanische Landwirtschaftsministerium im Okotber des vergangenen Jahres. Der Anteil dürfte bis auf 52 Prozent anwachsen, weil Ethanol-Distillerien einen höheren Preis für Zuckerrohr bieten als die Zuckerproduzenten, erläutert Hinton.

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Die Commonwealth Bank of Australia rechnet damit, daß der Zuckerpreis bis zum Mai auf zehn Cent je Pfund anziehen könnte, weil die Lagerbestände auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gesunken seien. Gleichzeitig hat Indien, der weltweit zweitgrößte Zuckerproduzent und der größte Verbraucher, 1,5 Millionen Tonnen des weißen Rohstoffs importiert und braucht möglicherweise eine weitere Million Tonnen. Auch die Zuckerproduktion in Thailand, dem zweitgrößten Exporteur könnte 20 Prozent auf 50 Millionen Tonnen sinken.

Damit können die Effekte bei anhaltend hohem Ölpreis - zunehmende Nachfrage nach Ethanol und fallendes Angebot - zusammenkommen und dem Preis weitere Impulse verleihen. Allein in Amerika haben sich die gesamten Ethanol-Importe im vergangenen Jahr mit 161 Millionen Gallonen mehr als verdoppelt. Der Absatz von alkoholbetriebenen Autos hat in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich angezogen.

Damit scheint bei anhaltend hohen Ölpreisen auch der Zuckerpreis zumindest kurzfristig weiter nach oben zu tendieren. Im Unterschied zu Öl läßt sich allerdings mittel- und langfristig die Zuckerproduktion sicherlich steigern. Aus diesem Grund dürfte der Zuckerpreis weiterhin zyklischen Schwankungen unterliegen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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