Serie

Mit "Opportunismus" zur Überrendite

28.06.2002
, 20:53
Gewusst, wo's lang geht!
Die wahren Hedge Fonds sind „opportunistisch“. Sie wollen in jedem Umfeld hohe Erträge erzielen und gehen dafür hohe Risiken ein.

Sind die so genannten "Relative Value"- kaum und die ereignisorientierten Hedge Fonds nicht oder nur gering von der allgemeinen Entwicklung der Finanzmärkte abhängig, so gilt für die dritte Kategorie genau das Gegenteil. Denn die so genannten "opportunistischen" Fonds setzen voll auf bestimmte Trends an den Märkten.

Dabei gibt es innerhalb dieser Gruppe ein unheimlich breites Spektrum verschiedener Anlagestile. Ein wichtiger Stil, die Macro Fonds, haben in der Regel eine Basisstrategie - beispielsweise long/short, das heißt "Stock Picking", oder ein Trendfolgesystem mit Futures - und spekulieren daneben einige wenige Male jedes Jahr auf bestimmte Entwicklungen in anderen Märkten. Dabei setzen sie zum Teil hohe Beträge ein.

Der Wandel in der Strategie ist das einzig Stetige

Sie bewegen sich von Gelegenheit zu Gelegenheit, von Trend zu Trend und von Strategie zu Strategie. Meistens sind sie in sehr liquiden, hoch effizienten Märkten aktiv. Das bedeutet im Umkehrschluss, es gibt relativ wenige ineffiziente Situationen. So verdienen diese Fonds ihr Geld damit, dass sie Preisänderungen mehr oder weniger erahnen und früh darauf setzen. George Soros wird mit dem Satz zitiert "Ich spiele nicht nach bestimmten Regeln, sondern ich setze auf Regeländerungen".

Die Short Seller verdienen ihr Geld dagegen damit, dass sie überbewerte Aktien ausfindig machen. Dann leihen sie sich die Stücke aus, verkaufen sie zu hohen Kursen, um sie später günstiger zurück zu erwerben. In der Zwischenzeit parken sie die Erlöse am Geld- oder Rentenmarkt. In den Blickpunkt geraten bei dieser Strategie vor allem Unternehmen, die eine aggressive Bilanzierungspraxis aufweisen. Beispielsweise Tyco in den USA oder MLP in Deutschland. Auch wenn dieser Anlagestil in den Medien immer wieder gerne zitiert wird - es gibt nur relativ wenige Short Fonds und auch der Erfolg ist nicht überragend.

Emerging Market Fonds weisen in bestimmten Phasen immer wieder hohe Erträge aus. Generell ist jedoch auch die Volatilität hoch, da sich die Risiken selten absichern lassen. Die bestehen darin, zuverlässige Informationen zu erhalten, in undurchsichtiger Bilanzierung, in einem schwierigen juristischen Umfeld, in politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit und nicht zuletzt in teilweise unerfahrenen Managern. Als Kehrseite der Medaille gibt es natürlich die Chancen. Etwas die Möglichkeit, von Fehlbewertungen profitieren zu können oder auf unentdeckte, unterbewertete Unternehmen zu stoßen.

Long/Short Fonds sind die typischen Hedge Fonds

Die meisten Hedge Fonds sind so genannte Long/Short Fonds, ebenfalls eine „opportunistische“ Strategie. Sie sind nicht daran orientiert, irgendwelche Benchmarks zu schlagen, sondern sie wollen einfach nur positive Erträge erwirtschaften. Dafür genießen sie beinahe alle Freiheiten. Sie können aggressive Instrumente verwenden, können Leerverkäufe tätigen oder ihre Positionen in bestimmten Situationen absichern. Folglich sind auch ihre Chancen höher, als die normaler Fonds Manager. Können die nur Aktien erwerben, die sie für besser als den Markt halten, so können Hedge Fonds Manager auch an fallenden Kursen verdienen. Sie können die „Gewinneraktien“ kaufen und die „Verliereraktien“ verkaufen - und damit quasi zweimal profitieren.

Ein typisches Beispiel für einen „Short“ war beispielsweise die Pediatrix Medical Group. Ein Unternehmen, das für Kinderkrankenhäuser bestimmte Serviceleistungen erbrachte. Die Aktie war in den späten 90er Jahren an der Wall Street en vogue auf Grund ihres hohen Umsatz- und Gewinnwachstums. Allerdings erschienen die prognostizierten Wachstumsraten einigen Fondsmanagern suspekt, da sie die Geburtenrate der Kinder weit überstieg. Außerdem schien auch die Bilanzierungspraxis aggressiv zu sein. Deswegen begannen sie, die Aktie zu verkaufen. Schließlich musste das Unternehmen eingestehen, dass die Erträge weit unter den Erwartungen liegen werden. Die Hedge Fonds hatten also recht.

Quelle: @cri
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