Spezial Börsenzyklen

An der Jahresendrally ist mehr dran als nur Gerede

21.11.2005
, 11:14
Feuerwerk zum Jahresende - auch an der Börse
Auch in diesem Jahr setzen die Börsianer wieder auf eine Jahresendrally. Mit gutem Grund, denn dieses Kursphänomen hat sich in der Vergangenheit tatsächlich oft eingestellt.
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Nun ist es also wieder soweit. Das Jahr neigt sich seinem Ende zu und prompt wird in Börsianerkreisen eifrig wieder über das Thema Jahresendrally geredet und geschrieben. Das ist 2005 nicht anders als in den Jahren zuvor.

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Und auch in den nächsten Jahren wird das Thema nicht an Aktualität verlieren. Dafür spricht alleine schon die Statistik. Dient sie doch als Indiz dafür, daß es das Phänomen Jahresendrally wirklich gibt. Zur Beweisführung greift man am einfachsten auf den Dax zurück. Denn hier war es möglich, mit gezielten, zeitlich begrenzten Investments um die Jahresende, überproportional gute Ergebnisse zu erzielen.

Gute Performance und hohe Trefferquote

Laut Börsenexperte Dimitri Speck, der sich auf das Erkennen von Kursmustern und der Entwicklung daraus ableitbarer Handelssysteme spezialisiert hat, kamen Anleger, die vom 15. Dezember bis zum 06. Januar investiert waren, im Schnitt auf einen Gewinn von 3,5 Prozent. Das hört sich zunächst noch relativ unspektakulär an. Doch dieses Plus beruht ja nur auf zwölf Handelstagen. Würde der Dax immer so gut abschneiden, verdoppelte er sich im Mttel in jedem Jahr.

Überzeugend fällt aber nicht nur die absolute Höhe der Kursgewinne in diesem Zeitraum aus, sondern auch die Trefferwahrscheinlichkeit. Der Dax konnte in den vergangenen 30 Jahren in 26 Fällen Kursgewinne verbuchen.

Begründbares Phänomen

Bei einer so hohen Trefferquote liegt die Vermutung nahe, daß es sich hierbei mehr als nur um Zufall handelt. In der Tat finden sich gleich mehrere Argumente, die für das tatsächliche Existieren des Phänomens Jahresendrally sprechen. So versuchen institutionelle Investoren zum Jahresende hin, wenn die Liquidität an den Märkten etwas ausgedünnt ist, mit gezielten Käufen die Jahresbilanz noch etwas besser aussehen zu lassen.

Wie vermutlich viele Anleger aus eigener Erfahrung wissen, werden zum Jahreswechsel zudem traditionell viele Anlageentscheidungen mit Blick auf das neue Jahr getroffen. Dabei handelt es sich offenbar zumeist um Käufe, was vielleicht auch durch die gute Stimmung über die Feiertage zu erklären ist. Nicht vergessen werden dürfen in diesem Zusammenhang auch periodische Mittelzuflüsse wie das Weihnachtsgeld oder die zum Jahresende gehäuft fällig werdenden Zinsausschüttungen. Außerdem kommt inzwischen der Aspekt der sich selbst erfüllenden Prophezeiung hinzu. In Erwartung einer Jahresendrally will in dieser Zeit kaum jemand verkaufen.

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Keine Regel ohne Ausnahmen

Unter dem Strich kommt Speck wegen der erwähnten Faktoren zu folgendem Schluß: „Die Jahresendrally trägt ihren Namen zu Recht. Es handelt sich um ein ziemlich stabiles Muster mit gut fundierten statistischen Kennziffern. Sie ist diesbezüglich den meisten Börsenprognoseverfahren voraus.“

Dennoch ist natürlich auch die Jahresendrally kein absolut verläßliches saisonales Kursmuster. Auch hier gibt es immer wieder Ausnahmen von der Regel und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Eine automatische Gelddruckmaschine wird die Börse nämlich trotz aller Anstrengungen der Kursdeuter, sie genau dazu zu machen, vermutlich niemals werden.

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Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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