Strategie

Marc Faber rät zu asiatischen Währungen und Agrarrohstoffen

24.05.2005
, 16:30
Weizen ist teuer geworden
Der bekannte Anlagestratege Marc Faber rechnet mit schwächerem Wachstum in Amerika. Strategisch setzt er auf asiatische Währungen, das in seinen Augen unterbewertete Gold und auf Preissteigerungen bei Agrarrohstoffen.

Der malaysische Ringgit und der Singapur-Dollar bieten Investoren die größten Gewinnchancen unter den asiatischen Währungen, erwartet Marc Faber. Der für seine Investments in Asien bekannte Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Marc Faber Ltd. in Hongkong rechnet damit, daß eine flauere Konjunktur in Amerika die amerikanische Notenbank veranlassen dürfte, die Zinsen langsamer oder gar nicht mehr anzuheben.

Faber empfiehlt Investoren, Euro zu verkaufen und Ringgit oder Singapur-Dollar zu kaufen, weil diese Währungen nicht gestiegen und daher stärker unterbewertet seien. Sobald sich die Wirtschaftslage in Amerika verschlechtert, werde die Federal Reserve Bank "wieder ihr altes Rezept hervorkramen und das besteht im Grunde darin, Geld zu drucken, und der Dollar wird wieder schwächer", sagte Faber in einem Interview mit Bloomberg News. "Im Vergleich zum Euro sind die asiatischen Währungen sehr günstig."

Wetten auf den Ringgit ...

Der Ringgit ist seit sieben Jahren zum Kurs von 3,8 Ringgit je Dollar an den Dollar gekoppelt. Seit Anfang 2002 hat die Währung den Kursverfall des Dollar von 30 Prozent gegenüber dem Euro mitgemacht. Der Singapur-Dollar, der an einen Währungskorb gekoppelt ist, hat im gleichen Zeitraum zwölf Prozent gegenüber dem Dollar eingebüßt.

Faber ist der Autor des "Gloom, Boom & Doom Report" und investiert seit 1973 in Asien. Bekannt wurde er, als er vor der Asienkrise von 1997 Kapitalanlagen in Asien pessimistisch beurteilte. Aktuell sieht Faber asiatische Währungen positiv. Er geht davon aus, daß der Verteuerung bei den amerikanischen Immobilien, die den Anstieg bei den Konsumausgaben dort angetrieben hat, stagniert. Dies werde eine Abschwächung der amerikanischen Konjunktur auslösen. Und das wird seiner Ansicht nach dazu führen, daß die Fed die Leitzinsen senkt, und der Dollar fällt. "Der Devisenmarkt wird diese Lockerung antizipieren", und das wird zu einem Kursverfall beim Dollar führen, argumentiert er. "Sobald die Immobilienwerte nicht mehr steigen oder sogar sinken, verringert sich das Vermögen der Haushalte und bremst den Konsum", erläutert Faber.

Der Ringgit ist für Faber auch deshalb attraktiv, weil die Spekulationen auf eine Lockerung der Dollarbindung des chinesischen Yuan Druck auf Malaysia ausüben dürften, seine Währung ebenfalls freier zu handeln. Berechnungen von Standard Chartered Bank zufolge haben ausländische Investoren Ringgit- Anlagen im Wert von 30 Milliarden Ringgit oder 6,3 Milliarden Euro erworben und spekulieren damit auf eine Aufwertung der Währung.

... auf Gold und Agrarrohstoffe

Daneben setzt Faber auch auf Gold, das seiner Auffassung nach im Vergleich zu anderen Rohstoffen wie Öl unterbewertet ist. Derzeit kostet eine Unze Gold 417,60 Dollar, das entspricht etwa acht Barrel Öl, rechnet Faber vor. Als der Ölpreis 1998 auf weniger als 11 Barrel Öl sank, wurde Gold etwa zu 285 Dollar je Unze gehandelt. Das entspricht 26 Barrel Öl. "Sie sollten Gold kaufen und Öl leerverkaufen", empfiehlt er.

Ansonsten findet er die Rohstoffmärkte "nicht besonders attraktiv" - mit einer Ausnahme: Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais und Sojabohnen. Eine steigende Nachfrage aus China und die Auswirkungen der globalen Erwärmung dürften die Preise "leicht verdoppeln", betont Faber. Trockenheit bedroht rund 12 Millionen Hektar Anbaufläche in China, das beeinträchtige die Reisaussaat und die letzte Wachstumsphase des Winterweizens, berichtete die Zeitung China Daily im April unter Berufung auf staatliche Daten.

Weizen wird derzeit zu 3,17 Dollar je Bushel gehandelt, 20 Prozent teurer als im Dezember 1998. Im gleichen Zeitraum ist der Ölpreis um mehr als das Vierfache gestiegen. Der Preis für Sojabohnen dürfte die zweite Woche in Folge steigen, getrieben von Spekulationen, daß das trockene Wetter im Bundesstaat Mississippi sich auch auf andere Bundesstaaten ausdehnt. Damit wäre die Ernte in der größten Anbauregion der Vereinigten Staaten bedroht. Seit dem 4. Februar ist der Preis um 25 Prozent geklettert. Für Auftrieb haben Schäden durch Trockenheit in Brasilien, nach Amerika der zweitgrößte Sojabohnenproduzent, gesorgt.

"Agrarrohstoffe waren noch nie so günstig wie jetzt. Es wird mehr Dürreperioden, mehr Überschwemmungen und mehr Naturkatastrophen geben", die die Erntemenge reduzieren und den Preis in die Höhe treiben werden, formuliert Faber seine Erwartungen.

Quelle: Bloomberg
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