Strategie

Mit Volatilität zum Profit

23.10.2002
, 19:09
Spielen die Finanzmärkte verrückt, steigt die Volatilität. Werden sie dagegen ruhiger, bildet die sich zurück. Darauf lässt sich spekulieren.
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Die zum Teil sogar dramatischen Kursverluste der vergangenen Monate konnte Anleger wahrhaft depressiv machen. In den vergangenen zehn Tagen hellte sich die Stimmung zwar mit einer rasanten Gegenbewegung nach oben wieder etwas auf, aber wer ist schon sicher, dass alles ausgestanden ist?

Um die Verunsicherung abzulesen, genügt schon ein Blick auf den VDax. Er zeigt an, welche Volatilitäten Optionshändler bei der Bewertung der gehandelten Produkte verwenden. Sind sie hoch, so rechnen sie weiterhin mit starken Schwankungen des Marktes und machen die Terminkontrakte entsprechend teuer. Ähnlich, wie eine Versicherung bei gehäuften Schadensfällen ihre Versicherungsprämie erhöht.

Die Volatilitäten sind immer noch hoch

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Mit einem Blick lässt sich erkennen: mit einem VDax von knapp 49 ist die Unsicherheit immer noch sehr hoch. Denn unter normalen Börsenverhältnissen bewegt sich der Index um eine Marke von etwa 20 Prozent. Allerdings befindet sie sich nicht mehr auf einem Extremniveau, das wurde Anfang Oktober mit einem VDax von 59,39 Prozent erreicht. An diesem Tag muss der Kauf von Optionen oder Optionsscheinen extrem teuer gewesen sein. Das kann nur etwas für wagemutige Anleger gewesen sein, die mit weiteren rasanten Kursbewegungen gerechnet haben müssen.

Die Optionshändler oder clevere Spekulanten dagegen wird es gefreut haben. Denn die konnten mit dem gezielten Verkauf ihrer Produkte gutes Geld machen und darauf bauen, dass sich die hohe Volatilität abbaut. Denn irgendwann müssen sich die Börsen wieder einmal beruhigen - und dann wird die Volatilität mit großer Wahrscheinlichkeit auf ihr „Normalniveau“ zurückkehren. Zumindest ansatzweise. Und dann können sie - zumindest theoretisch - die teuer verkauften Optionen günstig zurückkaufen.

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Wette auf sinkende Volatilitäten scheint sicher zu sein ...

Das klingt nach einer sicheren Wette und könnte auch den einen oder anderen Privatanleger locken. Allerdings wird er bei der Spekulation auf fallende Volatilitäten auf gewisse Schwierigkeiten stoßen. Denn der Verkauf von Optionen ist hoch riskant. Wer nicht genau die richtigen Optionen kombiniert und die Risiken nicht im Griff hat, kann sehr viel Geld verlieren. Er kann sich zwar an seinen Bankberater wenden nach dem Motto: „Bitte stellen Sie mir ein Portfolio zusammen, mit dem ich von fallenden Volatilitäten profitieren kann“. So etwas machen die Banken zwar, aber in der Regel nur für große Kunden. Für Hedge Funds beispielsweise. Die jonglieren auch mit Millionen.

Im Unterschied zu „Otto Normalanleger“. Der muss sich folglich selbst zu helfen wissen. Nach langer Suche wird er möglicherweise fündig werden. Allerdings nur in der Schweiz. Denn dort bietet UBS Warburg zwei so genannte Short-Zertifikate auf die Volatilität des Euro Stoxx 50 an - und das sogar in Euro. Fällt die Volatilität, so steigt der Wert des Zertifikats und umgekehrt.

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... ist allerdings für den Privatanleger nur bedingt möglich

Das Papier mit der Wertpapierkennnummer 113 203 beispielsweise wurde am Mittwoch mit einem Briefkurs von etwa 1.200 Euro angeboten. Es ist zu einem Preis von 2.000 Euro emittiert worden bei einer Volatilität des EuroStoxx 50 von 39,5 Prozent und hat auf Grund der inzwischen zugenommenen Volatilität - aktuell liegt sie bei knapp 54 Prozent - an Wert verloren. Sollte sie jedoch zurückgehen, würde das Zertifikat entsprechend an Wert gewinnen (siehe obere Grafik).

Da die Volatilität eigentlich nicht unendlich weiter steigen kann, hört sich das verlockend an. Der Zeitpunkt zum Einstieg erscheint günstig. Allerdings gibt es Wermutstropfen. Denn erstens läuft das Instrument leider nur bis zum 20. Dezember des Jahres 2002. Man kann also nicht einfach warten, bis sich die Märkte beruhigt haben und dann mit sinkender Volatilität den „eigentlich sicheren Profit“ einfahren. Zweitens gibt es einen „K.O.-Level“, sollte die Volatilität auf ein Extremmaß steigen, wird das Zertifikat wertlos verfallen. Das schränkt den Reiz des Zertifikats leider ein.

Die beiden Grafiken zeigen den Wert des Shortys in Abhängikeit von der Volatilität bei Verfall (oben) und die Preisentwicklung des Zertifikats seit der Emission (unten, Mittelkurse, Quelle: UBS Warburg Zürich)

Quelle: @cri
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