Umfrage

„Wer reich ist, hat bessere Anlagechancen“

19.11.2003
, 14:15
Vermögende Privatinvestoren haben den Börsencrash besser überstanden als der Durchschnittsanleger. Denn sie konnten ihr Vermögen über mehrere Anlageklassen verteilen. So eine repräsentative Umfrage der Gain 21 Mitunternehmer AG.
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Die Reichen werden immer reicher, und die Armen immer ärmer - liegt das auch an der besseren Finanzberatung, von der vermögende Anleger profitieren?

84 Prozent der Deutschen glauben, daß Investoren mit einem Anlagevolumen von mehr als 100.000 Euro bessere Möglichkeiten haben, ihr Geld zu vermehren als durchschnittliche Anleger - durch eine größere Auswahl an Anlageformen und durch renditestärkere Finanzprodukte. Dies ergab eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa.

Die „Reichen“ diversifizieren besser

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Im turbulenten Börsenjahr 2002 verlor der europäische Standardwerteindex DJ Euro Stoxx 50 rund 37 Prozent; der deutsche Standardwerteindex Dax brach sogar um 44 Prozent ein. Trotzdem konnten Europas „High Net Worth Individuals“, vermögende Investoren mit einem Anlagevolumen von umgerechnet mindestens eins Million Dollar, ihr Vermögen um durchschnittlich 4,8 Prozent steigern (Quelle: Merrill Lynch/Cap Gemini Ernst & Young World Wealth Report 2003). Der World Wealth Report kommt zu dem Ergebnis: „Vermögende Privatkunden mit einem stärker diversifizierten Portfolio konnten ihr Vermögen offensichtlich besser erhalten als andere Investoren.“

Der gleichen Ansicht sind die rund 1.000 Personen zwischen 20 und 60 Jahren, die Forsa im Rahmen der Studie „Die Psychologie der Geldanlage“ zum Erfolgsrezept der Reichen befragte: 80 Prozent glauben, daß die vermögenden Investoren ihr Kapital trotz Börsencrash in den vergangenen dreieinhalb Jahren vermehren konnten, weil sie ihr Vermögen auf mehrere Anlageformen verteilten. 41 Prozent führen den Anlageerfolg auf sehr gute Beratung zurück. Nur 37 Prozent glauben, daß das auch das Glück eine Rolle spielte.

Ausgewogene Portfoliostruktur ist für viele Utopie

Die zehn reichsten Deutschen verfügen Schätzungen zufolge jeweils über ein Vermögen von mehr als vier Milliarden Euro. 96 Prozent der Befragten glauben, daß diese Wohlhabenden ihr Kapital in eine Mischung aus unterschiedlichen Anlageformen investieren, allen voran Immobilien (93 Prozent), Aktienfonds (83 Prozent) und Einzelaktien (70 Prozent). Auch außerbörsliche Firmenbeteiligungen (Private Equity) und geschlossene Fonds sind nach Ansicht vieler Befragter (64 Prozent oder 44 Prozent) Bestandteil der Anlagestrategie der Super-Reichen.

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Für viele Deutsche ist jedoch eine ausgewogene Anlagestrategie Utopie: 14 Prozent der Befragten können zurzeit kein Geld zurücklegen; neun Prozent investieren nur, wenn etwas übrig bleibt. Doch der Wille ist da: Angenommen, sie würden eine Million Euro im Lotto gewinnen, würden 98 Prozent einen Teil des Geldes anlegen; 80 Prozent würden dabei auf einen Mix aus verschiedenen Anlageklassen setzen. Daß 22 Prozent der potenziellen Millionäre dabei unter anderem auf das unrentable, traditionelle Sparbuch setzen, dürfte nicht zuletzt auf den mangelnden Kenntnisstand der Bevölkerung in Finanzdingen zurück: „Die Umfrage bestätigt, daß die Anleger, die es eigentlich am nötigsten haben, ihr Geld rentabel anzulegen, am wenigsten davon verstehen, wie sie ihr Kapital streuen und mit welchen Produkten sie ihr Anlagerisiko minimieren können.“

Fremdwort Asset Allocation

Je geringer das Einkommen der Befragten, desto weniger sind sie in der Lage, mit Finanz-Fachbegriffen umzugehen. Den Begriff Portfoliotheorie zu erklären, sehen sich 33 Prozent aller Anleger mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von über 4.000 Euro in der Lage. Von den Befragten mit einem Einkommen von unter 2.000 Euro, die regelmäßig investieren beziehungsweise bereits Geld zurückgelegt haben, trauen sich dies nur sieben Prozent zu. Von der Asset Allocation, der ausgewogenen Strukturierung eines Anlageportfolios, haben 91 Prozent der Anleger mit einem Einkommen unter 2.000 Euro noch nie gehört. Bei den Anlegern mit Einkommen von mehr als 4.000 Euro sind es nur 73 Prozent, die bei diesem Fachbegriff passen müssen. 60 Prozent der Anleger mit einen Einkommen von unter 2.000 Euro haben noch nie von Hedge-Fonds gehört, mit denen ab 2003 auch deutsche Privatanleger hohe börsenunabhängige Erträge erzielen sollen. Bei einem Einkommen von über 4.000 Euro können nur 36 Prozent nichts mit dem Begriff Hedgefonds anfangen.

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Finanzmagazine auch bei Frauen hoch im Kurs

Beim Finanzwissen gibt es nicht nur eine Kluft zwischen arm und reich, sondern auch zwischen Männern und Frauen: Nur 34 Prozent der weiblichen Anlegerinnen kennen den Begriff Hedgefonds, bei den Herren sind es hingegen 54 Prozent. Ob das an der Beratung liegt? 76 Prozent der Frauen, die sich in Sachen Geldanlage beraten lassen, suchen dazu eine Bank auf. Von den männlichen Anlegern verlassen sich nur 67 Prozent auf Bankberater. Anlagetips aus Finanzmagazinen und Zeitungen sind dagegen bei Frauen genau so beliebt wie bei Männern. 37 Prozent der weiblichen und 38 Prozent der männlichen Anleger informieren sich in den Printmedien, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.“ Anlageentscheidungen ganz ohne Beratung zu treffen, trauen sich nur 20 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer zu.

Macht Geld glücklich?

Egal ob Mann oder Frau, jung oder alt: Bei den Motiven für die Geldanlage sind sich die Deutschen einig. Die private Altersvorsorge steht auf Platz eins (West: 87 Prozent, Ost: 87 Prozent, Männer: 88 Prozent, Frauen: 87 Prozent). Auf dem zweiten Platz findet sich die Absicherung der Familie (gesamt: 79 Prozent). Angesichts dieser Motive überrascht es nicht, daß bei den Ansprüchen an die Geldanlage die Sicherheit vor der Rendite steht. 71 Prozent der Investoren legen bei der Geldanlage vor allem Wert auf Sicherheit, und nur sieben Prozent in erster Linie auf Renditechancen. Auf die Kombination aus beidem achten 20 Prozent. In Sachen Vermögensstrukturierung und Finanzwissen können die Deutschen noch viel von den Milliardären lernen. Daß die Superreichen darum glücklicher sind als der Durchschnittsverdiener, glauben trotzdem nur wenige. Auf die Frage: „Glauben Sie, daß Geld glücklich macht?“ antworteten nur 22 Prozent mit Ja.

Quelle: @cri
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