Voting-Protokoll

Anleger sollten bei Rohstoffen mehr Mut zeigen

21.10.2003
, 14:25
Die eher zögerliche Teilnahme an der Voting-Frage, ob Rohstoffe eine Anlageoption sind, läßt vermuten, daß dies bisher eher nicht der Fall ist. Dabei ist der Trend hin zu steigenden Rohstoffpreisen voll intakt.

FAZ.NET-Investor wollte von Anlegern wissen, ob für sie Rohstoffe als Anlagealternative in Frage kommen. Die mit 698 Nutzern eher geringe Teilnehmerzahl an diesem Voting läßt zunächst erst einmal für sich sich betrachtet vermuten, daß sich noch nicht allzu viele Investoren überhaupt Gedanken über diese Option machen.

Und unter den Teilnehmern antwortete zwar eine absolute Mehrheit von 54,73 Prozent mit Ja, und nur 34,24 Prozent votierten mit Nein (11,03 Prozent zeigten sich noch unentschlossen). Aber angesichts der Dynamik, die neuerdings an den Rohstoffmärkten vorherrscht, würde man annehmen, daß das Kräfteverhältnis noch deutlicher zugunsten der Ja-Sager ausfällt. Das spricht dafür, daß Rohstoffe auch in Form von Rohstoffaktien in den Depots der Privatanleger noch unterrepräsentiert sind.

Preissteigerungen auf breiter Front

Dabei steigen die Rohstoffpreise auf breiter Front. Fast kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Produkt ein neues Mehrjahreshoch markiert. Daher fällt die Suche nach Beispielen für diese Entwicklung nicht schwer. So notiert Platin auf einem 23-Jahreshoch, Baumwolle auf einem Fünfjahreshoch, Nickel auf einem 13-Jahreshoch und Kupfer auf einem Dreijahreshoch. Im Aufwind befinden sich auch Gold und Öl, aber auch exotischere Dinge wie Baumwolle und Sojabohnen. Selbst Rinder- und Schweinepreise sind zuletzt stark gestiegen.

Gut ablesen läßt sich die Aufwärtsbewegung auch am Baltic Dry Index, der Produkte wie Kohle, Eisen und Getreide beinhaltet. Dieser Index ist alleine im Oktober um über 50 Prozent gestiegen und hat sich in den vergangenen zwölf Monaten vervierfacht.

Gewinne wie diese verdeutlichen zweierlei. Zum einen, daß Rohstoffe aus welchen Gründen auch immer als Anlagealternative interessanter geworden sind. Und zum anderen aber auch, daß vermutlich schon wieder viele Spekulanten mit im Spiel sind.

Als Kurstreiber in dieser Hinsicht agieren vor allem Hedgefonds, die sich viel stärker als früher in dem Segment tummeln. Dieses erwachte Interesse beinhaltet Chancen und Risiken. Chancen dann, wenn der Mittelzufluß anhält und noch mehr Anleger auf den fahrenden Zug aufspringen. Risiken dagegen für den Fall, daß es abrupt zu einem Mittelabzug kommen sollte.

China-Nachfrage fundamental der wichtigste Preistreiber

Neben dem verstärkten Engagement spekulativer Anlagergruppen wird fundamental betrachtet für fast alle Kurssteigerungen eine ähnlich gestrickte Argumentationskette angeführt. Als Gründe für die steigende Preise wird dabei auf die rege Nachfrage aus dem wachstumsstarken China verwiesen, die Hoffnungen auf eine allgemeine weltweite Konjunkturbelebung und auf Angebotsengpäße, die sich nicht so schnell beheben lassen.

Diese Umstände haben die im November 2001 begonnene Bewegung bereits jetzt zum längsten Aufschwung in der Geschichte der Metallmärkte gemacht. Spannend ist auch die Beobachtung, daß die Preise für Energie, Metalle und landwirtschaftliche Produkte gleichzeitig steigen. Auch das signalisiert, daß es sich um einen breiter gefächerten Aufschwung handelt, der noch nicht an seinem Ende angekommen zu sein scheint.

Für Privatanleger würde es folglich Sinn machen, sich stärker mit der Thematik zu befassen. Zumal man sich vor einem Einstieg in diese Materie erst einmal etwas Fachwissen aneignen sollte. Der damit verbundene Aufwand könnte sich selbst dann lohnen, wenn die jüngsten Preissteigerungen schneller wieder in sich zusammenfallen als derzeit angenommen. Denn aus Gründen der Risikostreuung ist es allgemein angebracht, einen Teil des Vormögens auch in die Anlageklasse Rohstoffe zu stecken.

Quelle: @JüB
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